Einstieg bei Sal. Oppenheim Ackermann rettet den Safe der Superreichen

Sie ist die größte Privatbank Europas, doch Fehlentscheidungen stürzten sie in die Krise - Sal. Oppenheim strauchelt, jetzt könnte Josef Ackermann dem Institut aus der Patsche helfen. Experten glauben: Tatsächlich hat es der Deutsche-Bank-Chef auf die lukrative Vermögensverwaltung abgesehen.

Wer da wohl zu wem gegangen ist? Hat sich Josef Ackermann von sich aus als Retter angeboten? Oder musste Matthias Graf von Krockow, Gesellschafter-Sprecher von Sal. Oppenheim, beim Deutsche-Bank-Oberhaupt vorsprechen und um Hilfe bitten? Beides dürfte für den adligen Banker eine Schmach gewesen sein. Denn es ist erst knapp einen Monat her, da sagte Krockow dem "Handelsblatt", die Beteiligung eines externen Investors stünde "selbstverständlich" nicht zur Debatte.

Ackermann: Will sich jetzt im Privatbanking versuchen

Ackermann: Will sich jetzt im Privatbanking versuchen

Foto: DDP

Nun droht das 1789 gegründete Traditionshaus zum ersten Mal seit 220 Jahren seine Unabhängigkeit zu verlieren, die Deutsche Bank hat ein unverbindliches Beteiligungsangebot vorgelegt. Und auch wenn von einer "strategischen Partnerschaft" die Rede ist, für Beobachter ist klar: Krockow hat die weiße Flagge gehisst. Das Management der Bank-Manager stünde offensichtlich "mit dem Rücken zur Wand", sagt ein Analyst. "Es ist ganz klar: Das ist eine Rettungsaktion der Deutschen Bank."

Musterbeispiel stiller Effizienz

Freilich ist die nicht ohne Eigennutz. Sollten die Bücher von Sal. Oppenheim, in die die Deutsch-Banker jetzt Einblick bekommen, nicht immer noch vollgestopft sein mit untragbaren Risiken, könnte Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann einen kleinen aber feinen Coup landen. Angesichts der aktuellen Lage dürfte der Einkauf ein Schnäppchen werden. Denn die Investition ist vielversprechend: Das eigentliche Geschäft der Privatbank "ist ja eigentlich gut", sagt der Analyst.

Das ist nicht zuletzt Krockow zu verdanken, der das feine Geldhaus auf die Geschäftsfelder Investmentbanking und Vermögensverwaltung konzentrierte und unter dessen Ägide Sal. Oppenheim rasant wuchs. Das verwaltete Vermögen vervielfachte sich von einigen wenigen Milliarden zwischenzeitlich auf satte 160 Milliarden Euro. Vor allem alteingesessene Unternehmerfamilien schätzten die stille Effizienz des Hauses. Die Übernahme der BHF-Bank Ende 2004 machte das Geldinstitut mit einem Schlag zur Nummer eins der europäischen Privatbanken.

Doch dann kam die Finanzkrise - und von da an ging es bergab: 2008 musste der erste Verlust der Nachkriegsgeschichte ausgewiesen werden - ein Minus von 117 Millionen Euro. Bei der IKB  -Pleite und beim Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers   hatte das Geldhaus Unsummen verloren. Dann kaufte sich Sal. Oppenheim auch noch mit 30 Prozent bei Arcandor   ein, als der Konzern schon mächtig wankte. Das Fehlinvestment kam vor allem wegen der engen Verbindungen zur Arcandor-Großaktionärin Madeleine Schickedanz zustande, wie die Bank laut "Financial Times Deutschland" später eingestand.

Zu allem Unglück kam man auch noch in Erklärungsnot, weil Krockow und andere Gesellschafter eigenes Geld in die hauseigenen Oppenheim-Esch-Fonds investiert hatten. Deren Rendite stammte zum Teil aus den - ziemlich hohen - Mietzahlungen von Warenhäusern der Arcandor-Tochter Karstadt.

Sal. Oppenheim steuerte bereits gegen in den schlimmsten Problemfeldern: Risikobeteiligungen und Private-Equity-Aktivitäten wurden in eine neue Gesellschaft ausgelagert, das Derivate-Geschäft kräftig zusammengestutzt. Trotzdem wurden in den vergangenen Wochen die Gerüchte immer lauter, Oppenheim brauche frisches Kapital. Ein Gang zum Staatsfonds Soffin hätte das Image der Privatbanker aber wohl ziemlich ramponiert.

"Da kann man sich als Bank freuen, zum Zuge zu kommen"

So hilft Ackermann seinem Kollegen Krockow nun, das Gesicht halbwegs zu wahren. Die Deutsche Bank   selbst hat es dabei vor allem auf die reichen Privatkunden der Traditionsbank mit einem verwalteten Vermögen von zuletzt 132 Milliarden Euro abgesehen. "Das ist ein sehr profitables und sehr stabiles Geschäft", erklärt Dieter Hein vom unabhängigen Analysehaus Fairesearch. "Da kann man sich als Bank schon freuen, wenn man da zum Zuge kommt."

Noch dazu könnte die Deutsche Bank den Privatkundenbereich weiter stärken. "Das wäre zwar kein Befreiungsschlag, aber ein erster Schritt in die richtige Richtung", sagt Michael Seufert von der NordLB. Banken-Chef Ackermann musste jüngst viel Kritik einstecken, weil sein Haus zwar wieder satte Gewinne schreibt - allerdings vielen Beobachtern immer noch viel zu stark auf das volatile Investmentbanking ausgerichtet ist.

Bei einer Komplett-Übernahme allerdings würde sich auch die Frage stellen, was die Deutsche Bank etwa mit der verlustreichen Investmentbanking-Sparte von Sal. Oppenheim anstellt. "Da wären viele Geschäftsbereiche überlappend", warnt ein Analyst, "ich sehe das skeptisch."

Sal. Oppenheim: Chronik einer Traditionsbank

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