BCG-Studie Bis zu 2200 Euro mehr für Gas – trotz Mehrwertsteuersenkung

Die geplante Reduktion der Mehrwertsteuer auf Gas ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein, wie eine neue Studie zeigt. Für viele Bürger werden sich die Heizkosten trotzdem vervielfachen.
Heizungsthermostat: Nach links wird’s teurer

Heizungsthermostat: Nach links wird’s teurer

Foto: Hauke-Christian Dittrich / dpa

Die geplante Senkung der Mehrwertsteuer auf Gas wird die Bundesbürger nur unwesentlich entlasten. Nach einer Analyse der Unternehmensberatung Boston Consulting wird die Entscheidung, künftig nur sieben statt bisher 19 Prozent Mehrwertsteuer zu erheben, den durchschnittlichen Gaspreis für Haushalte voraussichtlich um nicht mehr als zwei Cent pro Kilowattstunde senken. Der Gaspreis würde danach im nächsten Jahr im Schnitt 17 statt 19 Cent pro Kilowattstunde betragen.

Entsprechend gering fällt die Ersparnis für die Haushalte aus. Nach der BCG-Analyse kann ein Zwei-Personen-Haushalt mit einem Gasverbrauch von 11.000 Kilowattstunden pro Jahr mit einer Entlastung von rund 200 Euro im Jahr rechnen. Bei einer vierköpfigen Familie sind es je nach Wohnungsgröße zwischen 300 und 400 Euro pro Jahr.

Einkommensschwache Haushalte unterstützen

Dennoch müssen viele Bundesbürger mit drastisch erhöhten Ausgaben rechnen, wenn sie ihre Räume im nächsten Jahr wie gewohnt wärmen wollen. Für einen Zwei-Personen-Haushalt wird sich die Gasrechnung im Vergleich zum Jahr 2020 um rund 1200 Euro verteuern. Für eine vierköpfige Familie betragen die Mehrkosten zwischen 1800 und 2200 Euro. Im Schnitt, so kalkulieren die BCG-Experten, werden die Bundesbürger 2023 fast dreimal so viel für Heizgas ausgeben müssen als bisher.

Die Verfasser der Analyse halten es deshalb für erforderlich, einkommensschwache Haushalte zusätzlich zu unterstützen. Hierzu wären »verbrauchsunabhängige, aber an das Einkommen geknüpfte Direktzahlungen wahrscheinlich der beste Weg«, sagt BCG-Partner Jens Burchardt.

Der Managing Director der Unternehmensberatung stellt den Energiepolitikern der Ampelregierung ein schlechtes Zeugnis aus. Die Mehrwertsteuer zu senken, sei für den Staat »sehr teuer«, helfe aber »nicht zielgerichtet«, sagt er. Zudem entfalle durch den Steuererlass »ein wichtiges Preissignal zum Sparen von Gas«.

msa
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