Energie Hoffnung auf billigeren Strom

Nach mehreren Preisrunden könnte elektrischer Strom für die Haushalte in Deutschland wieder preiswerter werden. Das ist die Folge der Kontrolle der Stromnetzpreise durch die Bundesnetzagentur.


Bonn - Der Stromkonzern E.on gab heute eine Preissenkung für seine Kunden in Thüringen bekannt. Weitere Unternehmen dürften folgen, auch wenn das wegen des umfangreichen Prüfverfahrens und der großen Zahl von bundesweit etwa 900 Netzbetreibern noch einige Monate dauern könnte.

Masten mit Stromleitungen: Stromnetzentgelte müssen zur Genehmigung vorgelegt werden
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Masten mit Stromleitungen: Stromnetzentgelte müssen zur Genehmigung vorgelegt werden

Die Regulierungsbehörde in Bonn war ursprünglich nur für Post und Telekommunikation zuständig. Seit Juli 2005 kümmert sich die in Bundesnetzagentur umbenannte Regulierungsbehörde auch um Strom und Gas. Zwar müssen die Stromversorger ihre Endkundentarife nicht der Behörde zur Genehmigung vorlegen, wohl aber die Stromnetzentgelte, die sie von den Nutzern ihrer Netze - vor allem Stadtwerke, aber auch große Industrieunternehmen - für die Durchleitung des Stromes verlangen.

Anfang Juni gab die Bundesnetzagentur ihre erste Entscheidung bekannt. Sie betraf das Überlandnetz des in Ostdeutschland aktiven Versorgers Vattenfall. Ende Juli folgten die Genehmigungen für die Überlandnetze von RWE und EnBW. RWE und EnBW wurden die beantragten Entgelte um neun beziehungsweise acht Prozent gekürzt, Vattenfall sogar um 18 Prozent. Der Antrag des vierten Überlandnetzbetreibers, E.on, ist noch in der Bearbeitung.

Überlandnetze und Verteilnetze

Erstmals entschied die Behörde Ende Juli aber auch über die Preise in einem Verteilnetz. Die thüringische E.on-Netztochter Thüringer Energie AG (TEN) muss nun ihre Netzentgelte um 14 Prozent senken.

An dieser Stelle wird es für die Verbraucher interessant. Die Netzentgelte insgesamt machen nach Expertenangaben etwa 36 Prozent des Strompreises aus. Auf die Überlandnetze, für die drei der bisher vier Entscheidungen der Regulierungsbehörde gelten, entfallen davon nur zehn Prozent. Unterm Strich sind das 3,6 Prozent des gesamten Strompreises; eine Preissenkung in diesem Sektor um rund zehn Prozent macht also kaum fünf Euro im Jahr für den Durchschnittshaushalt aus.

Anders ist es bei den Verteilnetzen, auf die - noch einmal unterteilt in drei Spannungsebenen - die restlichen 90 Prozent des Stromnetzanteils am gesamten Strompreis entfallen. Bei der TEN zum Beispiel ergibt sich nach Angaben von Sprecher Martin Schreiber aus der Senkung der Netzentgelte um 14 Prozent eine Entlastung von 48,75 Euro pro Jahr für einen Durchschnittshaushalt mit 4500 Kilowattstunden Stromverbrauch.

"Gründlichkeit geht hier vor Schnelligkeit"

Bis die Verbraucher bundesweit in den Genuss einer ähnlichen Preissenkung kommen, wird es aber noch etwas dauern. Die Bundesnetzagentur will nach Angaben von Sprecherin Renate Hichert in naher Zukunft über den Antrag für das Überlandnetz von E.on entscheiden. Danach kommen dann die Verteilnetzbetreiber an die Reihe.

Zwei Beschlusskammern müssen über 96 Verteilnetze im ganzen Bundesgebiet entscheiden, für die eine unmittelbare Zuständigkeit bei der Bundesnetzagentur liegt. Außerdem muss die Bonner Behörde über 146 Netze befinden, für die eigentlich die Bundesländer Berlin, Bremen, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Thüringen zuständig wären. Diese Länder haben die Arbeit an die Bundesbehörde abgegeben. Für die übrigen etwa 650 Stromnetze liegt die Preisaufsicht bei den Ländern, wenn auch in Abstimmung mit der Bundesnetzagentur.

"Wir entscheiden zwar schnellstmöglich, aber das ist sehr viel", meinte Hichert. Dazu komme, dass Unternehmen auch nach der Prüfung ihrer Unterlagen weitere Dokumente nachschieben könnten, die dann erneut sorgfältig gelesen und bewertet werden müssten.

"Gründlichkeit geht hier vor Schnelligkeit", sagte Hichert. Schließlich müssten die Entscheidungen auch vor den Verwaltungsgerichten Bestand haben.

