Fed US-Notenbank erhöht zum ersten Mal seit 2018 den Leitzins

Die US-Notenbank Fed hat erstmals ihren Leitzins wieder erhöht. Der wichtige Zinssatz für die weltgrößte Volkswirtschaft steigt um 0,25 Prozentpunkte.
Fed-Chef Jerome Powell: Erstmals seit 2018 Zinsen über der Nulllinie

Fed-Chef Jerome Powell: Erstmals seit 2018 Zinsen über der Nulllinie

Foto: POOL / REUTERS

Zum ersten Mal seit 2018 hat die US-Notenbank den Leitzins über den Wert von null angehoben. Er steigt um 0,25 Prozent und liegt damit nun in der Spanne von 0,25 bis 0,5 Prozent, wie die Zentralbank am Mittwoch mitteilte. Der Schritt kam fast auf den Tag genau zwei Jahre, nachdem sie den Leitzins nach dem Coronaschock an die Nulllinie gedrückt hatte.

Einer neuen Prognose der Notenbank zufolge ist in diesem Jahr noch mit mehreren Zinserhöhungen zu rechnen. Im Dezember waren die Entscheider der Fed im Durchschnitt noch davon ausgegangen, dass der Leitzins im Laufe des Jahres auf 0,9 Prozent steige – nun gehen sie von 1,9 Prozent in diesem Jahr und sogar 2,8 Prozent im kommenden Jahr aus. Auch soll die durch Corona-Notprogramme angeschwollene Fed-Bilanz bald reduziert werden, was dem Finanzmarkt Liquidität entziehen würde.

Die Kehrtwende der Geldpolitik der Fed war wegen der seit Monaten anhaltend sehr hohen Inflationsrate erwartet worden. Die Verbraucherpreise waren zuletzt mit 7,9 Prozent  so kräftig gestiegen wie seit 40 Jahren nicht mehr. Die Folgen des Krieges in der Ukraine dürften für weiteren Auftrieb sorgen. Wie aus der parallel zur Zinsentscheidung veröffentlichten Prognose der US-Notenbank für die weitere konjunkturelle Entwicklung hervorgeht, wird Ende 2022 mit einer Inflationsrate von 4,3 Prozent gerechnet. Die ist immer noch doppelt so hoch wie das von der Fed anvisierte Inflationsziel von zwei Prozent.

Zudem erwartet die Notenbank in diesem Jahr ein deutlich geringeres Wirtschaftswachstum als noch vor drei Monaten angenommen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der weltgrößten Volkswirtschaft soll demnach um 2,8 Prozent wachsen, wie neue Daten zeigen. Das wären 1,2 Prozentpunkte weniger als noch im Dezember prognostiziert. Im Vorjahr war die Wirtschaft im Zuge der Erholung von der Coronakrise noch um starke 5,7 Prozent gewachsen.

Entscheidung laut Powell unabhängig vom Ukrainekrieg

Fed-Chef Jerome Powell hatte bereits im Januar eine Zinserhöhung im März angedeutet. Zu Monatsbeginn machte er darüber hinaus vor dem US-Kongress deutlich, dass der Ukrainekrieg keine wesentliche Änderung im geldpolitischen Kurs nach sich ziehen werde.

Erhöhungen des Leitzinses bremsen die Nachfrage. Das hilft dabei, die Inflationsrate zu senken, schwächt aber auch das Wirtschaftswachstum. Für die Notenbank ist es daher ein Balanceakt: Sie will die Zinsen so stark anheben, dass die Inflation ausgebremst wird – ohne dabei gleichzeitig die Konjunktur abzuwürgen.

sol/dpa/Reuters
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