Enteignungspolitik Bolivien verstaatlicht Energiefirmen

Bolivien macht es wie Venezuela: Das lateinamerikanische Land bringt vier Energieunternehmen unter staatliche Kontrolle - Präsident Morales hat entsprechende Dekrete erlassen. Betroffen ist auch eine Firma mit deutscher Beteiligung.


La Paz - Bolivien hat für die vier Energieunternehmen insgesamt 43 Millionen Dollar ausgegeben. Das gab die Regierung in La Paz bekannt. Mit der spanischen Ölfirma Repsol schloss das Land eine entsprechende Vereinbarung. Demnach kauft Boliviens Energieunternehmen YPFB für 6,3 Millionen Dollar genug Aktien für eine Mehrheit an Repsols Firma Andina, einem der größten Energieunternehmen in Bolivien.

Präsident Evo Morales erließ zudem Dekrete zur Verstaatlichung von Empresa Petrolera Chaco, die bislang von der britischen BP kontrolliert wurde, der Transredes-Leitung, die der Ashmore Energy International gehörte, sowie der Treibstoff-Lager und -Transportfirma CLHB, die von peruanischen und deutschen Firmen kontrolliert wurde.

Für die Kontrollmehrheit an Chacoi wurden nach Angaben des Energieministeriums 4,8 Millionen Dollar gezahlt, für Transredes-Anteile 12,4 Millionen und für CLHB 20 Millionen Dollar.

In Venezuela wurde die Ölindustrie des Landes bereits größtenteils verstaatlicht; Präsident Hugo Chavez treibt derzeit die Enteignung anderer Industriezweige voran. Anfang vergangenen April gab die Regierung bekannt, mindestens 60 Prozent des Kapitals dreier großer ausländischer Zementfirmen zu übernehmen. Über eine Entschädigung äußerte sich die Regierung nicht. Am gestrigen Donnerstag teilte die Regierung in Caracas mit, den größten Stahlhersteller des Landes in ein Staatsunternehmen umwandeln zu wollen. Chavez will in Venezuela nach eigenem Bekunden einen "Sozialismus des 21. Jahrhunderts" einführen.

kaz/Reuters



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