Energiepreise Grünen-Studie brandmarkt Stromkonzerne als Absahner

Die Branche gilt als Überflieger der vergangenen fünf Jahre: Zwar sprudelten überall die Gewinne, doch die Stromerzeuger machten den wahren Reibach. Die Grünen ließen jetzt untersuchen, wo die Milliardengewinne in erster Linie herkommen - von den privaten Haushalten.


Berlin - Die vier großen Stromkonzerne in Deutschland haben ihre Gewinne in den vergangenen fünf Jahren einer Studie zufolge mehr als verdreifacht. Wie die "Berliner Zeitung" unter Berufung auf die Studie berichtet, liegt das vor allem daran, dass die Strompreise gleichzeitig um mehr als 50 Prozent gestiegen sind. Die Erhöhung von Steuern und Abgaben bei Haushaltsstrom sei dabei nur für weniger als die Hälfte der Preissteigerung verantwortlich. Allein in diesem Jahr stieg demnach der Strompreis vor Abgaben und Steuern um rund 6,5 Prozent.

Stromleitungen: Rekordgewinne auch für 2008 erwartet
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Stromleitungen: Rekordgewinne auch für 2008 erwartet

Mögliche Preissenkungen aber seien trotz gefallener Rohstoffpreise und gekürzter Netzentgelte nicht an die Verbraucher weitergegeben worden. "Die Erhöhung der Strompreise für das nächste Jahr ist nicht gerechtfertigt", sagte der energiepolitische Sprecher der Grünen im Bundestag, Hans-Josef Fell.

Nach dem Rekordjahr 2007, als sich die Konzerngewinne von E.on Chart zeigen, Vattenfall Europe Chart zeigen, EnBW Chart zeigen und RWE Chart zeigen auf knapp 20 Milliarden Euro summierten, konnten die Unternehmen laut Expertise bis zum Ablauf des dritten Quartals ihren Gewinn im Schnitt um weitere elf Prozent steigern. Für das Jahr 2008 deute sich damit trotz Finanzkrise abermals ein Rekordgewinn an, wenn die Zahlen der ersten neun Monate bis zum Jahresende fortgeschrieben würden, heißt es in dem Entwurf der Studie, die unter Federführung von Uwe Leprich von der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes erstellt wurde.

