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30. März 2008, 21:43 Uhr

Entlassungen

Bericht sieht Arbeitsmarkt auf der Kippe

Abwärtstrend oder Vollbeschäftigung: Unterschiedlicher können die Signale nicht sein. Während die "FAZ" in ihrer Montagsausgabe einen Negativtrend auf dem Arbeitsmarkt ausmacht, hofft Wirtschaftsminister Glos auf Vollbeschäftigung bis 2010.

Frankfurt am Main - Erst am Dienstag gibt die Bundesagentur für Arbeit die neuen Arbeitslosenzahlen bekannt. Diese Zahlen werden den ausgebrochenen Streit, ob die Beschäftigung in Deutschland in Zukunft aber auch nicht entscheiden, den es scheint jeder interpretiert die Fakten so, wie sie ihm in den Kram passen. So berichtete die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" in ihrer Montagsausgabe, der Arbeitsmarkt stehe auf der Kippe.

Frau im Treppenhaus der Agentur für Arbeit: Arbeitsmarkt auf der Kippe
DPA

Frau im Treppenhaus der Agentur für Arbeit: Arbeitsmarkt auf der Kippe

Demnach planen deutsche Großunternehmen künftig mehr Entlassungen als Neueinstellungen. Im ersten Quartal hätten diese angekündigt, knapp 40.000 Stellen streichen zu wollen, während dem nur die geplante Schaffung 23.000 neuer Stellen gegenüberstehe. Sie hat hierzu alle öffentlich angekündigten Personalstandsveränderungen von mehr als 100 Stellen in der Wirtschaft einbezogen. Diese Übersicht sei ein Frühindikator und zeige, dass der Arbeitsmarkt auf der Kippe stehe.

Zum letzten Mal überwogen laut der Zeitung auf dieser Basis die geplanten Arbeitsplatzstreichungen die Neueinrichtungen von Arbeitsplätzen im vierten Quartal 2005. Seit dem ersten Quartal 2006 habe die Zahl der geplanten neuen Stellen immer höher als die der Stellenstreichungen gelegen.

Überraschend sei vor allem, wie deutlich die Zahl der geplanten Stellenstreichungen die der neuen Stellen überragt, schrieb das Blatt. Seit Januar seien fast doppelt so viele Streichungen angekündigt worden wie Neustellen.

Für Glos ist Vollbeschäftigung bis 2010 möglich

Unterdessen sagte Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) der "Bild am Sonntag": "Deutschland ist auf dem besten Weg zur Vollbeschäftigung." Derzeit entstünden jeden Tag 1400 neue Arbeitsplätze. Wenn die Weichen richtig gestellt würden, "ist nach meiner Meinung Vollbeschäftigung im nächsten Jahrzehnt zu erreichen".

Ähnlich optimistisch wie Glos äußerte sich Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt. Die Reformen der Agenda 2010 hätten maßgeblich dazu beigetragen, dass in den vergangenen beiden Jahren mehr als eine Million neue Arbeitsplätze entstanden seien. "Wir sind damit der Vollbeschäftigung ein beträchtliches Stück nähergekommen." Beide bekräftigten ihre Absage an Mindestlöhne, in denen sie eine Gefahr für Vollbeschäftigung sehen.

cjp/ddp/Reuters

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