Einigung in Grundzügen Winterkorn vor Machtübernahme bei Porsche SE

Nach dem Aus für den früheren Porsche-Chef Wendelin Wiedeking soll voraussichtlich am Donnerstag ein neuer Vorstandschef für die Porsche Automobil Holding SE gekürt werden. Als aussichtsreichster Kandidat gilt VW-Chef Martin Winterkorn.


Stuttgart/Wolfsburg - Der Aufsichtsrat der Porsche SE kommt an diesem Donnerstag in Wolfsburg zusammen, dann soll endgültig entschieden werden. Dass ein anderer als Winterkorn zum Zuge kommen wird, gilt in eingeweihten Kreisen als äußerst unwahrscheinlich. Als Nachfolger von Ex-Finanzchef Holger Härter wird VW-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch gehandelt. Unter dem Dach der Holding sind das Porsche-Automobilgeschäft (Porsche AG) und die knapp 51 Prozent der Anteile an VW gebündelt.

VW-Boss Winterkorn, Chefkontrolleur Piëch: Einigung bei zentralen Details
dapd

VW-Boss Winterkorn, Chefkontrolleur Piëch: Einigung bei zentralen Details

Nachfolger von Wiedeking bei der Porsche AG Chart zeigen ist Michael Macht. Gemeinsam mit seinem Stellvertreter Thomas Eding zog er auch in den Vorstand der Porsche SE ein - allerdings nur als einfaches Vorstandsmitglied. Es wird erwartet, dass Macht und Eding auch weiter im Vorstand der Holding bleiben. Dem Vernehmen nach soll das bisher zweiköpfige Gremium voraussichtlich auf vier Vorstände erweitert werden.

Die Weichen für die gemeinsame Zukunft von Porsche und VW sollen an Donnerstag gestellt werden. Der Aufsichtsrat von Porsche soll im Anschluss daran die Grundlagenvereinbarung, über die seit Wochen verhandelt wird, ebenfalls abnicken.

Kreisen zufolge haben sich die Beteiligten bereits auf zentrale Details der Übernahme des Sportwagenbauers durch Europas größten Autobauer geeinigt. "Die Bewertungsfragen sind geklärt", sagten zwei VW-Aufsichtsräte der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch. Auch der geplante Einstieg des Emirats Katar mit 17 Prozent der Stimmrechte bei VW sei "fast in trockenen Tüchern", sagte ein mit der Situation vertrauter Banker.

Zwei Konzerne im Vergleich
Volkswagen
Fahrzeugproduktion: 6,35 Millionen
Umsatz: 113,8 Milliarden Euro
Nettogewinn: 4,69 Milliarden Euro
Mitarbeiter: 370.000
Marken: 9
Werke: 61

Porsche
Fahrzeugproduktion: 0,105 Millionen
Umsatz: 7,47 Milliarden Euro
Nettogewinn: 6,39 Milliarden
Mitarbeiter: 12.200
Marken: 1
Werke: 2

VW-Kreisen zufolge soll die Summe, die VW für Porsche voraussichtlich bezahlt, zunächst einmal unter Vorbehalt festgesetzt werden. "Es ist möglich, dass sie nach einer detaillierten Prüfung nachjustiert würde", hieß es. Porsche wollte dazu keine Stellung nehmen. In Unternehmenskreisen hieß es, die Verhandlungen über den Kaufpreis liefen noch. Auch mit dem Emirat Katar, das sich über Optionen auf VW-Stämme aus dem Porsche-Besitz an dem Wolfsburger Konzern beteiligen soll, werde noch verhandelt. Porsche wolle zudem weiterhin erreichen, dass Katar einen kleinen Anteil an der Porsche Holding übernehme.

Der Unternehmenswert von Porsche ist bei Analysten umstritten, da der Sportwagenbauer mehr als zehn Milliarden Euro Schulden hat und der Kurs der VW-Stammaktien als aufgebläht gilt. Groben Schätzungen zufolge beläuft sich der Unternehmenswert der Porsche AG mit dem Sportwagengeschäft auf acht bis elf Milliarden Euro, der Wert der Porsche Holding auf bis zu 14 Milliarden Euro.

"Dass der Kaufpreis bereits am Donnerstag öffentlich genannt wird, ist eher unwahrscheinlich", hieß es im VW-Lager. Bisherigen Plänen zufolge soll VW zunächst knapp die Hälfte der Porsche AG erwerben, um die übergeordnete Porsche Holding SE mit der VW-Beteiligung teilweise zu entschulden. Die Porsche SE soll den bisherigen Planungen zufolge dann bis 2011 mit VW verschmolzen werden. "Beim Zeitplan sind mittlerweile alle Pflöcke eingeschlagen", sagte ein VW-Aufsichtsrat. An Terminen für die zur Verschmelzung notwendigen Aktionärstreffen werde noch gearbeitet.

