Endesa-Übernahme E.on legt bei Offerte gewaltig nach

Eigentlich scheint der Bieterstreit um den Energieversorger Endesa entschieden: Der spanische Konkurrent Gas Natural hat vorgestern aufgegeben, damit bleibt E.on als letzter Bieter. Doch die Deutschen gehen auf Nummer sicher – und erhöhten ihr Angebot jetzt auf satte 41 Milliarden Euro.


Düsseldorf - Mit dem neuen Angebot erhöhte der deutsche Energieriese seine ursprüngliche Offerte vom Frühjahr 2006 nochmals um 14 Milliarden Euro. Gegenüber dem ersten Angebot vom Frühjahr 2006 liegt das Gebot um rund 14 Milliarden Euro höher. Im September hatte das Düsseldorfer Unternehmen die Offerte bereits um 10 Milliarden Euro aufgestockt.

Damit scheint E.on seinem Ziel, den spanischen Konkurrenten zu übernehmen – eine der größten Akquisitionen in der Energiebranche überhaupt – einen weiteren Schritt näher zu kommen. Erst am Donnerstag hatte der Mitwettbewerber Gas Natural wegen der Aussichtslosigkeit seines eigenen Gebots erklärt, aus dem Bieterwettstreit aussteigen zu wollen. Das katalanische Konkurrenzangebot lag mit 22 Milliarden Euro nicht nur unter dem von E.on, sondern es war zudem beim Endesa-Management als feindlich eingestuft worden. Gas Natural kündigte allerdings gestern auch eine Schadensersatzklage gegen Endesa Chart zeigen an. Das Unternehmen habe sich mit illegalen Mitteln zu Wehr gesetzt und die E.on Chart zeigen-Offerte bevorzugt, hieß es.

Endesa-Aktie profitierte vom Übernahme-Theater

Das Gerangel um den Deal dauert nun schon fast ein Jahr an. Die spanische Regierung hatte sich zunächst vehement gegen die Pläne von E.on gestellt und der nationalen Regulierungsbehörde kurzerhand neue Rechte eingeräumt. Die Behörde hatte die Fusion daraufhin an 19 Auflagen geknüpft. Auf Drängen der EU-Kommission ließ die Behörde die meisten Auflagen schließlich wieder fallen. E.on gab sich damit zufrieden. Die EU-Kommission aber war dies nicht genug, der Streit könnte letztlich vor den Europäischen Gerichtshof kommen.

E.on-Chef Wulf Bernotat, der sich im gesamten Verlauf des Übernahmeprozesses stets zuversichtlich gezeigt hatte, bei Endesa am Ende zum Zuge zu kommen, will noch heute in Madrid vor der Presse das endgültige Gebot näher erläutern. Endesa-Chef Manuel Pizarro kündigte an, am kommenden Dienstag eine Empfehlung für die Aktionäre auszusprechen. Die Bewertung werde "sehr rigoros" sein, sagte er.

Das neue E.on-Gebot ist angesichts der Kursentwicklung der Endesa-Papiere allerdings auch angebracht. Denn für die Spanier hat sich der einjährige Übernahmekampf gelohnt. Die Endesa-Aktie hatte sich in dessen Verlauf praktisch verdoppelt. Gestern notiert das Papier bei rund 39 Euro, etwas über dem Preis, den E.on den Aktionären jetzt bietet. Vor allem der Großaktionär Acciona, der rund 22 Prozent des Endesa-Kapitals besitzt, hatte mitgeteilt erst bei einem Preis 58 bis 59 Euro über einen Verkauf nachzudenken. E.on will mindestens 50,1 Prozent des Aktienkapitals erwerben. Gleichzeitig sollen die Endesa- Aktionäre in einer Hauptversammlung noch eine Stimmrechtsbeschränkung aufheben.

ase/AFP/dpa-AFX/ddp



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