Studie Einkommensunterschiede zwischen Mann und Frau bleiben extrem

Frauen verdienen im Laufe ihres Erwerbslebens insgesamt deutlich weniger Geld als Männer. Als Ursache gilt das überkommene Rollenmodell des Sozialstaats.
Mutter mit Kind: Ungleiche Behandlung

Mutter mit Kind: Ungleiche Behandlung

Foto: Patrick Seeger / picture alliance / dpa

Frauen können sich einer Studie zufolge über das gesamte Erwerbsleben hinweg nur etwas mehr als halb so viel Bruttoeinkommen erarbeiten wie Männer. Dieser sogenannte Gender Lifetime Earnings Gap ist noch wesentlich größer, wenn Kinder im Spiel sind, wie am Freitag aus einer Analyse im Auftrag der Bertelsmann Stiftung hervorgeht. Demnach schließt sich diese Lücke bei verfügbaren Einkommen und damit dem Lebensstandard vor allem dann, wenn Frauen sich im traditionellen Familienbild bewegen. Werden beide Einkommen im Haushalt zwischen den Eheleuten gleichmäßig aufgeteilt, fängt das Partnereinkommen Ausfälle von Müttern auf, die etwa wegen Kindererziehung Jobs unterbrechen. »Alleinerziehenden, die auf eigene Erwerbstätigkeit angewiesen sind, fällt es deutlich schwerer, ihren Lebensstandard zu sichern.«

Heute Mitte 30-jährige verheiratete Mütter und Väter haben laut Studie in ihrem Haupterwerbsalter – also zwischen 20 und 55 Jahren – nach Steuern und Abgaben zuzüglich Transfers und Familienleistungen je rund 700.000 Euro zur Verfügung. Frauen, die überwiegend alleinerziehend sind, kommen demnach nur auf rund 520.000 Euro und müssen im Vergleich zu verheirateten Müttern damit durchschnittlich Einbußen von rund 25 Prozent hinnehmen. Der tatsächliche Lebensstandard hänge also stark von der Familienkonstellation und den staatlichen Leistungen ab.

»Für verheiratete Mütter schließt sich die geschlechtsspezifische Lücke in den Lebenseinkommen – die Partnerschaft sichert sie finanziell ab«, sagte Manuela Barisic, Arbeitsmarktexpertin der Bertelsmann Stiftung. »Alleinerziehende haben dagegen das Nachsehen, da sie von Partnereinkommen kaum oder gar nicht profitieren können.« Vor allem die Kombination aus Ehegattensplitting, steuer- und abgabenfreien Minijobs und fehlenden Betreuungsmöglichkeiten setze starke Anreize für eine traditionelle Rollenaufteilung, in der die Frau weniger Erwerbsarbeit und dafür mehr Sorgearbeit übernehme als der Mann.

»Viele Frauen stecken in der Zweitverdienerinnenfalle fest«, sagte Barisic. Dadurch seien es bei Trennungen und im Alter meist Frauen, die hohe finanzielle Einbußen in Kauf nehmen müssten. »Wohlfahrtstaatliche Leistungen, die einen spezifischen Lebensentwurf fördern, sollten der Vergangenheit angehören – zumal Familie heute deutlich vielfältiger ist als früher.«

mik/Reuters