Entschuldung US-Regierung bereitet schnelle GM-Insolvenz vor

Barack Obamas Experten planen für GM eine Radikalsanierung - der Autoriese soll in die geordnete Insolvenz. Mit einem neuen Angebot will die US-Regierung die renitenten Gläubiger auf ihre Seite bringen. Wenn alles klappt, kann der Konzern mit verringerter Schuldenlast in die Zahlungsunfähigkeit gehen.

Von , New York


New York - Der angeschlagene US-Autobauer General Motors (GM) unternimmt einen weiteren Schritt in Richtung Insolvenzverfahren: Der Hersteller einigte sich mit einer großen Gruppe Gläubiger auf deren Anteil an einem neuen, sanierten Konzern - unter der ausdrücklichen Bedingung, dass die Gläubiger einer geordneten Insolvenz nicht im Wege stünden.

Wagen der GM-Marke Chevrolet: Neues Angebot an die Gläubiger
REUTERS

Wagen der GM-Marke Chevrolet: Neues Angebot an die Gläubiger

GM bot den Geldgebern - einer weit verzweigten Koalition aus Tausenden Fonds, Finanzinstitutionen und Kleinanlegern - zehn Prozent an einem "neuen GM" an. Dieser Anteil könne später auf bis zu 25 Prozent ausgeweitet werden, schreibt das Unternehmen in einer Eingabe bei der Börsenaufsicht SEC. Die US-Regierung sei bereit, diese neue Offerte zu finanzieren.

Eine große Gläubigergruppe, die rund 20 Prozent der Investoren repräsentiere, akzeptierte das Angebot bereits. Es sei unter den Umständen die "beste Alternative", erklärte die von zwei Kanzleien vertretene Gemeinschaft. Den anderen Gläubigern setzte GM ein Ultimatum: Bis spätestens Samstagnachmittag (17 Uhr US-Ostküstenzeit) müssten sie zustimmen.

Zuvor hatte GM den Gläubigern höchstens zehn Prozent an einem außergerichtlich sanierten Konzern angeboten, im Gegenzug für rund 27 Milliarden Dollar, die es ihnen schuldet. Diese Offerte, die die Investoren ablehnten, galt als letzte Chance zur Vermeidung eines aufwendigen Insolvenzverfahrens.

Das neue Angebot sieht ein gerichtliches Insolvenzverfahren nach "Chapter 11" nun als unvermeidbar, bündelt dessen Konditionen jedoch schon vorab als Paket und gibt den Gläubigern die Möglichkeit, sich daran zu beteiligen. Andernfalls, heißt es in dem SEC-Antrag, könnten ihre Ansprüche "substanziell reduziert oder eliminiert" werden.

Die Regierung will auf diesem Weg offenbar eine Rettung in der Insolvenz möglichst weitgehend vorbereiten, damit der Konzern das Verfahren schlanker aufgestellt als "Neues GM" rasch wieder verlassen kann. Dem SEC-Papier zufolge würde das "alte GM" seine "guten" Vermögenswerte - profitable Werke, Modelle, Händler - unter gerichtlicher Obhut an ein "neues GM" verkaufen.

Dessen vom US-Finanzministerium abgesegnete, anfängliche Besitzstruktur würde sich unter dem Finanzministerium dem Fonds der US-Autogewerkschaft UAW und den Gläubiger aufteilen (siehe Tabelle). Die Kreditgeber hätten in dieser Konstellation später die Option, ihren Anteil durch Zukäufe um bis zu 15 Prozent aufzustocken.

Besitzverhältnisse im "Neuen GM" (geplant)

US-Finanzministerium 72,5 Prozent
GM-Arbeitnehmer 17,5 Prozent
Gläubiger 10 Prozent
Die Angaben präzisieren auch den Einsatz der Regierung im Zuge des Insolvenzverfahrens. Demnach ist das US-Finanzministerium bereit, für die Sanierung weitere mehr als 50 Milliarden Dollar bereitzustellen. Am Ende der Umstrukturierung stünde ein schlankeres GM mit rund 17 Milliarden Dollar Schulden.

Der GM-Kurs zog an der New Yorker Börse nach der Bekanntgabe der Einigung an. Zeitweise lag die Aktie mit mehr als 17 Prozent im Plus.

GM zieht Lohnzahlungen vor

Angesichts der drohenden Insolvenz hat GM die Zahlung von Löhnen und Rechnungen vorgezogen. Die rund 90.000 US-Beschäftigten bekamen ihr Geld in dieser Woche bereits drei Tage früher als sonst. Zudem sollten noch am Donnerstag die eigentlich erst nächste Woche fälligen Rechnungen der Zulieferer bezahlt werden, sagte ein GM-Sprecher am Konzernsitz in Detroit auf Anfrage.

Von einer Pleite des US-Autobauers wären nach einer Untersuchung gut eine Million Menschen weltweit betroffen. In Deutschland allein stünden im Umfeld von der Tochter Opel rund 150.000 Personen vor einer ungewissen Zukunft, geht aus einer am Donnerstag veröffentlichten Studie des Wirtschaftsinformationsdienstes D&B in Darmstadt hervor. Neben den rund 26.000 Opel-Beschäftigten seien vor allem Mitarbeiter bei Zulieferern betroffen. Durch eine Zahlungsunfähigkeit wären zudem fast eine Million GM-abhängige Amerikaner betroffen. GM ist der Studie zufolge weltweit in 51 Ländern mit insgesamt 1065 Tochtergesellschaften vertreten.

