Energieversorgung NRW will gegen überhöhte Gaspreise vorgehen

Die nordrhein-westfälische Landesregierung will den Gasversorgern in ihrem Bundesland genau auf die Finger schauen. Wirtschaftsministerin Thoben kündigte eine Überprüfung der Preise an. Zugleich rückt der Zeitpunkt näher, an dem die Verbraucher ihre Lieferanten frei wählen können.


Düsseldorf - Die Landeskartellbehörde in ihrem Ministerium wolle die Gaspreisübersicht des Bundeskartellamtes "sehr sorgfältig auswerten", sagte Christa Thoben heute in Düsseldorf. Sobald es Anhaltspunkte für eine missbräuchliche Preisgestaltung gebe, werde das Ministerium unverzüglich entsprechende Verfahren einleiten.

Bald billiger? Private Gaskunden in ganz Deutschland sollen in Kürze ihren Gasanbieter frei wählen können
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Bald billiger? Private Gaskunden in ganz Deutschland sollen in Kürze ihren Gasanbieter frei wählen können

Das Bundeskartellamt hatte in der vergangenen Woche erstmals Gaspreise von 739 Versorgern in ganz Deutschland im Internet veröffentlich. Derzeit wird die Liste nach Angaben von Thoben komplettiert und aktualisiert.

Die Ministerin erläuterte, dass die Landeskartellbehörde bereits in der Vergangenheit die Preispolitik der 141 Gasversorger in Nordrhein-Westfalen "kritisch begleitet" habe. So sei erreicht worden, dass die Preisspreizung zwischen einzelnen Versorgungsunternehmen von 45 Prozent auf weniger als 20 Prozent gesenkt worden sei.

Anders als die Strompreisaufsicht, die die Preiserhöhungen vor dem Inkrafttreten genehmigt, kann die Landeskartellbehörde die Gaspreisgestaltung nach Angaben des Ministeriums erst nachträglich bewerten.

Gaskunden können Anbieter bald frei wählen

Private Gaskunden in ganz Deutschland können laut Bundesnetzagentur in Kürze ihren Gasanbieter frei wählen und damit möglicherweise Geld sparen. Noch in diesem Jahr sollen entsprechende Voraussetzungen geschaffen werden, kündigte der Präsident der Bundesoberbehörde, Matthias Kurth, in der "Welt am Sonntag" an. "Wir sollten im Jahr 2007 deutlich über die ersten alternativen Gasangebote für Privatkunden hinauskommen und flächendeckenden Wettbewerb im deutschen Gasmarkt schaffen. Dann werden sich nicht kostenbasierte Unterschiede bei den Gaspreisen angleichen." Ein Anbieter mit regional bedingt hohen Kosten beispielsweise wegen ungünstiger Topografie für Gasleitungen werde allerdings trotzdem keinen deutlich niedrigeren Preis anbieten können.

Bislang können nur die Verbraucher in wenigen Städten, etwa in Berlin und Bonn, zu alternativen Gasanbietern wechseln. In den übrigen Regionen sei es für neue Anbieter bislang wegen der hohen Durchleitungsgebühren nicht attraktiv gewesen, um Kunden zu werben. Chefregulierer Kurth verwies zudem darauf, dass sich die Bedingungen für neue Gasanbieter durch die Einführung des so genannten Zwei-Vertragsmodells jüngst allerdings deutlich verbessert hätten. Die Bundesnetzagentur hat die Aufgabe, durch Liberalisierung und Deregulierung für die weitere Entwicklung auf dem Elektrizitäts-, Gas-, Telekommunikations-, Post- und Eisenbahninfrastrukturmarkt zu sorgen.

ler/ddp/AP



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