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Stahlindustrie Erbitterter Streit

aus DER SPIEGEL 24/1994

Bei den Dillinger Hüttenwerken, einer Schwester der landeseigenen Konkursfirma Saarstahl AG, ist ein erbitterter Streit um die Führung entbrannt. Schuld daran ist der saarländische Regierungschef Oskar Lafontaine. Der SPD-Politiker möchte bei der Firma (5300 Mitarbeiter, 1,3 Milliarden Mark Umsatz) gern einen alten Bekannten unterbringen, den niedersächsischen Finanzstaatssekretär Peter Neuber, 57. Deshalb einigte er sich mit dem französischen Hauptaktionär, dem Stahlkonzern Usinor-Sacilor, darauf, fast den gesamten Vorstand neu zu besetzen. Den Chef der Dillinger Hütte soll ein französischer Manager ablösen. Seinen Freund Neuber möchte Lafontaine zum Finanzchef machen. Bleiben darf nur Arbeitsdirektor Karlheinz Blessing. Der frühere SPD-Bundesgeschäftsführer war erst Anfang des Jahres zur Dillinger Hütte gewechselt. Doch die Anteilseigner unterschätzten den Widerstand der Arbeitnehmer. Am vergangenen Freitag vereitelten sie den Plan im Aufsichtsrat. Nun werden die alten Vorstandsverträge erst einmal bis zum Jahresende verlängert. Die Unsicherheit, wer die Dillinger Hütte danach führt, hat für das Unternehmen schlimme Folgen. Um nicht in den Strudel des Saarstahl-Konkurses zu geraten, verhandelt das Management mit Gläubigern zur Zeit über einen Vergleich. Viele Geldgeber dürften nun erst einmal abwarten, bis der Vorstand endgültig neu besetzt ist.

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