In Deutschland gehen die Bemühungen um eine Abtrennung der GM-Europa-Aktivitäten weiter: Dem angeschlagenen Autobauer droht ebenfalls die Insolvenz, falls vor der neuen Krisensitzung im Berliner Kanzleramt an diesem Freitag keine Grundsatzentscheidung in den USA für einen neuen Investor fällt. Die Verhandlungen wurden durch neue hohe Geldforderungen von GM und fehlende Sicherheiten für einen staatlichen Überbrückungskredit von Bund und Ländern in Höhe von 1,5 Milliarden Euro erheblich erschwert.

Die Bundesregierung sieht deshalb bisher keine rechtliche Möglichkeit, die Zwischenfinanzierung zu ermöglichen. Auch ein Verkauf an die Investoren, den Autobauer Fiat Chart zeigen und den Zuliefererkonzern Magna Chart zeigen, ist derzeit nicht möglich.

Mit Material von AFP, Reuters und dpa



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Seite 1
Benjamin1965 30.03.2009
1. Grosse Frage
Zitat von sysopFührungswechsel bei GM, großer Druck der US-Regierung, umstrittene Sanierungspläne - die Auto-Giganten von Detroit sind in ihrer schwersten Krise. Was muss passieren, damit sie überleben können?
Sollen sie ueberleben? Ist das im Interesse des deutschen Volkes? Ist das Interesse der Amerikaner? Eines ist absolut sicher: Obama (und jeder andere US President) werden US Interessen vor jegliche andere Interessen der Welt stellen. Leider kann man das von einer deutschen Regierung nicht behaupten.
Laotse, 30.03.2009
2. Verpuppung
Zitat von sysopFührungswechsel bei GM, großer Druck der US-Regierung, umstrittene Sanierungspläne - die Auto-Giganten von Detroit sind in ihrer schwersten Krise. Was muss passieren, damit sie überleben können?
Da müssen aus den fetten Raupen leichte Schmetterlinge werden und das wird nur im Kokon von US-Insolvenzverfahren möglich sein. Abwehr- oder Verzögerungsstrategien werden - so verständlich sie politisch und menschlich auch sind - nur zusätzliche verpulverte Kosten bedeuten. Dazu gehören auch die jetzt beschlossenen weiteren Nachfristen der US-Regierung.
Beutz 30.03.2009
3. Versager
Zitat von sysopFührungswechsel bei GM, großer Druck der US-Regierung, umstrittene Sanierungspläne - die Auto-Giganten von Detroit sind in ihrer schwersten Krise. Was muss passieren, damit sie überleben können?
Es passiert -im Gegensatz zu D- endlich das, was passieren muss. Liebe Grüße.
Tom_63, 30.03.2009
4. Neue Produkte
Zitat von sysopFührungswechsel bei GM, großer Druck der US-Regierung, umstrittene Sanierungspläne - die Auto-Giganten von Detroit sind in ihrer schwersten Krise. Was muss passieren, damit sie überleben können?
Hätten die Taugenichtse von Manager schon früher nach alternativen Antrieben gesucht wäre es nicht soweit gekommen. Bush war da sicher auch ein Bremser und als Präsident ein Versager. Bei den Deutschen Autobauern gilt das Gleiche. Wenn sie weiter so schlafen dann ist es auch um sie geschehen. Auf keinen Fall dürften die Autobauer durch staatliche Hilfe gestützt werden. Dies gilt auch für die Banken.
kleinrentner 30.03.2009
5. nur wer für den Markt sprich Nachfrage produziert
Zitat von LaotseDa müssen aus den fetten Raupen leichte Schmetterlinge werden und das wird nur im Kokon von US-Insolvenzverfahren möglich sein. Abwehr- oder Verzögerungsstrategien werden - so verständlich sie politisch und menschlich auch sind - nur zusätzliche verpulverte Kosten bedeuten. Dazu gehören auch die jetzt beschlossenen weiteren Nachfristen der US-Regierung.
hat es verdient gerettet zu werden. So gesehen ist eine Anpassung über ein geordnetes Insolvenzverfahren zu befürworten. Entspricht ja auch den Marktregeln!!! Für De sei noch zu sagen, dass ich es unerträglich finde, wie die asozialen Opelbetriebsräte, denen das Schicksal und vor allem die Arbeitsbedingungen ihrer Leih-und Zeitarbeiter jahrelang nicht im Geringsten interessierte, jetzt die deutsche Politik mitleidsheischend versuchen in eine Staatsbeteiligung zu quatschen. Schlage vor, die Herren Betriebsräte fahren nach Detroit und jammern da, bei ihrem Herrn und Brötchengeber. Opel ist schliesslich seit 80 Jahren kein deutsches Unternehmen mehr, und als Steuerzahler ein Totalverweigerer.
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