Energiewende Kohle überholt Wind wieder als wichtigste Stromquelle

Satte 35 Prozent mehr Strom als im ersten Halbjahr 2020: Kohlemeiler haben Windparks von der Spitze verdrängt – auch wegen des Wetters.
Das hessische Kohlekraftwerk Staudinger nahe Hanau. Betreiber Uniper will es 2025 vom Netz nehmen.

Das hessische Kohlekraftwerk Staudinger nahe Hanau. Betreiber Uniper will es 2025 vom Netz nehmen.

Foto: Frank Rumpenhorst / dpa

Trotz des Kohleausstiegs sind Stein- und Braunkohle im ersten Halbjahr 2021 zur wichtigsten Quelle der Stromerzeugung in Deutschland geworden.

Gegenüber dem Vorjahreszeitraum habe die Erzeugung der Kohlekraftwerke um 35,5 Prozent auf 70,2 Milliarden Kilowattstunden zugelegt, teilte das Statistische Bundesamt am Montag mit. Damit hatten Kohlekraftwerke einen Anteil von 27,1 Prozent am deutschen Strommix.

Windkraftanlagen hingegen produzierten wegen häufiger Flauten nur 57 Milliarden Kilowattstunden: gut ein Fünftel weniger als vor Jahresfrist. Dadurch schrumpfte ihr Anteil an der Gesamtmenge um sieben Prozentpunkte auf 22,1 Prozent. 2020 hatten Windparks erstmals mehr Strom generiert als Kohlekraftwerke. Nun hat sich die Rangfolge wieder umgekehrt.

Insgesamt stieg die Elektrizitätserzeugung um vier Prozent gegenüber den ersten sechs Monaten 2020. Ein Grund hierfür dürfte gewesen sein, dass zu Pandemiebeginn manche Industriebetriebe zeitweise ihre Fabriken zurückgefahren hatten, aber nun wieder voll produzieren.

Im Zuge der Energiewende sollen hierzulande die Kernkraftwerke bis Ende 2022 und die Kohlekraftwerke bis 2038 abgeschaltet werden.

Erneuerbare Energiequellen wie Wind, Fotovoltaik und Biogas sollen im Gegenzug eine immer größere Rolle spielen. Ihre Produktion schwankt jedoch wegen der Abhängigkeit vom Wetter – so auch im ersten, windarmen Halbjahr 2021.

Insgesamt entfielen auf die konventionellen Kraftwerke – vor allem Kohle, Gas und Kernenergie – laut Statistischem Bundesamt von Januar bis Ende Juni rund 56 Prozent der Elektrizitätsproduktion. 2020 waren es 53 Prozent gewesen.

che/Reuters
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