Energie Strom wird für Millionen Verbraucher teurer

Mitten in der Rezession trifft die deutschen Verbraucher ein neuer Energiepreisschock: Bundesweit 354 Versorger wollen nach Angaben des Portals Verivox zum Jahresbeginn die Strompreise anheben - teilweise um bis zu 21 Prozent.


Hamburg - Zum Jahreswechsel steht den Bundesbürgern eine beispiellose Welle von Strompreiserhöhungen bevor. Das Verbraucherportal Verivox berichtet, dass 354 Versorger die Tarife zum 1. Januar 2009 bis zu 21 Prozent anheben. Im Durchschnitt stiegen die Grundtarife um 8,5 Prozent.

RWE-Strommast: Saftige Preiserhöhungen zum Jahreswechsel
DPA

RWE-Strommast: Saftige Preiserhöhungen zum Jahreswechsel

Dadurch entstünden einem Vier-Personen-Haushalt mit 4000 Kilowattstunden Jahresverbrauch Mehrkosten in Höhe von durchschnittlich 74 Euro. Der Chef der Verivox-Energieabteilung, Peter Reese, erklärte: "So eine Erhöhungswelle auf einen Schlag haben wir noch nicht erlebt."

E.on kündigte am Dienstag an, dass seine sieben Regionalversorger den Stromtarif zum 1. Februar 2009 um 7,4 bis 9,2 Prozent erhöhen. Der Preisanstieg betrifft insgesamt rund sieben Millionen Kunden. Am Montag hatten bereits die größten RWE-Töchter, Rhein-Ruhr und Westfalen-Weser-Ems, Erhöhungen in Aussicht gestellt. Bei ihnen müssen drei Millionen Kunden einen Aufschlag von 6,8 Prozent verkraften.

Fraglich ist, wie die Verbraucher reagieren. Bei der vorangegangenen Preisrunde Anfang des Jahres verloren E.on und RWE Hunderttausende Kunden an regional und bundesweit operierende Billiganbieter. E.on rechne diesmal nicht mit einer ähnlichen Abwanderungswelle, sagte ein Sprecher dem "Handelsblatt". Der Konzern habe einen Preisvergleich gemacht und sei auch mit seinen neuen Tarifen wettbewerbsfähig.

Anbieterwechsel - so funktioniert's
In wenigen Minuten zum Ziel
Der Wechsel des Stromanbieters ist sehr einfach. Für die Formalitäten braucht man nur wenige Minuten. Im Kern gilt das Gleiche auch für Gaskunden. Wechselwillige Kunden sollten Folgendes beachten.
Verbrauch ermitteln
Als Erstes sollte man seinen individuellen Jahresverbrauch ermitteln. Am einfachsten geht das über die letzte Rechnung. Wichtig: Es kommt nicht auf den Betrag in Euro an, sondern auf den Verbrauch in Kilowattstunden (kWh). Wer die letzte Rechnung nicht mehr findet, kann seinen jährlichen Strombedarf zur Not auch anhand des Verbrauchs der letzten Monate hochrechnen.
Die Suche nach dem passenden Anbieter
Nun beginnt die Suche nach dem günstigsten Anbieter. Eine wichtige Hilfestellung bieten dabei unabhängige Verbraucherportale wie www.toptarif.de, www.verivox.de, www.stromtarife.de, www.check24.de oder www.verbraucherzentrale.de. Auf diesen Seiten finden sich Tarifrechner, in die man nur zwei Werte eingeben muss: seine Postleitzahl und seinen jährlichen Stromverbrauch in Kilowattstunden. Der Tarifrechner bietet dann eine Übersicht sämtlicher Anbieter, die in dieser Region verfügbar sind.
Die Auswahl
Jetzt kommt der entscheidende Schritt - die Wahl des neuen Anbieters. Dabei sollte man Folgendes beachten: Der günstigste ist nicht automatisch der beste. So warnen Verbraucherschützer vor Unternehmen, die Vorkasse verlangen. Auch sollte man sich nicht zu lange an einen Anbieter binden - Vertragslaufzeiten von zwei Jahren also lieber meiden. Allen anderen Unternehmen darf man getrost Vertrauen entgegenbringen.
Ökoanbieter
Wer möchte, kann sich an dieser Stelle auch für einen Ökostromanbieter entscheiden. Diese Unternehmen garantieren grünen Strom aus erneuerbaren Energien, ohne Kohle und Kernkraft. Nach Angaben der Verbraucherschützer sind Ökostromprodukte in zwei Dritteln der Städte sogar billiger als die der ortsüblichen Grundversorger.
Die Formalitäten
Nun muss man mit dem neuen Anbieter nur noch Kontakt aufnehmen. Häufig ist das direkt über das Verbraucherportal möglich - entweder per Mausklick oder per Telefon. Der neue Anbieter klärt dann sämtliche Formalitäten. Eine Abmeldung beim alten Versorger ist nicht nötig, auch das übernimmt das neue Unternehmen automatisch. Nur eine Sache sollte man beachten: Die Vertragslaufzeit beim alten Anbieter muss eingehalten werden. Wer seit acht Monaten in einem Jahresvertrag ist, muss eben noch vier Monate warten.
Die Technik
Technisch ist der Anbieterwechsel überhaupt kein Problem. Das physikalische Produkt Strom bleibt in jedem Fall dasselbe, eine Unterbrechung der Versorgung ist ausgeschlossen. Dass man einen neuen Anbieter hat, merkt man nur daran, dass die Rechnung von einem anderen Unternehmen kommt als bisher. Übrigens: Selbst wenn der neue Anbieter pleitegehen sollte, bekommt man weiterhin Strom. In diesem Fall ist der örtliche Grundversorger gesetzlich verpflichtet einzuspringen.
Wie lange dauert der Anbieterwechsel?
Seit April 2012 können Strom- und Gaskunden schneller den Anbieter wechseln. Sobald die Anmeldung beim Netzbetreiber erfolgt ist, dürfen laut Energiewirtschaftsgesetz nur noch drei Wochen verstreichen, bis die Strom- oder Gaslieferung durch den neuen Anbieter beginnt. Starttermin muss nicht der Monatserste sein - jeder Tag ist möglich. Dauert die Umstellung länger als drei Wochen, kann der Kunde Schadenersatz vom Lieferanten oder Netzbetreiber fordern.
Ich habe eine Nachtspeicherheizung. Kann ich auch den Anbieter wechseln?
In den meisten Fällen leider nicht. "In vielen Regionen gibt es nur einen Anbieter, der die Betreiber von Nachtspeicherheizungen beliefert", sagt ein Verivox-Sprecher. Durch den mangelnden Wettbewerb kommt es öfter zu überdurchschnittlichen Preiserhöhungen. Im vergangenen Jahr sind beispielsweise in Baden-Württemberg die Preise um bis zu 30 Prozent gestiegen. Die Bundesregierung tut dagegen wenig, denn es ist politisch gewollt, dass stromfressende Nachtspeicherheizungen nach und nach ausrangiert werden.
ssu/kaz



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