Einigung im Aufsichtsrat Schaeffler-Manager Degenhart wird neuer Conti-Chef

Der Machtkampf bei Conti ist entschieden: Nach monatelangem Zoff haben Arbeitgeber und Arbeitnehmer im Aufsichtsrat den Umbau der Konzernspitze beschlossen. Schaeffler-Manager Elmar Degenhart löst seinen glücklosen Vorgänger Karl-Thomas Neumann mit sofortiger Wirkung ab.


Hannover - Mit dem grundlegenden Umbau des Managements wollen Continental und sein Großaktionär Schaeffler einen Schlussstrich unter die seit Monaten schwelende Auseinandersetzung ziehen. In einer Krisensitzung am Mittwoch gelang die Einigung: Schaeffler-Manager Elmar Degenhart wird neuer Conti-Vorstandschef. Er löst Karl-Thomas Neumann ab, der seinen Posten nach dem erbitterten Machtkampf mit Großaktionär Schaeffler nach nicht einmal einem Jahr mit sofortiger Wirkung aufgeben muss.

Schaeffler-Manager Degenhart: Wechsel mit sofortiger Wirkung
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Schaeffler-Manager Degenhart: Wechsel mit sofortiger Wirkung

Eine Abfindung soll Neumann den Abschied erleichtern. Nach Auskunft des stellvertretenden Conti-Aufsichtsratschefs Werner Bischoff von der Gewerkschaft IG BCE beträgt sie 7,4 Millionen. Neumann habe einer Vertragsauflösung bei dem Autozulieferer zugestimmt, erklärte der Gewerkschafter.

In Aufsichtsratskreisen heißt es, die Arbeitnehmervertreter hätten explizit eine Beteiligung von Schaeffler an der Abfindung gefordert. Tatsächlich habe die Schaeffler Gruppe zugestimmt, einen Teil der Summe zu übernehmen. Insgesamt entspreche die Abfindung lediglich den ohnehin vertraglich zugesicherten Ansprüchen Neumanns.

Zugleich wird auch der Schaeffler-Berater Rolf Koerfer mittelfristig sein Mandat als Aufsichtsratschef niederlegen. Koerfer habe seine Bereitschaft erklärt, den Aufsichtsratsvorsitz abzugeben, nachdem die Neuordnung des Vorstands, insbesondere die Bestellung eines Finanzvorstands, vollzogen sei. Nach Aussagen von Bischoff soll der Nachfolger bis zur nächsten Sitzung des Gremiums am 29. September gefunden sein - Ziel ist die Besetzung des Postens mit einem Manager von außen. Koerfer soll dem Aufsichtsrat als Präsidiumsmitglied weiterhin angehören. Der Conti-Vorstand wird erweitert.

Mehrheitsaktionär Schaeffler begrüßte die Einigung. "Wir setzen darauf, dass der neue Vorstand konstruktiv und sachorientiert zusammenarbeiten wird", erklärte Schaeffler-Geschäftsführer Jürgen M. Geißinger. Bischoff, erklärte am Mittwoch: "Wir erwarten, dass künftig in den Entscheidungsgremien wieder vertrauensvoll zusammengearbeitet wird und die gefassten Beschlüsse nun auch zügig umgesetzt werden. Die Zeit der Zerstrittenheit hat dem Unternehmen nicht gutgetan."

Als "wichtigen Sieg der Vernunft" begrüßte auch Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer die Einigung. "Schaeffler und Conti können gemeinsam zu einem international führenden Zulieferkonzern werden. Für den Industriestandort Deutschlands ist das eine hervorragende Chance."

Continental und Schaeffler hatten sich einen erbitterten Machtkampf geliefert. Wer Koerfers Nachfolger wird, ist offen. Schaeffler hatte bei einer dramatischen Aufsichtsratssitzung Ende Juli versucht, Conti-Chef Neumann zu stürzen, war aber am Widerstand der Arbeitnehmerseite gescheitert. Die erforderliche Zweidrittelmehrheit für eine Ablösung Neumanns kam nicht zustande. Danach kam es Verhandlungen über eine Kompromisslösung.

Im Mittelpunkt bei Conti dürfte nun eine geplante Kapitalerhöhung für den finanziell angeschlagenen Autozulieferer stehen. Conti braucht frisches Geld. Der Conti-Aufsichtsrat hatte Ende Juli auf Drängen Neumanns Ende Juli grünes Licht für eine Kapitalerhöhung von bis zu 1,5 Milliarden Euro gegeben.

Nach Informationen der "Welt" wird nicht mehr über das Ob, sondern nur noch über das Wann und Wie einer Kapitalerhöhung diskutiert. Im Gespräch seien zwei Varianten, hieß es in Finanzkreisen. Wahrscheinlich sei eine große Kapitalerhöhung, die aber erst im Rahmen der Fusion beider Unternehmen umgesetzt werden soll. Das zusammengeführte Unternehmen sei für Anleger attraktiver, heißt es. Als Alternative, wenn auch wenig wahrscheinlich, seien zwei kleine Kapitalerhöhungen denkbar. Die erste könne zügig in Angriff genommen werden, um Conti schnell Geld in die Kasse zu spülen. Die zweite würde später bei einer Fusion folgen.

mik/ddp/dpa/AP



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