Anbieterwechsel - so funktioniert's
In wenigen Minuten zum Ziel
Der Wechsel des Stromanbieters ist sehr einfach. Für die Formalitäten braucht man nur wenige Minuten. Im Kern gilt das Gleiche auch für Gaskunden. Wechselwillige Kunden sollten Folgendes beachten.
Verbrauch ermitteln
Als Erstes sollte man seinen individuellen Jahresverbrauch ermitteln. Am einfachsten geht das über die letzte Rechnung. Wichtig: Es kommt nicht auf den Betrag in Euro an, sondern auf den Verbrauch in Kilowattstunden (kWh). Wer die letzte Rechnung nicht mehr findet, kann seinen jährlichen Strombedarf zur Not auch anhand des Verbrauchs der letzten Monate hochrechnen.
Die Suche nach dem passenden Anbieter
Nun beginnt die Suche nach dem günstigsten Anbieter. Eine wichtige Hilfestellung bieten dabei unabhängige Verbraucherportale wie www.toptarif.de, www.verivox.de, www.stromtarife.de, www.check24.de oder www.verbraucherzentrale.de. Auf diesen Seiten finden sich Tarifrechner, in die man nur zwei Werte eingeben muss: seine Postleitzahl und seinen jährlichen Stromverbrauch in Kilowattstunden. Der Tarifrechner bietet dann eine Übersicht sämtlicher Anbieter, die in dieser Region verfügbar sind.
Die Auswahl
Jetzt kommt der entscheidende Schritt - die Wahl des neuen Anbieters. Dabei sollte man Folgendes beachten: Der günstigste ist nicht automatisch der beste. So warnen Verbraucherschützer vor Unternehmen, die Vorkasse verlangen. Auch sollte man sich nicht zu lange an einen Anbieter binden - Vertragslaufzeiten von zwei Jahren also lieber meiden. Allen anderen Unternehmen darf man getrost Vertrauen entgegenbringen.
Ökoanbieter
Wer möchte, kann sich an dieser Stelle auch für einen Ökostromanbieter entscheiden. Diese Unternehmen garantieren grünen Strom aus erneuerbaren Energien, ohne Kohle und Kernkraft. Nach Angaben der Verbraucherschützer sind Ökostromprodukte in zwei Dritteln der Städte sogar billiger als die der ortsüblichen Grundversorger.
Die Formalitäten
Nun muss man mit dem neuen Anbieter nur noch Kontakt aufnehmen. Häufig ist das direkt über das Verbraucherportal möglich - entweder per Mausklick oder per Telefon. Der neue Anbieter klärt dann sämtliche Formalitäten. Eine Abmeldung beim alten Versorger ist nicht nötig, auch das übernimmt das neue Unternehmen automatisch. Nur eine Sache sollte man beachten: Die Vertragslaufzeit beim alten Anbieter muss eingehalten werden. Wer seit acht Monaten in einem Jahresvertrag ist, muss eben noch vier Monate warten.
Die Technik
Technisch ist der Anbieterwechsel überhaupt kein Problem. Das physikalische Produkt Strom bleibt in jedem Fall dasselbe, eine Unterbrechung der Versorgung ist ausgeschlossen. Dass man einen neuen Anbieter hat, merkt man nur daran, dass die Rechnung von einem anderen Unternehmen kommt als bisher. Übrigens: Selbst wenn der neue Anbieter pleitegehen sollte, bekommt man weiterhin Strom. In diesem Fall ist der örtliche Grundversorger gesetzlich verpflichtet einzuspringen.
Wie lange dauert der Anbieterwechsel?
Seit April 2012 können Strom- und Gaskunden schneller den Anbieter wechseln. Sobald die Anmeldung beim Netzbetreiber erfolgt ist, dürfen laut Energiewirtschaftsgesetz nur noch drei Wochen verstreichen, bis die Strom- oder Gaslieferung durch den neuen Anbieter beginnt. Starttermin muss nicht der Monatserste sein - jeder Tag ist möglich. Dauert die Umstellung länger als drei Wochen, kann der Kunde Schadenersatz vom Lieferanten oder Netzbetreiber fordern.
Ich habe eine Nachtspeicherheizung. Kann ich auch den Anbieter wechseln?
In den meisten Fällen leider nicht. "In vielen Regionen gibt es nur einen Anbieter, der die Betreiber von Nachtspeicherheizungen beliefert", sagt ein Verivox-Sprecher. Durch den mangelnden Wettbewerb kommt es öfter zu überdurchschnittlichen Preiserhöhungen. Im vergangenen Jahr sind beispielsweise in Baden-Württemberg die Preise um bis zu 30 Prozent gestiegen. Die Bundesregierung tut dagegen wenig, denn es ist politisch gewollt, dass stromfressende Nachtspeicherheizungen nach und nach ausrangiert werden.

Die Autoren der Studie vermuten allerdings, dass jedenfalls E.on im Zuge der Finanzkrise auch hohe Summen in Milliardenhöhe verloren hat. Im letzten Quartalsbericht habe der Konzern eine Erhöhung der sonstigen betrieblichen Aufwendungen um 77 Prozent ausgewiesen. Der Verlust von fünf Milliarden Euro entspreche in etwa der Hälfte des erwarteten Jahresergebnisses.

Angesichts der angekündigten Preiserhöhungen warnte die stellvertretende Fraktionschefin der Grünen, Bärbel Höhn, die Konzerne davor, sich an den Kunden schadlos zu halten: "Das verlorene Geld darf der Konzern nicht über ungerechtfertigte Erhöhungen der Strompreise hereinholen." Im kommenden Jahr will etwa die Hälfte der 900 deutschen Stromversorger die Preise im Schnitt um 8,4 Prozent erhöhen. Insgesamt sind 48 Millionen Bundesbürger betroffen.

Zuletzt hatten die Energiekonzerne immer wieder darauf verwiesen, dass sie in den nächsten Jahren erheblichen Investitionsbedarf haben. Stromnetz und Kraftwerkspark müssten erneuert werden.

mik/AFP/Reuters/AP



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