Entschädigung abgeschlossen Versicherungen zahlen Millionen an Holocaust-Opfer

Rund 60 Jahre nach dem Ende der Nazi-Herrschaft in Deutschland hat die Versicherungswirtschaft gut 300 Millionen Dollar an Opfer des Holocaust und ihre Erben gezahlt. Das Geld ging an Menschen oder ihre Nachfahren, deren Policen während des Nationalsozialismus entzogen wurden und die bisher noch nichts erstattet bekommen hatten


Washington - Nach der Auszahlung von umgerechnet rund 226 Millionen Euro an knapp 50.000 Empfänger sind die Entschädigungsverfahren für Versicherungspolicen von Holocaust-Opfern für abgeschlossen erklärt worden. "Keine
Zahlung kann die Leiden durch den Holocaust ungeschehen machen", erklärte der Präsident der Internationalen Kommission für Versicherungsansprüche aus der Holocaust-Zeit (ICHEIC), der frühere US-Außenminister Lawrence Eagleburger, bei der Abschlussitzung des Gremiums heute in Washington. Dennoch sei durch die Entschädigungen "all jenen ein kleines Maß an Gerechtigkeit zuteil geworden, denen diese so lange verwehrt worden war".

Die Kommission habe alle Ansprüche entschieden und könne nach neun Jahren Tätigkeit ihre Türen schließen, erklärte Eagleburger. Die ICHEIC war 1998 gegründet worden, um Versicherungsansprüche aus der Holocaust-Ära für Antragsteller kostenfrei zu ermitteln, zu bearbeiten und auszuzahlen.

Für die Entschädigungsverfahren in Deutschland war der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) zuständig. "Wir gehen davon aus, dass durch dieses Verfahren alle eventuell noch unreguliert gebliebenen Versicherungsansprüche von Opfern des Holocaust und deren Erben entschädigt werden konnten", sagte GDV-Hauptgeschäftsführer Frank von Fürstenwerth in Berlin.

Nach Angaben des Verbands wurden mehr als 11.000 Versicherungen entschädigt, die im damaligen Deutschen Reich abgeschlossen worden waren. Dafür seien 102 Millionen Dollar (77 Millionen Euro) an gut 8600 Empfänger ausgezahlt worden.

Kritiker bemängelten, dass die Entschädigungen viel zu spät kommen. "Die Überlebenden haben zu lange warten müssen, bis sich die Versicherungskonzerne des Diebstahls tausender Policen annahmen", erklärte der Vorsitzende der Amerikanischen Vereinigung der Holocaust-Überlebenden, Roman Kent, der auch Mitglied der ICHEIC ist.

kai/AFP/Reuters



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