Eingeständnis Regierung räumt Ohnmacht gegenüber Inflation ein

Das Leben in Deutschland wird immer teurer - und die Bundesregierung muss machtlos zuschauen. Ein Sprecher von Kanzlerin Merkel gibt offen zu: Gegen die Preisentwicklung auf den internationalen Märkten kann Berlin nichts unternehmen.


Berlin - In Deutschland wächst die Angst vor der Inflation, trotzdem sieht die Bundesregierung auf nationaler Ebene keine Handhabe: Gegen die Preisentwicklungen auf den internationalen Märkten könne man mit nationalen Mitteln der Haushalts- und der Steuerpolitik nichts unternehmen, sagte der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg in Berlin.

Ziel der Bundesregierung sei finanzpolitische Stabilität. Steg bekräftigte, beim Treffen der Regierungschefs der acht führenden Industrieländer werde die weltweite Teuerungswelle ein Thema sein. Die G8 kommen ab Montag in Japan zusammen.

In Deutschland wurde im Juni mit 3,3 Prozent die höchste Teuerungsrate seit 15 Jahren registriert. In der Euro-Zone stieg die Inflation sogar um vier Prozent, das sind zwei Prozent mehr als das von der Europäischen Zentralbank gesetzte Ziel für Preisstabilität. Steg und ein Sprecher des Finanzministeriums bezeichneten die Heraufsetzung des EZB-Leitzinses um 0,25 auf 4,25 Prozent am Donnerstag als klares Signal für Preisstabilität.

Nach dem neuen ARD-Deutschlandtrend sehen inzwischen bereits 85 Prozent der Deutschen die Preisentwicklung mit großer Sorge. Knapp zwei Drittel der Befragten befürchten, dass sie mit ihrem Geld künftig nicht mehr auskommen. Zugleich weiß knapp die Hälfte der Menschen nicht, wo sie noch sparen können.

Dabei schränken sich über zwei Drittel schon ein, vor allem beim Autofahren (59 Prozent), bei Lebensmitteln (46 Prozent), beim Strom (31 Prozent), bei der Kleidung (30 Prozent) und beim Urlaub (24 Prozent).

wal/Reuters



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