Enron Schlammschlacht vor dem Senatsausschuss

Der US-Energiehandelskonzern Enron hätte nach Einschätzung der Ex-Vizepräsidentin Sherron Watkins im vergangenen Herbst noch vor der Pleite gerettet werden können. Sie beschuldigte den ehemaligen Konzernchef Jeffrey Skilling der Irreführung.


Eindeutige Schuldzuweisungen: Ex-Enron-Vize Sherron Watkins vor dem Senatsausschuss
DPA

Eindeutige Schuldzuweisungen: Ex-Enron-Vize Sherron Watkins vor dem Senatsausschuss

Washington - In der Chefetage sei aber trotz ihrer Warnungen nichts unternommen worden, sagte Watkins am Dienstag vor dem Handelsausschuss des Senats. Watkins hatte als einzige im vergangenen Sommer intern vor einem Zusammenbruch des Unternehmens wegen illegaler Bilanzierung gewarnt.

"Enron hatte im Herbst für kurze Zeit die Möglichkeit, sich zu retten, aber wir haben die Gelegenheit verpasst, weil (Enron-Chef) Kenneth Lay nicht erkannt oder akzeptiert hat, dass das Unternehmen seine Finanzunterlagen manipuliert hat", sagte Watkins.

Unterdessen verwahrte sich Jeffrey Skilling bei der Anhörung gegen frühere Vorwürfe von Watkins, er habe die Unternehmensführung in die Irre geführt. Er wiederholte, dass er bei seinem Abgang im August keine Ahnung von der prekären Finanzlage hatte. Kritik von Abgeordneten, die seine erste Aussage vor einem Ausschuss des Repräsentantenhauses öffentlich in Zweifel zogen, wies Skilling zurück. "Ich habe Lay nicht in die Irre geführt", sagte er. "Ich habe nichts zu verbergen."

Enron musste seine Gewinne im Herbst scharf nach unten korrigieren, nachdem Schulden in dreistelliger Millionenhöhe in mehreren dubiosen Partnerschaften ans Licht kamen. Der einst siebtgrößte US-Konzern beantragte am 2. Dezember Gläubigerschutz. Sein Zusammenbruch war die größte Firmenpleite der US-Geschichte.

Nach Worten von Skilling ging das Unternehmen pleite, weil Gläubiger das Vertrauen verloren und plötzlich ihr Geld zurückverlangten. Rechtsanwälte hätten die Partnerschaften nach den Warnungen von Watkins untersucht und nach Angaben von Enron keine Unregelmäßigkeiten festgestellt. Am Pranger steht auch die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Arthur Andersen, die die Bilanzen bestätigte.

Enrons Gründer und erster Chef Kenneth Lay hatte Skilling im Februar vergangenen Jahres auf den Führungsposten berufen. Nach Skillings Ausscheiden wurde Lay wieder selbst Konzernchef. Nach der Pleite trat er in diesem Januar ab.

Watkins und Skilling standen dem Ausschuss am Dienstag gemeinsam Rede und Antwort. Skilling schaute Watkins bei ihren Ausführungen direkt an und schüttelte mehrfach den Kopf. Die meisten anderen Enron-Manager haben vor den Kongressausschüssen die Aussage verweigert, um sich im Vorfeld von Strafuntersuchungen nicht selbst zu belasten. Das Justizministerium und die Börsenaufsicht haben Strafuntersuchungen eingeleitet. Mehrere Aktionäre reichten Klagen ein.



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