Energiekrise Deutschland wird unabhängiger von Kohle, Öl und Gas aus Russland

Laut einem Gutachten des Wirtschaftsministeriums hat es zuletzt deutliche Fortschritte bei dem Ausbau der Lieferanten gegeben: vor allem bei zwei Energieträgern.
Der LNG-Tanker »Isabella« bringt Flüssigerdgas aus den USA nach Europa. Das erste schwimmende LNG-Terminal vor Deutschlands Küste soll zum Jahreswechsel den Betrieb starten – und die Abhängigkeit von russischen Lieferungen senken

Der LNG-Tanker »Isabella« bringt Flüssigerdgas aus den USA nach Europa. Das erste schwimmende LNG-Terminal vor Deutschlands Küste soll zum Jahreswechsel den Betrieb starten – und die Abhängigkeit von russischen Lieferungen senken

Foto: Marcin Bielecki / EPA

Deutschland hat seit dem Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine seine Energieabhängigkeit von Russland offenbar verringert.

Laut dem »Zweiten Fortschrittsbericht Energiesicherheit« hat es in den vergangenen Wochen vor allem bei Öl und Kohle deutliche Fortschritte bei der Diversifizierung gegeben. Das Dokument liegt der Deutschen Presse-Agentur vor.

»Enorme gemeinsame Kraftanstrengung«

Die Abhängigkeit von russischem Öl ist demnach von etwa 35 Prozent im vergangenen Jahr auf zuletzt 12 Prozent gesunken, der Importanteil von russischem Gas von zuvor 55 Prozent auf nunmehr etwa 35 Prozent. Bei Kohle ist diese Quote seit Jahresbeginn von 50 Prozent auf rund acht Prozent gesunken. Die EU hat kürzlich ein Importverbot für russische Kohle mit einer Übergangsfrist beschlossen.

»All diese Schritte, die wir gehen, verlangen eine enorme gemeinsame Kraftanstrengung aller Akteure, und sie bedeuten auch Kosten, die sowohl die Wirtschaft wie auch die Verbraucher spüren«, berichtete Wirtschafts- und Klimaschutzminister Robert Habeck (Grüne). »Aber sie sind notwendig, wenn wir nicht länger von Russland erpressbar sein wollen.«

Eine beschleunigte Energiewende sei das A und O für eine günstige, unabhängige und sichere Energieversorgung in der Zukunft.

Den ersten Fortschrittsbericht hatte das Ministerium Ende März vorgelegt. Bei russischem Öl wurden demnach von der Mineralölwirtschaft Verträge nicht verlängert oder sie liefen aus. »Die Beendigung der Abhängigkeit von russischen Rohölimporten zum Spätsommer ist realistisch«, heißt es im Bericht.

Wohl auch deshalb unterstützt die Bundesregierung jetzt europäische Planungen für ein EU-weites Einfuhrverbot für russisches Öl. Aber insbesondere in Ostdeutschland würde das nicht einfach.

Größte Abhängigkeit beim Gas

Das betrifft vor allem die Raffinerie in Schwedt, die laut Bericht weiterhin ausschließlich russisches Rohöl bezieht: »Da sie mehrheitlich im Besitz des russischen Staatskonzerns Rosneft ist, ist hier eine freiwillige Beendigung der Lieferbeziehungen mit Russland nicht zu erwarten.« Aus technischer Sicht wäre eine alternative Versorgung über die Häfen Rostock und Danzig möglich.

Am längsten dauert es laut Bericht, die Abhängigkeit Deutschlands von russischem Gas zu beenden. Die Abhängigkeit sei bis Mitte April auf etwa 35 Prozent gesunken. Dafür sei der Erdgasbezug aus Norwegen und den Niederlanden erhöht und der Import von Flüssigerdgas (LNG) »signifikant« gesteigert worden.

Gemeinsam mit Anstrengungen von Unternehmen und Privathaushalten zur Reduktion des Gaseinsatzes durch Energieeffizienz, Energieeinsparung und Elektrifizierung könne bis Ende 2022 der Anteil russischer Gaslieferungen am Verbrauch auf etwa 30 Prozent gesenkt werden, heißt es.

2022 und 2023 sollen laut Bericht mehrere schwimmende Terminals für Flüssigerdgas (LNG) an der deutschen Küste in Betrieb genommen werden. Weitere LNG-Terminals befinden sich in Planung.

Mit ihrer Hilfe und durch weitere Maßnahmen wie den beschleunigten Ausbau der erneuerbaren Energien soll der Anteil des russischen Gases bis zum Sommer 2024 laut Bericht möglichst auf zehn Prozent gedrückt werden.

che/dpa
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