Energie-Geschacher Kiew und Moskau legen Gas-Streit bei

Gasprom dreht den Hahn wieder auf: Russland und die Ukraine haben sich im Gas-Streit geeinigt. Moskau hat die Lieferungen an das Nachbarland wieder in vollem Umfang aufgenommen - und die EU muss keinen Lieferengpass mehr fürchten.


Moskau - Das Gas strömt wieder, der Streit ist vorerst beigelegt: Russland liefert seit heute wieder Gas an die Ukraine. Die Restriktionen gegenüber der Ukraine seien aufgehoben, teilte der russische Monopolist Gasprom heute mit. Der Transit für die europäischen Verbraucher laufe in vollem Umfang. Die Einigung ging offenbar auf das Betreiben des ukrainischen Präsidenten Viktor Juschtschenko zurück. Dieser hatte Ministerpräsidentin Julia Timoschenko aufgefordert, umgehend neue Verhandlungen mit dem Nachbarland aufzunehmen.

Gasleitung in der Ukraine: Streit um Schulden und nationale Egoismen
AP

Gasleitung in der Ukraine: Streit um Schulden und nationale Egoismen

Der russische Exportmonopolist Gasprom hatte seine Lieferungen an die Ukraine in den vergangenen Tagen wegen der offenen Rechnungen um 50 Prozent gedrosselt. Daraufhin drohte der staatliche ukrainische Energieversorger Naftogas seinerseits, die Lieferungen in die EU zu kappen. Durch die Ukraine fließen 80 Prozent des für die EU bestimmten russischen Gases.

Bei dem Streit zwischen Kiew und Moskau geht es um viel Geld: Gasprom zufolge schuldet die Ukraine dem Konzern 600 Millionen Dollar für frühere Lieferungen. Konkret gehe es um Schulden des ukrainischen Gaskonzerns Naftogas. Die Ukraine erklärt dagegen, die Gasrechnung bezahlt zu haben. Timoschenko gab Zwischenhändlern die Schuld für den derzeitigen Zahlungsrückstand.

Mittlerweile haben sich Gasprom-Chef Alexej Miller und der Vorsitzende des ukrainischen Energiekonzerns Naftogas, Oleg Dubina, darauf geeinigt, wie die ukrainischen Schulden gegenüber Gasprom beglichen werden sollen. "Die Probleme bei der Gaslieferung aus Russland werden gelöst werden", teilte Gasprom mit - wie, ist allerdings nach wie vor unklar. Die Verhandlungen über die künftige Zusammenarbeit würden fortgesetzt.

Kurz bevor der Streit beigelegt wurde, hatte sich die Regierung in Kiew noch in diplomatischer Schadensbegrenzung geübt: "Die Ukraine ist ein zuverlässiger Partner. Wir werden unsere Verpflichtungen zum Transport und Export von Gas in die EU-Länder einhalten", sagte Timoschenko.

Die Ukraine deckt seinen Gasbedarf zu drei Vierteln aus Zentralasien und zu einem Viertel aus Russland. Moskau hatte Kiew vor rund zwei Jahren schon einmal den Gashahn zugedreht. Gasprom warf den Ukrainern damals vor, illegal Gas abzuzapfen. Damals hatte dies auch zu Engpässen in Deutschland geführt.

sil/Reuters/AFP/dpa-AFX



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