Folge der Coronakrise 2020 ist mehr als die Hälfte des Stroms öko

2020 ist das Jahr der erneuerbaren Energien. Der Anteil von Wind-, Solar-, Wasser- und Biomasse-Kraftwerken am deutschen Strommix könnte erstmals die 50-Prozent-Marke übersteigen - auch wegen Corona.
Somewhere under the rainbow: Ein Windpark in Brandenburg. Windanlagen produzieren zurzeit gut jede vierte Kilowattstunde Strom in Deutschland

Somewhere under the rainbow: Ein Windpark in Brandenburg. Windanlagen produzieren zurzeit gut jede vierte Kilowattstunde Strom in Deutschland

Foto: Patrick Pleul / ZB

Der Anteil der erneuerbaren Energiequellen an der öffentlichen Stromerzeugung in Deutschland wird dieses Jahr wohl erstmals bei mehr als 50 Prozent liegen. Nach Berechnungen des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) produzierten Wind-, Solar-, Biomasse- und Wasserkraftwerke vom Jahresanfang bis zum 22. Oktober zusammen 52,5 Prozent der öffentlichen Nettoproduktion - also des Strommixes, der aus der Steckdose kommt. 2019 betrug der Ökostrom-Anteil rund 46 Prozent

"Wenn der Wind im November und Dezember so stark weht, wie es in diesen Monaten üblich ist, werden die Regenerativen die 50 Prozent schaffen", sagte Bruno Burger, Professor am Fraunhofer ISE, dem SPIEGEL. Von der öffentlichen Nettoerzeugung ausgenommen sind Kraftwerke, die Industriebetriebe ausschließlich zu ihrer Eigenversorgung betreiben - sowie jene Elektrizität, die die Kraftwerke selbst benötigen, etwa für Kohlemühlen von Braunkohlemeilern.

Die starken Zugewinne der Erneuerbaren erklären sich maßgeblich aus den Corona-Restriktionen im Frühjahr. Vor allem wegen schwächerer Nachfrage der Industrie sank der deutsche Strombedarf im zweiten Quartal um gut sieben Prozent. Angesichts des Einspeisevorrangs für die Erneuerbaren fuhren manche Betreiber die Stromerzeugung durch konventionelle Energieträger deutlich zurück.

Zudem sanken die Strompreise im Großhandel zeitweise so stark, dass sie manche Meiler schlicht unrentabel machten, erklärt Burger: etwa bestimmte Braunkohlekraftwerke, die wegen ihrer großen CO₂-Emissionen besonders hohe Kosten für Verschmutzungszertifikate haben. Der Braunkohle -Anteil am Strommix ist seit Jahresbeginn auf unter 16 Prozent gefallen. 2019 lag er noch bei fast 20 Prozent.

Solarstrom auf Rekordhoch

Im Gegenzug haben die Solaranlagen im Jahr 2020 bereits jetzt mehr Strom produziert als je zuvor. Mit einem Anteil von 12,4 Prozent am gesamten deutschen Mix ist die Photovoltaik knapp hinter der Kernenergie die viertwichtigste Quelle.

Der mit Abstand meiste Strom, 103 von insgesamt 389 produzierten Terawattstunden, stammt aus Windanlagen. Diese haben 26,5 Prozent Anteil an der gesamten öffentlichen Netto-Erzeugung. Biomasse- und Wasserkraftwerke erzeugten im bisherigen Jahresverlauf 9,5 Prozent und 4,0 Prozent des Stroms.

Trotz mancher gesetzlicher Hürden, bürokratischer Erschwernisse und Bürgerproteste werde der Aufstieg der Erneuerbaren mittelfristig weitergehen, sagt Energieforscher Burger voraus: "Wenn es 2021 nicht wieder starke Corona-Einschränkungen gibt, wird der Anteil der Regenerativen wahrscheinlich wieder etwas sinken. Aber in zwei oder drei Jahren sollte diese Quote auch bei einem normalen Stromverbrauch wieder erreicht werden."

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.