Einigung Bahn und Lokführer beenden monatelangen Tarifkonflikt

Es ist vollbracht: Die Bahn hat sich mit der Lokführergewerkschaft auf einen neuen Tarifvertrag geeinigt - nach elf Monaten zähen Ringens. GDL-Chef Manfred Schell sprach von einem "historischen Tag" - auch die Bahn freut sich, dass der Konflikt jetzt beendet ist.


Berlin - Sechs Stunden haben Bahn und GDL heute an einem geheimen Ort verhandelt - dann kam die befreiende Bekanntgabe: "Der Tarifvertrag ist fertig", sagte GDL-Chef Schell vor Journalisten. "Er kann morgen früh paraphiert werden." Bis auf den "persönlichen und fachlichen Geltungsbereich" stehe alles fest. Schon morgen könnte der Vertrag unterzeichnet werden. "Dies ist ein historischer Tag", sagte Schell.

GDL-Chef Schell: "Der Tarifvertrag ist fertig"
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GDL-Chef Schell: "Der Tarifvertrag ist fertig"

Auch die Bahn bestätigte die Einigung: "Für uns ist der Konflikt beendet. Wir haben uns soeben geeinigt", sagte Bahn-Personalvorstand Margret Suckale in der Berliner Bahn-Zentrale.

Einer der längsten, nervenzehrendsten Tarifstreits der Republik steht damit kurz vor dem Ende.

Laut Schell tritt der neue Tarifvertrag am 1. März in Kraft und endet am 31. Januar 2009. Der GDL-Chef zeigte sich ebenfalls zuversichtlich, dass die noch bestehenden juristischen Auseinandersetzungen mit der Deutschen Bahn "beigelegt" werden.

Selbst jetzt, da sich GDL und Bahn endlich geeinigt haben, steht der neue Tarifvertrag der Bahn noch immer nicht ganz. Wichtige Fragen zum Geltungsbereich des Vertrages müssten noch mit den anderen Gewerkschaften Transnet und GDBA und der Bahn geklärt werden, sagte Schell - deren Zustimmung ist Voraussetzung für den neuen Vertrag.

Die drei Gewerkschaften müssen sich darauf einigen, wie sie künftig zusammenarbeiten - und davon sind sie offenbar noch ein gutes Stück entfernt. Offen ist beispielsweise, wer künftig für die Lokrangierführer zuständig ist. Das soll nun in einem Spitzengespräch der drei Gewerkschaftsvorsitzenden geklärt werden, sagte Schell. Ein zweites Spitzengespräch solle die Frage klären, ob die seit 1. Januar eingestellten neuen Lokführer ebenfalls in den Geltungsbereich des Tarifvertrages fallen.

Transnet und GDBA begrüßten die Einigung im Tarifkonflikt. Es sei "gut, dass die GDL in die Tarifstruktur des Bahn-Konzerns zurückkehrt", sagten GDBA-Chef Norbert Hansen und Transnet-Chef Klaus-Dieter Hommel.

Der GDL-Vorsitzende Manfred Schell und Bahnchef Hartmut Mehdorn hatten sich am 12. Januar auf Eckpunkte eines Tarifvertrags geeinigt. Als Ziel war genannt worden, den Abschluss bis Ende Januar perfekt zu machen.

Die Einkommen sollen in zwei Stufen zum ersten März um acht Prozent und im September um weitere drei Prozent angehoben werden. Zudem sollen die Lokführer rückwirkend vom 1. Juli 2007 an eine Einmalzahlung von 800 Euro bekommen. Der eigenständige Tarifvertrag für Lokführer soll wie fünf weitere Einzelverträge für andere Berufsgruppen unter das Dach eines allgemeinen Basis-Tarifvertrags gestellt werden.

ssu/AFP/AP/dpa/ddp/Reuters



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