Entlassung trotz Umsatzrekord Arbeitgeber-Chef verteidigt Deutsche Bank

Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt hat Kritik an der Deutschen Bank zurückgewiesen. Die Bank will trotz Rekordumsatz tausende Mitarbeiter entlassen. Hundt sagte, jedes Unternehmen müsse ausreichend hohe Gewinne erzielen, um der sozialen Verantwortung gerecht zu werden.


Köln - Die Entscheidung der Deutschen Bank, trotz eines Rekordergebnisses in 2004 weltweit 6400 Stellen zu streichen, sorgt weiter für Diskussionen. Allein in Deutschland will Bankchef Josef Ackermann 1920 Arbeitsplätze abbauen.

Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt verteidigte die Deutsche Bank. Eine Voraussetzung, um der sozialen Verantwortung gerecht zu werden, sei für jedes Unternehmen eine ausreichende Gewinnerzielung, sagte der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) heute im Deutschlandfunk. Er fügte hinzu: "Und welche Maßnahmen in einem Unternehmen hierfür Voraussetzung und erforderlich sind, das kann nur in dem Unternehmen entschieden werden."

Der Öffentlichkeit fehlten die notwendigen Informationen über die Gegebenheiten, die zu solchen "unangenehmen Entscheidungen" führten, sagte Hundt mit Blick auf den Personalbbau der Deutschen Bank trotz eines enormen Gewinnzuwachses. Vertreter aller Parteien hatten die Bank wegen der angekündigten Entlassungen gerügt.

Hundt sagte, die deutschen Unternehmen seien sich ihrer sozialen Verantwortung voll bewusst, und sie verhielten sich auch entsprechend. Das gelte insbesondere für die mittelständischen Unternehmen und "von der einen oder anderen Ausnahme abgesehen", auch für die Verantwortlichen in den Konzernen.

Die durchschnittliche Rendite der mittelständischen Unternehmen sei mit zwei Prozent bei weitem nicht ausreichend, "um die Unternehmen langfristig zu sichern und insbesondere die Arbeitsplätze erhalten", sagte Hundt weiter. Das sei ein Grund dafür, dass Deutschland seit Jahren neue Insolvenzrekorde zu verkraften habe. Eine weitere Reform der Unternehmensbesteuerung sei dringend erforderlich, um den Investitionsstandort wieder attraktiver zu gestalten. Im Gegenzug müssten "mit der Rasenmähermethode" Subventionen abgebaut werden.



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