Energie Opec dreht Ölhahn auf - zumindest ein bisschen

Die großen Ölstaaten wollen ab November mehr Rohöl fördern. Das hat die Opec beschlossen. Das Kartell kommt damit einer Forderung der Industrieländer nach - doch der Ölpreis steigt trotzdem.


Wien - Die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) hat heute eine Erhöhung der Fördermenge um 500.000 Barrel pro Tag beschlossen. Die Änderung soll ab 1. November in Kraft treten, sagte Katars Ölminister Abdullah al-Attijah am Opec-Sitz in Wien. Libyen bestätigte die Einigung.

Ölförderung in Venezuela: Erhöhung um einen symbolischen Betrag
DPA

Ölförderung in Venezuela: Erhöhung um einen symbolischen Betrag

Derzeit liegt die offizielle Förderquote der Opec bei 25,8 Millionen Barrel pro Tag. Ein Barrel fasst 159 Liter. Allerdings verkaufen die Opec-Staaten schon bisher rund eine Million Barrel mehr pro Tag als vorgesehen. Die zwölf Mitgliedsländer des Kartells kontrollieren rund ein Drittel der globalen Ölproduktion. Damit können sie faktisch den Preis bestimmen.

Die heute beschlossene neue Förderquote war von Saudi-Arabien und anderen Golfstaaten vorgeschlagen worden. Durch die Erhöhung um einen symbolischen Betrag wollen sie die Sorgen der Industrieländer über den hohen Ölpreis mildern.

Der aktuelle Handel an den Rohstoffbörsen zeigte sich von der Entscheidung jedoch unbeeindruckt. Ein Barrel der führenden Nordsee-Sorte Brent kostete heute 75,85 Dollar und damit 37 Cent mehr als am Vortag. Nach dem Beschluss der Opec gab der Kurs nur leicht nach.

Bereits in der vergangenen Woche hatte der Ölpreis um 2,66 Dollar angezogen. Fachleute wollen auch weitere Preissteigerungen bis zu 80 Dollar nicht ausschließen.

Eine Sprecherin des Mineralölwirtschaftsverbandes (MWV) in Hamburg betonte, es sei viel Spekulation im Markt. Zudem sei die Hurrikan-Saison in den USA noch nicht beendet. Wirbelstürme hatten in den vergangenen Jahren die Ölförderung beeinträchtigt.

Die hohen Ölpreise machen sich auch an den Tankstellen bemerkbar. Der Durchschnittspreis für einen Liter Diesel ist laut ADAC so hoch wie nie zuvor. Demnach müssen Autofahrer in Erfurt am tiefsten in die Tasche greifen. Der dortige Preis von 1,207 Euro je Liter Diesel sei der höchste Städte-Durchschnittspreis, den der ADAC jemals an Markentankstellen ermittelt habe.

Bei Superbenzin war Kassel die teuerste Stadt. Dort kostete der Liter durchschnittlich 1,407 Euro, auch der Preis für Diesel sei mit 1,204 Euro sehr hoch, erklärte der ADAC.

wal/Reuters/dpa/AP



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