Einigung zur Gesundheitsreform Freie Fahrt für chronisch Kranke und Blinde

Drei Wochen nach Einführung der Praxisgebühr haben Vertreter von Ärzteschaft und Krankenkassen heute in Bonn eine Ausnahmeregelung für chronisch Kranke beschlossen. Außerdem soll Blinden und Gehbehinderten die Fahrt zum Arzt bezahlt werden.


Streitobjekt Praxisgebühr: Einmal im Quartal zum Arzt
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Streitobjekt Praxisgebühr: Einmal im Quartal zum Arzt

Bonn - Als chronisch krank soll in Zukunft gelten, wer wegen seines Leidens regelmäßig zum Arzt muss - mindestens einmal im Vierteljahr. Darauf einigte sich der Gemeinsame Bundesausschuss von Ärzten und Krankenkassen heute auf seiner ersten Arbeitssitzung in Bonn. Außerdem verabschiedete das Gremium eine großzügigere Fahrtkostenregelung.

Zu dem vorgeschriebenen einen Arztbesuch im Quartal muss außerdem noch eine 60-prozentige Behinderung, eine Einstufung in Pflegestufe II oder III oder eine ärztliche oder psychotherapeutische Dauerversorgung kommen, bei deren Ausbleiben sich die Lebensqualität des Betroffenen vermindern würde. Eine Liste chronischer Erkrankungen soll es - anders als angedacht - aber nicht geben.

Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt hatte Ärzte und Kassen aufgefordert, offene Fragen binnen Wochenfrist zu klären, und dies als letzte Chance für das auf Selbstverwaltung basierende System bezeichnet. Ein vorangegangener Entwurf für eine Chroniker-Regelung des alten Bundesausschusses war vom Ministerium Ende vergangenen Jahres gestoppt worden. Chronisch Kranke müssen nur eine verminderte Zuzahlung von einem Prozent ihres Einkommens leisten.

Außerdem beschloss der Ausschuss endgültig eine Fahrtkosten-Regelung, für die bei einem Gespräch im Ministerium vergangene Woche bereits die Weichen gestellt worden waren. Demnach werden Transporte zu einer Strahlen- oder Chemotherapie sowie zu einer Dialysebehandlung erstattet. Voraussetzung ist, dass der Patient bei seiner Kasse mit einer Bescheinigung seines Arztes einen Antrag stellt.

Die Fahrtkosten werden auch bei einer außerordentlichen Gehbehinderung, bei Blindheit oder einer erheblichen Hilfebedürftigkeit erstattet. Liegt keines dieser Kriterien vor, kann der Patient in besonderen Fällen dennoch einen Antrag stellen, über den dann die Kasse im Einzelfall zu entscheiden hat.



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