Einstieg bei Sal. Oppenheim Ackermann greift nach Privatbank-Perle

Die Deutsche Bank weitet ihren Einfluss aus: Das größte deutsche Kreditinstitut steht kurz vor dem Einstieg bei der Privatbank Sal. Oppenheim. Offiziell geht es um eine strategische Partnerschaft - doch Insider glauben, dass Vorstandschef Ackermann später eine Mehrheitsübernahme will.

Frankfurt am Main - Zäsur bei einer Traditionsbank: Erstmals in ihrer mehr als 200-jährigen Geschichte muss sich die angeschlagene Privatbank Sal. Oppenheim einen externen Investor ins Haus holen. Die Deutsche Bank bestätigte am Mittwoch, dass derzeit über eine strategische Partnerschaft verhandelt werde. Dafür hat das größte deutsche Kreditinstitut eigenen Angaben zufolge bereits ein unverbindliches Angebot abgegeben. Zurzeit prüfe man noch die Bücher.

Fassade der Deutschen Bank: "Die Sache dürfte innerhalb weniger Tage über die Bühne gehen"

Fassade der Deutschen Bank: "Die Sache dürfte innerhalb weniger Tage über die Bühne gehen"

Foto: A3796 Uwe Anspach/ dpa

Offenbar soll jetzt alles sehr schnell gehen: "Die Sache dürfte innerhalb weniger Tage über die Bühne gehen", sagte ein Insider der Nachrichtenagentur Reuters. Zunächst gehe es um einen Minderheitsanteil, die spätere Übernahme einer Mehrheit sei aber auch im Gespräch, berichtete die Agentur mit Verweis auf mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen.

Die Gespräche mit der Deutschen Bank zeigen die dramatische Lage bei Sal. Oppenheim, deren zweites Standbein neben dem Investmentbanking die Vermögensverwaltung für reiche Privatkunden ist. Noch vor einem Monat hatten die persönlich haftenden Gesellschafter Matthias Graf von Krockow und Friedrich Carl Janssen in einem Interview fremde Hilfe "selbstverständlich" abgelehnt. Das zu 100 Prozent in Familienbesitz befindliche Institut sieht sich als größte Privatbank Europas und bezeichnet Unabhängigkeit als einen der zentralen Werte des Hauses.

Doch seit Wochen halten sich Spekulationen, dass die Finanzaufsicht BaFin eine weitere Kapitalspritze bei Sal. Oppenheim für nötig hält. Die Behörde äußerte sich am Mittwoch nicht dazu, ob sie in die Gespräche eingeschaltet war.

Die 220 Jahre alte Privatbank musste 2008 wegen der Finanzkrise erstmals in der Nachkriegsgeschichte ein Minus hinnehmen - unter dem Strich waren es fast 120 Millionen Euro. Grund waren neben heftigen Einbußen im Kapitalmarktgeschäft Verluste bei Industriebeteiligungen, die die Familiengesellschafter mittlerweile in eine Holding auslagerten. Auch ist Sal. Oppenheim unter anderem an dem insolventen Handelskonzern Arcandor beteiligt. Vor einigen Monaten pumpten die Gesellschafter bereits 200 Millionen Euro in die Bank, um sie zu stützen.

Wie viel die Deutsche Bank zahlen will, um sich den Einstieg bei dem Institut zu sichern, blieb am Mittwoch zunächst unklar. Dies dürfte auch von dem ermittelten Wert der Privatbank abhängen.

Die gut 50-mal größere Deutsche Bank erhofft sich von der Partnerschaft vor allem Zugang zu den lukrativen Privatkunden von Sal. Oppenheim. Die Position der Bank im gehobenen Privatkundengeschäft vor allem in Deutschland solle gestärkt werden, erklärte das Institut. Das Geschäft mit vermögenden Kunden ist seit geraumer Zeit Verlustbringer und damit eine Achillesferse für das Frankfurter Geldhaus. Im Investmentbanking schreibt die Deutsche Bank dagegen in diesem Jahr wieder Milliardengewinne. Analyst Olaf Kayser von der LBBW nannte den Einstieg daher strategisch sinnvoll. Die Aktien zogen gegen den Markttrend leicht an.

Sal. Oppenheim: Chronik einer Traditionsbank

yes/Reuters
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