Die Verhandlungen seien nach dem Weggang von Porsche-Chef Wendelin Wiedeking störungsfrei verlaufen, sagten mehrere mit den Gesprächen vertraute Personen aus dem VW-Lager. "Die Atmosphäre war eine völlig andere als vorher", sagte ein Insider. "Die Kuh ist vom Eis. Alle Probleme sind gelöst", sagte ein VW-Aufsichtsrat. Wiedeking hatte Ende Juli den Machtkampf mit VW-Aufsichtsratschef und Porsche-Miteigner Ferdinand Piëch verloren.

mik/Reuters/dpa/dpa-AFX



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flus 17.07.2009
1.
Zitat von sysopDer Machtkampf scheint entschieden: Volkswagen soll mit knapp 50 Prozent bei Porsche einsteigen. Ein gutes Signal für die deutsche Autoindustrie?
Wir hatten doch schon mal den VW Porsche und der Service wurde auch von den VW Werkstaetten durchgefuehrt .... 911 hinter dem Polo ... das waere beinahe das Ende von Porsche gewesen. Dann kam H.Wiedeking - verdiente Milliarden fuer die Inhaber Familien - Millionen fuer sich und machte Porsche wieder zu Porsche .... jetzt beginnt das Spiel von neuem.
clauswclausen 17.07.2009
2. Ich habe früher schon einmal prophezeit...
Zitat von sysopDer Machtkampf scheint entschieden: Volkswagen soll mit knapp 50 Prozent bei Porsche einsteigen. Ein gutes Signal für die deutsche Autoindustrie?
... dass bei Porsche Tränen fließen werden. Niemand hat es kommentiert.
stanis laus 17.07.2009
3. Die demontierte Spiegel-Meldung
Der Spiegel hat einen Führungswechsel bei Porsche gemeldet. Der Pressesprecher (mit dem vorher nicht gesprochen wurde, was schon eine fast fahrlässige Ausübung des Handwerks ist) dementierte innerhalb von 10 Minuten. Die dementierte Meldung blieb stehen. Jetzt dementiert sogar Wolfgang Porsche, das Oberhaupt des Porsche-Clans. Die damit falsifizierte Meldung steht immer noch. Na ja, der Stern hatte seine Hitler-Tagebücher. Die Zeit einen Goethe, der hinter dem Bahnhof in Schrebergärtchen lustwandelte. Der Spiegel hat seinen Wendelin. Es ist Sommerzeit und die Presse sucht sich ein Opfer für ihre alljährliche Sommer- Diffamierungskampagne aus und gestaltet die Nachrichten selbst, weil es nichts zu berichten gibt. Der Spiegel ist demontiert. Warum soll man weiter ein Nachrichtenmagazin lesen, das nur Gerüchte weitertratscht und jede journalistische Sorgfaltspflicht in einer Titelstory (!) vernachlässigt?
japan10 17.07.2009
4.
Zitat von sysopDer Machtkampf scheint entschieden: Volkswagen soll mit knapp 50 Prozent bei Porsche einsteigen. Ein gutes Signal für die deutsche Autoindustrie?
Sollte es so kommen, wäre dies ein Bärendienst für die deutsche Autoindustrie. Die Macht und das Geld würden gewinnen. Porsche wird auf jeden Fall seine Exclusivität verlieren und nur ein Anhängsel in dem VW Konzern. VW fährt sowieso einen gefährlichen Kurs. Die Marke VW hat sich über die Jahre im eigenen Haus eine Billigkonkurenz mit Seat und Skoda aufgebaut und wird dies nach dem Porschechaos bezahlen müssen. Die Aktie muß zurückkommen auf max 30 - 40 Euro. Was beschämend ist, ist der Umgang mit Herrn Wiedeking. Er gehört auf jeden Fall zu den Topmanagern der letzten 20 Jahre in D. Er hat den Eigentümern Milliarden verdient und wird jetzt abgeschossen. Traurig, traurig. Aber andere Firmen werden sich auf ihn freuen.
Phoeni, 17.07.2009
5. Noch schnell einen kaufen...
... wer das nötige Kleingeld hat. Gerade das Erfolgsmodell 911 GT3, in seiner jüngsten Ausgabe das non plus ultra, wird es wohl so nicht mehr geben, wenn der Potenzprotz Piech und VW im Allgemeinen Porsche in Zukunft leiten. Man sieht es ja bei Audi und Lamborghini. Lamborghini ist mittlerweile zwar rentabel, aber Dank einer Überbenutzung von "Synergien" mit Audi ist der Charme der Marke mittlerweile so groß wie die eines A3 in Grundausstattung. Porsche als selbstständiger Hersteller verfolgte - zumindest im Kernbereich der Sportwagen - noch eine eigene Linie, jetzt dürfte sich die Spannung wohl darauf beschränken, wann denn ein Porsche Kleinwagen kommt... wirklich schade für die Marke, schade dass sich ein Mann wie Wiedeking, der sich so um die Marke verdient gemacht hat, so verspekulieren konnte, bzw. sich ausgerechnet am weltweit einzigartigsten Unternehmen - dank staatlich reglementierten Bestandsschutz wider sämtlichen sonst so gern propagierten marktwirtschaftlichen Regeln - vergehen wollte. Porsche wird überleben, keine Frage, aber nur noch als eine Marke unter vielen unterm Dach von VW...
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