Joachim Sondermann, AP



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Rainer Helmbrecht 15.11.2005
1.
Ein Scheich hustet und der Ölpreis steigt, ein Wirbelsturm droht, der Ölpreis steigt, der Wirbelsturm kommt nicht, nun steigt der Preis, weil der Sturm nicht kommt. Das gleiche Phänomen kann man auch bei sonstigen Kursen an der Börse bemerken. Wir (Normalen) wissen nämlich garnicht was der Sinn der Börse ist. Wir Dummchen glauben immer, da werden Tatsachen bewertet, das stimmt aber nicht, das Ziel der Börse ist Geldverdienen. Geldverdienen ist aber so eine Art Spiel, dieses Spiel hat, wie alle Spiele, nichts mit der Wirklichkeit zu tun. Wem es gelingt, einen Haufen Mist für viel Geld zu verkaufen, siegt. An der Börse bedeutet das nutzloses Papier bunt zu bedrucken und teuer zu verkaufen. Dann hat man das Ganze modernisiert und das bedruckte Papier auch noch weggelassen. Nun sind wir soweit, das der Kurs einer Aktie schon durch einen Stromausfall beeinflußt werden kann. Irgendwie wie der Hase und der Igel, nur das der Igel hier Geier heißt.
Gnom, 15.11.2005
2.
---Zitat von sysop--- Öl, Gas, Strom, alles wird immer schneller immer teurer. Die Energiekonzerne brauchen sich um ihr Image beim Kunden nicht zu sorgen: Schlechter kann es nicht mehr werden. Sind die Energielieferanten wirklich die bösen Abzocker? Oder müssen sie auch nur der immer größeren Nachfrage und den gestiegenen Rohstoffpreisen Tribut zollen? Sollten die Konsumenten statt zu stöhnen einfach mehr Energie sparen? ---Zitatende--- Es muss sich was ändern und es wird sich etwas ändern auf dem Energiesektor! Das Einsparen von Energie wird dabei eine Rolle spielen. Außerdem ist der Gesetzgeber gefordert, aber hoffentlich nicht überfordert.
hubert neues, 15.11.2005
3. Änderung des Energiemarktes
Nun es wird sich was ändern auf dem Markt, aber solange die weltweit bestimmende Industrie die Automobilhersteller sind ist das kaum vorstellbar. Ich kann mich nur schwach daran erinnern, aber es gab zahlreiche Studie zu Beginn der Rot/Grünen Regierung wieviel Potential im Umweltschutz und in der alternativen Energiegewinnung liegt. Das haben wir alles vergessen,bzw. es wurde vergessen gemacht. Denn wenn Opel oder VW keine guten Zahlen vorlegen ist das Geschrei und die Angst in der Politik groß. 3 Liter Auto?! Die ersten vernünftigen kammen erst dieses Jahr auf dem Markt, wurden uns aber schon lange versprochen. Und was ist mit der Chance auf den wachsenden chinesischen (Energie-)Markt Einfluß zu nehmen, um dort den vernünftigen Umgang mit Resourcen zu vermitteln. Hätte man damals in die alternative Energiegewinnung/-technologie in deutschland investiert, könnte man heute sicher mehr als nur Know-How dorthin verkaufen. Die Chancen sind vertan. Jetzt sollten wir vielleicht nur unseren Markt retten und vielleicht auch unsere Umwelt!
Urquhart, 15.11.2005
4. Wer sind die Abzocker?
Nicht die Scheichs sind Abzocker. Abzocker sind: Der Bundesfinanzminister (Mineralölsteuer und Ökosteuer, Umsatzsteuer auf bereits gezahlte Steuer) Die Landesfinanzminister (Wasserpfennig, Umsatzsteuer) Die Stadt- und Gemeindekämmerer per se(Schmutzwasserabgabe, Niederschlagsabgabe usw.) Die Stadt- und Gemeindekämmerer als Vertreter der Städte und Gemeinde als Anteilseigner an Energieversorgern und Wasserwerken (Kapitalverzinsung) Das Kartell zwischen Energieversorgung, Mineralölunternehmen und Regierungen muss unbedingt durchbrochen werden. Es wundert mich eigentlich, dass diese Machenschaften verfassungskonform sein sollen.
sitiwati 16.11.2005
5. mir
---Zitat von Rainer Helmbrecht--- Ein Scheich hustet und der Ölpreis steigt, ein Wirbelsturm droht, der Ölpreis steigt, der Wirbelsturm kommt nicht, nun steigt der Preis, weil der Sturm nicht kommt. Das gleiche Phänomen kann man auch bei sonstigen Kursen an der Börse bemerken. Wir.... ---Zitatende--- aus der Seele gesprochen!
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