Energiekosten Gasprom rechnet mit sinkenden Gaspreisen

Wegen des sinkenden Ölpreises fallen demnächst auch die Gaspreise. Der weltgrößte Erdgasproduzent Gasprom rechnet jedenfalls mit sinkenden Kosten für die Verbraucher in Deutschland. Auch E.on geht von einem Rückgang aus - doch erst einmal hebt der deutsche Versorger die Preise an.


Berlin - Aufgrund der Bindung des Gaspreises an den zuletzt deutlich gesunkenen Ölpreis "müssen wir in einigen Monaten mit einem gewissen Fall der Erdgaspreise rechnen", sagte Gasprom-Chef Alexej Miller der "Welt". "Demzufolge wird der deutsche Verbraucher weniger bezahlen als jetzt."

Gasprom-Chef Miller: "Kein Zurück zu den Preisen von vor fünf bis zehn Jahren"
DDP

Gasprom-Chef Miller: "Kein Zurück zu den Preisen von vor fünf bis zehn Jahren"

An einen langfristigen Preisverfall von Erdöl und Erdgas glaubt Miller jedoch nicht: "Wenn wir von der Preisdynamik der nächsten Jahre reden, dann ist klar, dass es kein Zurück zu den Preisen von vor fünf bis zehn Jahren geben wird."

Miller wehrte sich gegen den Vorwurf, die Gaslieferstaaten wollten ein Gaskartell gründen, ähnlich der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec). Dieses Prinzip könne nicht auf den Gasmarkt übertragen werden, sagte er. "Bei uns geht es um regional gegliederte Märkte mit langfristigen Lieferverträgen, da kann kein Kartell wie die Opec kurzfristig und weltweit die Preise beeinflussen."

Gasprom halte es jedoch für sinnvoll, wenn sich Produzentenländer zusammenschließen, um die Herausforderungen des Sektors zu diskutieren und eine gemeinsame Strategie der Infrastrukturentwicklung auszuarbeiten. Russland, Iran und Katar hatten kürzlich vereinbart, als wichtigste Gaslieferländer eine "Troika" bilden zu wollen.

Auch der größte deutsche Energielieferant E.on Chart zeigen stellt einen Preisrückgang für Erdgas in Aussicht. "Wenn der Ölpreis auf dem derzeit niedrigen Niveau bleibt, werden wir die Gaspreise im Frühjahr wieder senken können", sagte E.on-Vorstandschef Wulf Bernotat der "Financial Times Deutschland". Für Anfang Dezember kündigte er jedoch zunächst eine Verteuerung von Erdgas an. "Die dramatischen Preiserhöhungen bei Öl im ersten Halbjahr sind beim Gaskunden bisher noch gar nicht voll angekommen", begründete er diesen Schritt.

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) hatte am Dienstag angesichts des deutlich gesunkenen Ölpreises von den Versorgern günstigere Energiepreise gefordert. Wenn das Öl billiger wird, müsse der Gaspreis dieser Preisentwicklung folgen. Der Ölpreis der Sorte Light Sweet Crude lag am Donnerstag bei 69 Dollar je Barrel (159 Liter). Im Sommer hatte der Ölpreis bei 147 Dollar einen Höchststand erreicht.

Auch der Präsident des Deutschen Mieterbundes (DMB), Franz-Georg Rips, verlangte umgehende Preissenkungen. "Geschieht dies nicht innerhalb der nächsten Wochen, muss geprüft werden, inwieweit Verbraucher einen Rechtsanspruch auf Preissenkungen haben und durchsetzen können", sagte er.

kaz/AFP/ddp



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