Energiekartell Russland und Opec bilden Öl-Allianz

Die Macht der Öl-Staaten wächst - und sie bauen sie gezielt aus. Russland kündigt an, seine Zusammenarbeit mit dem Opec-Kartell zu verstärken. Experten schlagen Alarm: Die neue Allianz gefährdet die Versorgungssicherheit des Westens.


Wien/Singapur/Hamburg - Russland will seine Ölpolitik stärker mit der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) abstimmen. Eine entsprechende Absichtserklärung sei dem Kartell schon übermittelt worden, sagte der russische Vizepremierminister Igor Sechin am späten Dienstagabend. "Die Zusammenarbeit mit der Opec ist eines der wichtigsten Ziele Russlands", sagte der Politiker, der auch Vorsitzender des größten russischen Ölkonzerns Rosneft ist.

Ölförderung in Russland: "Alle großen Lieferanten in einem Boot"
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Ölförderung in Russland: "Alle großen Lieferanten in einem Boot"

Analysten brachten die Absichtserklärung mit den Spannungen zwischen dem Westen und Russland wegen des Georgien-Konflikts in Verbindung. Seit dem Krieg in der Kaukasus-Republik liegen die Beziehungen auf Eis. Europäische Politiker fürchten angesichts der Abhängigkeit von russischem Gas und Öl um die Versorgungssicherheit. So forderte der britische Premierminister Gordon Brown jüngst, die EU müsse angesichts des russischen Vorgehens in Georgien ihr Verhältnis zu Moskau neu bewerten. "Kein Land darf Europa im Energie-Würgegriff haben", sagte er.

Durch die neue Allianz zwischen Russland und der Opec könnte die Abhängigkeit der Ölimporteure nun weiter steigen, warnen Beobachter. "Damit sitzen alle großen Lieferanten in einem Boot. Die Macht der Angebotsseite nimmt zu", sagt Eugen Weinberg, Rohstoffexperte von der Commerzbank, SPIEGEL ONLINE. Die Kooperation berge erhebliche Risiken für die Versorgungssicherheit Europas, warnt Weinberg.

Erst an diesem Mittwoch hat die Opec die Fördermenge reduziert. Die Ölpreise stiegen infolge der Kürzung leicht an. Ein Barrel (159 Liter) der US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) zur Auslieferung im Oktober kostete im asiatischen Handel 103,66 US-Dollar - 40 Cent mehr als zum Handelsschluss am Vortag. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent zur Auslieferung im Oktober stieg um 26 Cent auf 100,60 Dollar. Am Dienstag war der Brent-Preis erstmals seit fünf Monaten zeitweise unter 100 Dollar gefallen.

Nach zuletzt stark gesunkenen Rohölpreisen wird die Opec ihre Förderung um rund 520.000 Barrel pro Tag kürzen. Angesichts der "überversorgten Märkte" werde man ab sofort auch auf eine strikte Einhaltung der neuen Förderquoten achten, sagte der amtierende Opec-Präsident Chakib Khelil am frühen Mittwochmorgen in Wien.

Vor allem Saudi-Arabien hatte seit August deutlich mehr Rohöl gefördert als von der Opec vorgesehen. Khelil betonte nach dem Treffen, er gehe davon aus, dass die Preise trotz der Verringerung der Produktion weiter fallen würden. Der zurzeit steigende Dollar werde sich mäßigend auf die Preise auswirken.

Die Entscheidung der Ölminister kam überraschend. Opec-Analysten hatten damit gerechnet, dass die Konferenz die Quoten zumindest bis zur nächsten außerordentlichen Sitzung am 17. Dezember im algerischen Oran nicht antasten würde.

suc/dpa/dpa-AFX



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