Studie zur Energiesicherheit Deutschland muss Gasverbrauch um 30 Prozent senken

In Deutschland wird immer noch zu wenig Gas eingespart. Neue Berechnungen zeigen, dass es vor allem bei Kleinverbrauchern noch Luft nach oben gibt. Bessere Noten erhält die Industrie.
Gaszähler: Verbrauchsabweichungen bei Kleinverbrauchern vor allem witterungsbedingt

Gaszähler: Verbrauchsabweichungen bei Kleinverbrauchern vor allem witterungsbedingt

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Christoph Hardt / Future Image / IMAGO

Die Menschen in Deutschland müssen ihren Verbrauch von Gas noch deutlich stärker einschränken, als das bisher der Fall ist. Das ist das zentrale Ergebnis einer umfassenden Energiestudie  von 30 Forscherinnen und Forschern aus dem vom Bund geförderten Kopernikus-Projekt Ariadne, das am Donnerstag in Berlin veröffentlicht wurde. »30 Prozent des Gasverbrauchs aus Vorkrisenzeiten müssen runter«, sagte Gunnar Luderer, Vizeleiter des Ariadne-Projekts vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung.

Mit Einsparungen in dieser Größenordnung könne man nicht nur eine Gasmangellage mit Lieferunterbrechungen vermeiden. »Wir können damit auch die Gaspreise und verbleibenden Importabhängigkeiten auf ein erträgliches Maß begrenzen.« Kurzfristig sei dies der wichtigste Baustein, um Deutschlands Energiesouveränität und geopolitische Widerstandskraft wieder zu erhöhen.

Die immer noch zu hohe Gasnachfrage verschärfe die Sensitivität des Gasmarktes auf geopolitische Entwicklungen. Mit einem Nachfragerückgang von 30 Prozent sei es auch möglich, einen fairen Beitrag Deutschlands zur Minderung der Gasknappheit auf dem integrierten europäischen Markt zu leisten.

Die Fachleute aus dem Kopernikus-Projekt Ariadne hatten in der Studie verschiedene Modelle und Szenarien durchgerechnet, wie Deutschland einen Weg aus der Gaskrise finden kann. Die Berechnungen zeigten, dass Energiesicherheit und Klimaschutz dabei miteinander vereinbar seien. Allein die Verringerung des Gasverbrauchs führe zu einer CO₂-Minderung von 50 Millionen Tonnen CO₂ pro Jahr im Vergleich zu dem Mittelwert aus den Jahren 2017 bis 2021. Ein Teil der Gasminderung gehe zwar mit einem Brennstoffwechsel auf Kohle oder Heizöl einher. Die dadurch entstehenden Mehremissionen seien jedoch durch den europäischen Emissionshandel gedeckelt.

Keine umfassende Einsparung bei Privatverbrauchern

Bei den privaten Gaskunden verzeichnet die Studie bislang noch keine umfassende Einsparung des Gasverbrauchs. Bei Kleinverbrauchern werde Gas im Wesentlichen zum Heizen verwendet. Hier seien die Abweichungen vom Verbrauchsniveau der Vorjahre bisher vor allem witterungsbedingt. Bei der Stromerzeugung sei im Vergleich zum Jahr 2021 bislang weniger Gas verwendet worden, gemessen am langjährigen Mittel sei der Wert aber konstant. »Die Industrie hingegen reagiert deutlich sensibler auf die hohen Preise: Bisher ist der industrielle Gaseinsatz im Jahr 2022 um etwa 20 Prozent gegenüber den Vorjahren zurückgegangen«, heißt es in der Studie.

Das größte Potenzial für die kurzfristige Senkung des Gasverbrauchs im Gebäudesektor liege in einem geänderten Heizverhalten in den eigenen vier Wänden, erklärte Christoph Kost vom Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE. Der Wissenschaftler sprach sich für das Absenken der Raumtemperatur um ein oder zwei Grad, die Nutzung der Heizung nach Bedarf statt im Dauerbetrieb und intelligente Heizungsregler aus. »Zusammen mit einem beschleunigten Hochlauf von Wärmepumpen, dem Anschluss an Fern- und Nahwärmenetze und einer stärkeren energetischen Sanierung des Gebäudebestands ließen sich im Gebäudesektor kurzfristig gut 30 Prozent des Gasbedarfs einsparen. Die beschleunigte Wärmewende senkt auch langfristig den Gasbedarf und bringt den Sektor auf Kurs für die Klimaneutralität.«

sol/dpa
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