Befragung zur Energiekrise Jedes fünfte Mittelstandsunternehmen denkt über Entlassungen nach

Die Gaskrise trifft laut einer Befragung der DZ Bank den deutschen Mittelstand schwer – und ganz besonders die Ernährungsbranche.
Bäckerei in Niedersachsen: Die Ernährungsbranche ist besonders betroffen

Bäckerei in Niedersachsen: Die Ernährungsbranche ist besonders betroffen

Foto: Julian Stratenschulte / dpa

Der Mittelstand muss sich in Folge der Energiekrise neu ausrichten – das geht aus einer Untersuchung der DZ Bank unter mehr als tausend Geschäftsführerinnen und Geschäftsführern hervor. Ein erheblicher Anteil der Firmen sei so »schwerwiegend getroffen«, dass sie einschneidende Veränderungen anstoßen müssten, um weiterhin erfolgreich wirtschaften zu können.

Jedem vierten mittelständischen Unternehmen stehe demnach aktuell eine Umstrukturierung bevor: 17 Prozent rechnen den Angaben zufolge mit einer Veränderung des Geschäftsmodells und 16 Prozent mit einer Schließung einzelner Geschäftsbereiche. Insbesondere das Ernährungsgewerbe sei betroffen – jedes dritte Unternehmen rechne hier mit Anpassungen. »Insgesamt zeigt die Befragung allerdings, dass es keine Branche mehr gibt, die sich den Auswirkungen der Energiekrise noch entziehen kann«, heißt es in der Mitteilung.

»Eine der großen Stärken des Mittelstands ist Wandlungsfähigkeit«

Ein »massiv gestiegener Margendruck« würde zu der Notwendigkeit führen, die Strukturen anzupassen. Auch dabei sei die Ernährungsbranche besonders betroffen: Bei 93 Prozent der Unternehmen seien die Margen unter Druck geraten. Auch die Chemieindustrie mit 86 Prozent sowie der Metall-, Automobil- und Maschinenbausektor mit 83 Prozent seien überdurchschnittlich stark betroffen. In vielen Branchen würde ein Ausweichen auf andere Produktionsstandorte drohen. Margendruck meint, dass sich durch steigende Kosten die Gewinnmarge verringert.

»Eine der großen Stärken des Mittelstands ist dessen Wandlungsfähigkeit, um auch in Zeiten sich verändernder Rahmenbedingungen ein zukunftsfähiges Geschäftsmodell zu wahren«, wird Stephan Ortolf, Leiter des Firmenkundenzentralbereichs der DZ Bank, zitiert. »Die Entschlossenheit, mit der viele Unternehmen jetzt auf die Energiekrise reagieren, stimmt mich optimistisch für die kommenden Monate.«

Jedes fünfte Unternehmen der Ernährungsbranche rechne damit, aufgrund der Energiekrise Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entlassen zu müssen – im Branchendurchschnitt treffe das auf zwölf Prozent der Unternehmen zu. Dabei stellt die DZ Bank einen Unterschied zwischen ostdeutschen (17 Prozent) und westdeutschen (zehn Prozent) Bundesländern fest. Um Entlassungen möglichst zu umgehen, plane jedes fünfte Unternehmen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Kurzarbeit zu schicken. Auch Homeoffice sei bei jedem fünften eine Option, um Betriebskosten einzusparen.

»Dass vor allem die Mittelständler in strukturschwachen Regionen zum Stellenabbau gezwungen sind, ist in Zeiten des Fachkräftemangels besonders bedenklich«, sagte Ortolf der Mitteilung zufolge. »Im Gastgewerbe hat sich während der Pandemie gezeigt, dass sich entlassene Mitarbeiter nach der Krise nicht einfach ersetzen lassen. Der Mittelstand befindet sich kostenseitig in einem Dilemma.«

ani
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