Eisiger Winter Amerikaner müssen mit horrenden Gaspreisen rechnen

Viele Amerikaner müssen sich in diesem Winter im wahrsten Sinne des Wortes warm anziehen. Nachdem die Gaspreise gestern auf ein neues Rekordhoch geklettert sind, erwarten Experten einen drastischen Anstieg der Heizkosten. Doch die Bevölkerung scheint das kaum zu stören.


New York - Seit dem Beginn des Sommers haben sich die Gaspreise nahezu verdoppelt. Die Preisentwicklung wird noch eindrücklicher, wenn man die vergangenen Jahre zum Vergleich heranzieht. Gas ist inzwischen dreimal so teuer, wie der Durchschnittspreis von 2000 bis 2005 - und kostet gar das Siebenfache dessen, was in den neunziger Jahren zu bezahlen war.

Preistreiber waren die Elektrizitätswerke, die wegen der hohen Temperaturen den erhöhten Strombedarf der Klimaanlagen bedienen mussten. In der bevorstehenden Wintersaison wird die Nachfrage kaum sinken, weil Gas zumindest in den kälteren Regionen der USA die am häufigsten benutzte Energiequelle für die Heizung ist. Hinzu kommt, dass die Hurrikans "Katrina" und "Rita" auch die Gasförderanlagen im Golf von Mexiko schwer beschädigt haben. Bislang fördern nach einem Bericht der "New York Times" die Energiekonzerne erst 20 Prozent der normalen Menge.

Trotz dieser dramatischen Entwicklung ist das Echo in der Öffentlichkeit ziemlich verhalten. Während die Verteuerung von Öl und Benzin weithin wahrgenommen wurde, blieb die Entwicklung beim Gas weitgehend unbemerkt. Experten quittieren dieses kollektive Verdrängen nur mit einem Kopfschütteln: "Die Öffentlichkeit hat absolut keine Vorstellung davon, was noch auf uns zukommen wird", sagt Branchen-Analyst Carl Neill der "New York Times".

Regierung reagiert zaghaft

Die Zeitung zitiert eine Berechnung des Energieministeriums, nach der jeder Amerikaner in diesem Jahr rund 400 Dollar mehr auf seiner Gasrechnung stehen hat als im Jahr zuvor. Branchenkenner gingen jedoch sogar davon aus, dass die Preise noch weitaus stärker anziehen werden. Sie warteten bereits auf die Korrektur dieser Kalkulation, die spätestens im nächsten Monat erfolgen werde.

Bislang hat auch die US-Regierung der Situation weitgehend gleichmütig gegenüber gestanden. In dieser Woche forderte Präsident George W. Bush seine Landsleute zwar noch zum Energiesparen auf, er bezog sich dabei aber ausschließlich auf den Verbrauch von Benzin und Diesel. Rangniedrigere Mitarbeiter bemühen sich allerdings, der Bevölkerung auch den Gaspreis in Erinnerung zu rufen. Der Energieinformationsdienst der Regierung jedenfalls erklärte in der vergangenen Woche in einem Interview, der Preis werde sich in diesem Winter kaum mehr unter zehn Dollar pro tausend Kubikfuß einpendeln - zurzeit steht der Preis bei 14,19 Dollar.



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