Nicolai Kwasniewski

Kommentar zur Energiewende Lasst die Stromkonzerne sterben

Die vier großen Stromkonzerne in Deutschland stecken in einer existenzbedrohenden Notlage. Und sie sind selbst daran schuld. Wir sollten ihnen keine Träne nachweinen.
E.on-Atomkraftwerk Grohnde: Es braucht keine Großkonzerne mehr

E.on-Atomkraftwerk Grohnde: Es braucht keine Großkonzerne mehr

Foto: Julian Stratenschulte/ dpa

Es dürfte kein Zufall sein, dass E.on seinen historischen Bilanzverlust ausgerechnet am vierten Jahrestag der Reaktorkatastrophe von Fukushima verkündet. Seht her, heißt das, der Atomausstieg ist schuld an unserem wirtschaftlichen Desaster - und die Verantwortung dafür trägt die Bundesregierung. So ähnlich sehen es auch die Chefs der drei anderen großen Stromkonzerne in Deutschland, RWE, Vattenfall und EnBW, in zahlreichen Klagen fordert die Branche bereits Schadensersatz.

Wie kommen die auf diese Idee?

Nun, stellen Sie sich vor, Sie könnten sich jahrzehntelang einen Markt mit drei anderen Konzernen aufteilen, strichen enorme Gewinne ein und müssten sich um die Folgen Ihres Tuns keine Gedanken machen.

Dann ändert sich die Stimmung im Land. Die Bundesregierung wird rot-grün, Klimaschutz wird auf globaler Ebene verhandelt, immer mehr Strom wird aus Wind und Sonne erzeugt. Und Sie? Glauben an eine vorübergehende Störung. Zwanzig Jahre und eine lange Reihe verheerender Fehleinschätzungen und Fehlentscheidungen später steht Ihr Konzern vor dem Aus.

Und weil die Energiewende Schuld daran ist, soll der Staat helfen.

Überfordert von der Energiewende

Es stimmt, Deutschland braucht die dreckigen Kohlekraftwerke derzeit noch, um jenen stetig fließenden Strom zu ersetzen, der bisher in fossilen und nuklearen Kraftwerken erzeugt wird - bis intelligente Lösungen marktreif sind. Aber dafür braucht es keine Großkonzerne, die in den vergangenen zwanzig Jahren gezeigt haben, dass sie mit der Energiewende, wie sie in Deutschland (unter Beobachtung der ganzen Welt) vollzogen wird, vollkommen überfordert sind.

Die Netze - ein zentrales Element der Energiewende - haben E.on, RWE, EnBW und Vattenfall schon verkauft, ihre Atomkraftwerke werden sie bald abschalten müssen. Viele Stadtwerke haben sich zu größeren Einheiten zusammengetan, neue Energieanbieter sind auf den Markt getreten. Alle kleiner und regionaler, aber beweglicher und innovativer als die großen vier. Sie könnten, wenn die Bundesregierung kluge Regelungen und Anreize schafft, die Energiewende wirklich vollenden.

Vielleicht berappeln sich die Großen noch einmal. E.on hat den wohl radikalsten Strategieschwenk angekündigt und wird sein Geschäft aufspalten in einen zukunftsfähigen Teil und einen, in dem die fossilen und nuklearen Kraftwerke gebündelt werden. Wahrscheinlich ist das Überleben der Dinosaurier allerdings nicht.

Womit wir beim wirklich unschönen Teil der Geschichte sind: bei den Altlasten. Sollten RWE, E.on, Vattenfall und EnBW tatsächlich zusammenbrechen, dann fehlt auch das Geld, um den Rückbau der Atomkraftwerke zu finanzieren. Dafür müssten wieder alle Steuerzahler geradestehen - wie so oft.

Allerdings lägen dann tatsächlich alle Kosten offen - anders, als wenn jeder der vier Konzerne nach und nach immer wieder gestützt werden müsste. Das wäre der Preis, den die Gesellschaft dafür zahlen müsste, die Energiewende sauber zu vollenden.