EM.TV-Übernahme Neuer Schlag gegen Kirch

In die Verhandlungen über einen Einstieg der KirchGruppe beim angeschlagenen Filmhändler EM.TV könnte neue Bewegung kommen. Jetzt will Bernie Ecclestone seinen Formel-1-Anteil an die Automobilindustrie verkaufen.


Formel 1: Ecclestone bremst Kirch aus
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Formel 1: Ecclestone bremst Kirch aus

München - Der Formel-1-Chef will nach Informationen der Londoner "Times" die Kontrolle über die Renn-Königsklasse an fünf Autofirmen abgeben: BMW, Mercedes, Renault, Ferrari und Jaguar. "Wir wollen, dass das so schnell wie möglich über die Bühne geht", wurde Ecclestone am Donnerstag in der "Times" zitiert. Ein Sprecher des BMW-Konzerns sagte dazu in München, die in der Formel 1 engagierten Autohersteller seien daran interessiert, dass die Bühne Formel 1 dauerhaft erhalten bleibt. "Die Übernahme von Anteilen stellt dabei eine von mehreren Möglichkeiten dar."

Auf die Verhandlungen zwischen EM.TV und der KirchGruppe aber hätte eine Einigung zwischen Ecclestone und der Autoindustrie großen Einfluss. Denn nicht zuletzt die drohende Verpflichtung, weitere 25 Prozent der Formel 1 für rund eine Milliarde Dollar übernehmen zu müssen, hatte Haffa dazu gezwungen, sich nach Investoren umzusehen.

Unterdessen wurden die Gespräche normal fortgesetzt. Beide Parteien hätten sich darauf verständigt, die Gespräche auch nach Ablauf der Exklusivfrist weiterzuführen, hieß es aus Verhandlungskreisen. "Es ist eine gewisse Annäherung zu erkennen." Allerdings wurde einem Bericht der "Financial Times Deutschland" widersprochen, wonach die Gespräche nur noch eine Woche lang fortgesetzt würden.

Von Seiten der Unternehmen wurden allerdings unterschiedliche Angaben darüber gemacht, ob EM.TV auch mit anderen Interessenten Gespräche aufnehmen könnte. Während Kirch-Sprecher Hartmut Schulz erklärte, die Exklusiv-Vereinbarung sei bis in den Februar hinein verlängert worden, sagte EM.TV-Sprecher Michael Birnbaum nur: "Wir sind mit Kirch im Gespräch."

Kirch möchte sich gemäß eines "Memorandums of Understanding" mit maximal 16,74 Prozent an EM.TV beteiligen und 49 Prozent des 50-prozentigen EM.TV-Anteils an der Formel-1-Holding SLEC zum Preis von 550 Millionen Dollar übernehmen.

In den vergangenen Wochen wurde immer wieder über Gegenangebote spekuliert. Insider-Kreise wollten auch wissen, das Verhandlungsklima zwischen Kirch und EM.TV sei getrübt, weil sich EM.TV-Aufsichtsratsvorsitzender Nicklaus Becker um weitere Offerten bemühe.

Unter anderem war davon die Rede, die US-Investmentbank Hellman & Friedman werde EM.TV bis Ende Januar ein Angebot unterbreiten. In der Londoner "Times" war dagegen zu lesen, der Engländer Bernie Ecclestone, der die restlichen 50 Prozent an der SLEC hält, wolle sich schrittweise aus der Formel 1 zurückziehen.



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