Einzelhandel Künast will Preisdumping bekämpfen

Das aggressive Geschäftsgebaren der großen Discount-Ketten ist Verbraucherschutzministerin Renate Künast (Grüne) ein Dorn im Auge. Sie kündigte schärfere Gesetze gegen das Preisdumping an.


Sorgt sich um die Existenz der Mittelständler: Verbraucherschützministerin Künast
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Sorgt sich um die Existenz der Mittelständler: Verbraucherschützministerin Künast

Berlin - "Was derzeit in vielen Märkten passiert, ist im höchsten Maße Besorgnis erregend", sagte Künast im Interview der Berliner Zeitung. Die Discounter hätten bei vielen Preisen eine beispiellose Abwärtsspirale eingeleitet und damit die Qualität der Produkte aufs Spiel gesetzt.

Die großen Discount-Märkte hatten sich in den letzten Monaten einen bislang noch nie da gewesenen Preiskampf geliefert und dabei zahllose Rabattaktionen und Sonderverkäufe aufgelegt. Doch Qualität gebe es nicht zum Nulltarif, warnte die Ministerin zwei Tage vor Eröffnung der Grünen Woche in Berlin. "Das gilt für Ökoprodukte genauso wie für konventionelle Ware."

Künast äußerte die Sorge, dass insbesondere Familienbetriebe und Mittelständler im ruinösen Preiskampf auf der Strecke bleiben, weil große Ketten ihre Produkte zum Teil weit unter Einstandspreis anbieten. Außerdem sei es nicht zu akzeptieren, dass die Billig-Märkte Kunden erst mit sensationellen Lockangeboten köderten, dann aber nicht genügend dieser Produkte vorrätig hätten, kritisierte die Ministerin.

Künast kündigte an, bei der für diese Legislaturperiode geplanten Reform des Gesetzes gegen unlauteren Wettbewerb (UWG) würden die Praktiken des Handels mit berücksichtigt. Die Ministerin greift damit langjährige Forderungen von Verbraucherverbänden auf, die das aggressive Preisdumping immer wieder angeprangert hatten.

Die neuesten Daten des Statistischen Bundesamtes vom Dienstag belegen den anhaltenden Abwärtstrend bei den Preisen. Demnach ist die Inflationsrate im vergangenen Jahr mit nur 1,3 Prozent auf den niedrigsten Stand seit 1999 gesunken. 2001 hatte der Preisauftrieb mit 2,5 Prozent noch fast doppelt so hoch gelegen.



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