Energiemarkt RWE und Vattenfall wollen gemeinsam für British Energy bieten

Schulterschluss mit dem Rivalen: Im Ringen um die Übernahme des britischen Atomkraftwerksbetreibers British Energy will sich RWE einem Zeitungsbericht zufolge mit dem Konkurrenten Vattenfall verbünden.


London - Die Vereinbarung ist nicht gerade ein Bündnis unter Gleichen. Denn dem Bericht der Londoner Zeitung "The Times" zufolge will RWE weiterhin allein als Bieter für die Briten auftreten, dann aber gewisse Standorte an Vattenfall abtreten. Mit diesem Vorgehen wollen sie den von der britischen Regierung geforderten Wettbewerb im dortigen Strommarkt gewährleisten.

Anlage von British Energy: Bieterrennen treibt den Preis
British Energy

Anlage von British Energy: Bieterrennen treibt den Preis

Nach einem Bericht der schwedischen Zeitung "Dagens Industri" hatte Vattenfall die Investmentbank Citigroup beauftragt, die Chancen für einen Einstieg auszuloten. Eine Sprecherin des vom schwedischen Staat kontrollierten Konzerns wollte dies am Dienstag ebenso wenig kommentieren wie British Energy.

Die Kooperation mit RWE könnte auf der anderen Seite Vattenfall die Möglichkeit bieten, den Einstieg auf den britischen Markt günstig zu finanzieren und überdies seine Option, Kernkraftwerke zu betrieben, absichern. Dafür bietet zurzeit weder Schweden noch Deutschland den Raum.

RWE hatte nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters vor wenigen Wochen knapp 700 Pence je Aktie in bar geboten. Der britische Versorger Centrica will dagegen nach Informationen von Händlern 800 Pence je Aktie bieten. Sämtliche Unternehmen lehnten einen Kommentar ab.

British Energy betreibt acht der zehn britischen Atomkraftwerke. Bis auf eine Anlage sollen alle in den nächsten 15 Jahren vom Netz gehen. British Energy hat lediglich Stromerzeugungskapazitäten, aber weder Verteilnetze noch einen Vertrieb an Haushaltskunden. Der 1996 privatisierte und im Jahr 2002 von der Regierung vor der Pleite gerettete Konzern ist damit anfällig für Schwankungen der Großhandelspreise.

Die britische Regierung will sich jetzt aber wieder von ihrem 35-Prozent-Anteil trennen. Der Atomkraftwerksbetreiber hatte am 17. März erklärt, Gespräche mit Interessenten zu führen, die in eine vollständige Übernahme münden könnten. RWE hatte nach Informationen aus gut unterrichteten Kreisen seine Offerte davor eingereicht. Nach einem Bericht der "Financial Times" prüfen die Essener derzeit die Bücher von British Energy. Auch der französische Energieriese EdF ist interessiert an einer Übernahme.

Nach Reuters-Informationen führen RWE und EdF auch Gespräche mit Centrica über ein gemeinsames Angebot für British Energy. Die Möglichkeit könnte Sorgen der Regierung zerstreuen, dass die Atomindustrie in ausländische Hände fallen könnte.

Analysten betrachten den heftigen Bieterkampf um British Energy mit Skepsis. Sie halten das sich schon jetzt abzeichnende Preisniveau als zu hoch. Das RWE-Angebot beläuft sich auf bis zu 13,7 Milliarden Euro. Mit British Energy lasse sich aber auch richtig Geld verdienen, da sich der Käufer auf den Bau und Betrieb von Atomkraftwerken konzentrieren könnte, erwidern dagegen andere Händler. Einen Teil der Abrisskosten der alten Anlagen werde voraussichtlich der britische Staat über den Verkauf seines Anteils finanzieren. Für die Lagerung des Atommülls werde der Käufer wohl auch nicht verantwortlich sein.

mik/dpa-AFX



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