EM.TV US-Medien-Tycoon will Muppet-Show

Der US-Medien-Unternehmer Haim Saban schickt sich an, den Muppet-Show-Produzenten Jim Henson von EM.TV zu kaufen. Seine Verhandlungsposition ist günstig, denn EM.TV-Chef Werner Klatten steht unter starkem Verkaufsdruck, weil Ende Dezember Millionenkredite fällig werden.

Von und Marcel Rosenbach


Notverkauf wegen fällig werdender Kredite: Muppet-Show-Stars Miss Piggy und Kermit
DPA

Notverkauf wegen fällig werdender Kredite: Muppet-Show-Stars Miss Piggy und Kermit

Cannes - Haim Saban hat seine Einkaufstour in Deutschland noch nicht beendet. Während der Poker um die insolvente KirchMedia noch nicht abgeschlossen ist, für die Saban zusammen mit dem französischen Sender TF 1 geboten hat, ist der US-Medienmogul bei EM.TV schon wesentlich weiter. Nach Informationen aus vertrauten Kreisen steht Saban kurz vor der Übernahme des Muppet-Show-Produzenten Jim Henson. "Zurzeit laufen die Verhandlungen auf Hochtouren", bestätigte EM.TV-Chef Werner Klatten, der seit seinem Amtsantritt im Sommer 2001 versucht die US-Beteiligung zu verkaufen.

Allerdings seien noch weitere Kandidaten im Wettbewerb um die Henson-Übernahme im Rennen, betonte Klatten. Neben Saban führe man mit einem weiteren Interessenten intensive Verhandlungen, mit drei weiteren seien Gespräche verabredet.

Klatten steht bei den Verhandlungen unter hohem Zeitdruck. Bis Ende Dezember 2002 werden laut Klatten Kredite in Höhe von 63 Millionen Euro fällig, die EM.TV nicht mit eigenem Bargeld bedienen kann. Allein zwischen Januar und Juni waren die liquiden Mittel - nach Firmenangaben planmäßig - von 128 auf 90,2 Millionen Euro zurückgegangen. Der Verkauf von Henson soll diesen Engpass beseitigen.

Aus diesem Grund glaubt Klatten auch selbst nicht daran, dass der in den EM.TV-Büchern stehende Wert von Henson in Höhe von 150 Millionen Euro zu erzielen sein wird. "Unsere einzige Chance besteht darin, mit mehreren Kaufinteressenten gleichzeitig zu verhandeln. Das treibt den Preis wenigstens ein wenig nach oben", sagte Klatten gegenüber SPIEGEL ONLINE. Nach Angaben der Kreise soll Saban bislang 65 Millionen Euro geboten haben.

Weit entfernt vom Einstandspreis ist der Erlös in jedem Fall: Im Jahr 2000 hatte der damalige EM.TV-Chef Thomas Haffa rund 700 Millionen Euro für Jim Henson bezahlt, die Hälfte davon allerdings in Form von Aktien.

Der Medienrechte-Händler leidet seit Monaten unter der schlechten Branchenlage. Weil den Fernsehstationen die Werbung weg gebrochen ist, kaufen sie derzeit wenig ein. Noch schlimmer: Kaum jemand rechnet momentan mit einer Belebung vor Anfang nächsten Jahres.

Zu der Ungewissheit trägt auch die nach wie vor ungewisse Lage der insolventen KirchMedia bei. Solange die Zukunft von Kirchs Stammgeschäft nicht geklärt ist, kann auch EM.TV eine Lösung für seinen 16,7 Prozent-Anteil an der Formel-1-Holding SLEC nicht herbeiführen.

Haim Saban hat sein Vermögen mit Kinder-Fernsehserien verdient. Anfang der Neunziger importierte er die "Mighty Morphin Power Rangers" aus Japan in die USA. Sturm laufende Eltern und Pädagogen konnten nicht verhindern, dass die gewalttätigen Karate-Comicfiguren zur beliebtesten Kindersendung des Jahrzehnts wurden. Rund sechs Milliarden Dollar brachte laut "Forbes" allein das Merchandising zwischen 1993 und 2001 ein. Auch die Einführung der "Ninja Turtles" in den westlichen Kulturkreis ist dem "König Midas der Medienwelt" zu verdanken.



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