Energie-Abzocker Kartellamt untersucht Gaspreiserhöhung

Das Bundeskartellamt hat sich laut einem Pressebericht in den Streit um hohe Gaspreissteigerungen eingeschaltet. Ein Missbrauchsverfahren gegen die Versorger könnte die Folge sein.


Gasförderung: Marktstellung missbraucht
DPA

Gasförderung: Marktstellung missbraucht

Hamburg - Derzeit werde bundesweit bei mehreren Gasversorgern überprüft, ob die letzten Preiserhöhungen um bis zu zehn Prozent gerechtfertigt waren, schreibt die "Bild"-Zeitung unter Berufung auf die Kartellbehörde.

Nach Angaben einer Kartellamtssprecherin könnten bereits in den nächsten Wochen offizielle Missbrauchsverfahren eingeleitet werden, sollte sich bei den Überprüfungen der Verdacht erhärten, dass die Versorger ihre Marktstellung missbraucht haben.

Kartellamtschef Ulf Böge hatte bereits gesagt, bei den Ankündigungen der Preiserhöhungen habe es "erhebliche Ungereimtheiten" gegeben, die geklärt werden müssten. Das Amt habe deswegen bereits mehrere Unternehmen angeschrieben.

Die Versorger hatten die Anhebungen mit dem stark gestiegenen Ölpreis begründet, an den der Gaspreis traditionell gekoppelt ist. Diese automatische Verknüpfung der Erzeuger von Öl- und Gaspreis ist bei Energieexperten und Verbraucherschützern allerdings höchst umstritten.

Renaissance der Steinkohle

Unterdessen rechnen Experten angesichts des weltweit hohen Gaspreises mit einer Renaissance der Steinkohle. Nach einer Studie der Unternehmensberatung Boston Consulting werden die deutschen Stromkonzerne bei der anstehenden Erneuerung ihrer Kraftwerke voraussichtlich statt auf relativ umweltfreundliche Gas- verstärkt auf neue Kohlekraftwerke setzen, berichtet die "Financial Times Deutschland".

Grund sei der erwartete Anstieg der Gaspreise und ein prognostizierter Rückgang des Weltmarktpreises für Kohle. "Steinkohle könnte Gas bei den neuen Kraftwerken den Rang ablaufen", sagte Mathias Krahl, Vizepräsident von Boston Consulting und einer der Autoren der Studie, die der Zeitung vorliegt.

Die deutschen Stromkonzerne müssen in den nächsten zwei Jahrzehnten veraltete Kraftwerke mit einer Kapazität von 40.000 Megawatt ersetzen. Das entspricht etwa 36 Prozent der Gesamtkapazität in Deutschland, wie die Zeitung schreibt. Gründe dafür seien der Ausstieg aus der Atomenergie sowie geringe Investitionen in den 90er Jahren.

Bei den aktuellen Brennstoffkosten seien Gaskraftwerke zwar günstiger als Steinkohleanlagen. "Die Gaskosten werden jedoch in den nächsten Jahren um 20 bis 30 Prozent steigen", heißt es in der Studie. Denn zwischen 2010 und 2015 seien die Vorkommen in Großbritannien und auf dem europäischen Kontinent erschöpft.



© SPIEGEL ONLINE 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.