Energie-Wettrüsten
Neue Pipeline nach Italien soll Russland umgehen
Wettrüsten beim Pipelinebau: Die Energieminister aus fünf europäischen Staaten haben ein Abkommen für eine 1319 Kilometer lange Pipeline unterzeichnet. Die EU will damit unabhängiger vom Lieferanten Russland werden.
Zagreb - Vor rund drei Monaten hatte Russland an der Erdölpipeline Druschba für mehrere Tage den Hahn zugedreht - ein Zwischenfall, der aus Sicht des Westens die Unzuverlässigkeiten des großen Energielieferanten im Osten zeigte. Europa setzt vor diesem Hintergrund auf ein eigenes Liefernetz. Um künftige Engpässe in der Energieversorgung zu vermeiden, haben am Dienstag in der kroatischen Hauptstadt Zagreb Rumänien, Serbien, Kroatien, Slowenien und Italien eine Vereinbarung für die neue Pipeline unterzeichnet.
Die "Pan-Europäische Öl-Pipeline" soll nach Angaben des kroatischen Fernsehsenders HRT den rumänischen Schwarzmeerhafen Constanza über Serbien, Kroatien und Slowenien mit dem italienischen Adriahafen Triest verbinden. Nach Rumänien angeliefert wird das Öl vor allem aus der Region um das Kaspische Meer. Dort liegen US-Schätzungen zufolge die drittgrößten Öl- und Gasreserven weltweit.
Die Bauarbeiten, deren Kosten auf zwei Milliarden Euro geschätzt sind, sollen frühestens ab 2012 beendet werden. Dann können über die Leitung jedes Jahr zwischen 60 und 90 Millionen Tonnen Erdöl nach Westen fließen.
Auch Moskau will seine Vormachtstellung als Öl-Versorger derweil weiter ausbauen. Eine Vereinbarung zwischen den Transitstaaten Bulgarien, Rumänien und Ungarn und Österreich für die so genannte Balkan-Pipeline wurde bereits Mitte März unterzeichnet.
"Russland ist und bleibt unser wichtigster Lieferant, aber Diversifizierung ist absolut notwendig", sagte EU-Energiekommissar Andris Piebalgs bei der Vertragsunterzeichnung in Zagreb.
mzs/Reuters/dpa
SPIEGEL+-Zugang wird gerade auf einem anderen Gerät genutzt
SPIEGEL+ kann nur auf einem Gerät zur selben Zeit genutzt werden.
Klicken Sie auf den Button, spielen wir den Hinweis auf dem anderen Gerät aus und Sie können SPIEGEL+ weiter nutzen.