Eingeständnis China braucht Zeit für bessere Lebensmittelqualität

Gefährliches Spielzeug, Salmonellen im Fisch, Rattengift im Getreide – die chinesische Wirtschaft fürchtet um ihre Reputation. Deshalb machte die Regierung jetzt indirekt ein ungewöhnliches Eingeständnis: Sie bat um mehr Zeit zur Verbesserung der Qualitätsstandards.


Peking - "China ist noch immer ein Entwicklungsland, und es besteht klar ein Unterschied zwischen dem hiesigen Niveau der Lebensmittelsicherheit und jenem in den Industrienationen", erklärte ein Sprecher des chinesischen Kabinetts. "Nahrung ist von außerordentlicher Wichtigkeit, sie ist das unmittelbarste und lebenswichtigste Verbrauchsgut der Menschheit", betont Peking im ersten Strategiepapier zur Nahrungsmittelqualität in der Volksrepublik überhaupt. Schon seit Jahren arbeite China allerdings hart daran, die Qualität seiner Lebensmittel zu verbessern und ihre Sicherheit zu garantieren.

Lebensmittelgeschäft in China: Niveau eines Entwicklungslandes
DPA

Lebensmittelgeschäft in China: Niveau eines Entwicklungslandes

In den vergangenen Jahren sei eine große Zahl Vorschriften zur Qualitätssicherung bei Nahrungsmitteln erlassen worden. Auch arbeite die Volksrepublik bei diesem Thema mit ihren Handelspartnern viel enger zusammen als früher, heißt es weiter. Trotzdem wurden gerade in der jüngsten Vergangenheit etliche Skandale bekannt, die die Produzenten aus der Volksrepublik weltweit in Misskredit brachten – die Palette reicht von salmonellenverseuchten Meeresfrüchten bis hin zu Weizen mit Rattengift. Zuletzt hatten Rückrufaktionen von Millionen gefährlicher Spielsachen für Schlagzeilen gesorgt.

Das Strategiepapier wird als Reaktion der chinesischen Führung auf die Negativschlagzeilen über Lebensmittelskandale "made in China" gewertet. Es enthält aber auch eine Fülle von statistischem Material, das die Fortschritte bei der Verbesserung der Qualitätsstandards belegen soll. Unter anderem heißt es, 99 Prozent der Nahrungsmittelexporte in die USA, die Europäische Union und nach Japan im Jahr 2006 seien bei Kontrollen nicht negativ aufgefallen, allerdings gibt es kaum Vergleichszahlen.

Nach dem Auftauchen von giftigen bleihaltigen Farben an Spielzeug aus China fordert der Verband der deutschen Lackindustrie unterdessen dringend Nachbesserungen für das Chemikalienrecht auch in Europa. Fertigerzeugnisse wie Spielwaren würden vom EU-Recht - wie etwa der neuen Chemikalienverordnung Reach - nicht abgedeckt, kritisierte Verbandspräsident Peter Becker. Zwar werde ein Großteil der Konsumgüter für EU-Verbraucher außerhalb der Union produziert, die Hersteller in Drittstaaten müssten aber anders als ihre europäischen Wettbewerber die Unbedenklichkeit der von ihnen verwendeten Chemikalien nicht beweisen. Daher sollten auch ausländische Hersteller für ihre Importe in die EU nur nach EU-Recht registrierte Chemikalien verwenden dürfen.

In den vergangenen zwölf Monaten waren weltweit Millionen von Spielwaren aus dem Reich der Mitte wegen gravierender Sicherheitsmängel zurückgerufen worden - auch in Deutschland vertriebene Produkte waren darunter. Meist ging es um gefährliche bleihaltige Farbe oder auch um Magnete an Spielfiguren, die sich leicht ablösen ließen und von Kindern verschluckt werden konnten. Auch Wasserpistolen "made in China" standen schon in Verdacht, die Gesundheit von Kindern zu gefährden. Zuletzt hatte der US-Spielzeugproduzent Mattel vor drei Tagen rund 18 Millionen Produkte zurückgerufen - wieder ging es um Blei in der Farbe und leicht lösliche Teile, die verschluckt werden könnten.

mik/AFP



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