Erfolgreicher A380-Test Airbus-Bosse atmen auf

Nach der ersten Visite des A380 auf einem Großflughafen herrscht bei Airbus Erleichterung. Das weltgrößte Passagierflugzeug hat seine Airport-Tauglichkeit unter Beweis gestellt. Die Testpiloten waren nach eigenen Worten "fast enttäuscht, dass alles so gut lief".

Frankfurt am Main - Als die durchaus heiklen Abfertigungstests des Superjumbos Airbus A380 auf dem Frankfurter Flughafen bestanden waren, herrschte auf allen Seiten Erleichterung: Die Flughafengesellschaft Fraport   hatte die richtigen Brücken und Tank- und Bedienungsgeräte entwickelt und Airbus atmete auf, dass sich der Riesenvogel auf dem Luftdrehkreuz Frankfurt als ausreichend beweglich erwies. Nach einer Ehrenrunde über der Mainmetropole verschwand der A380 am Sonntag wieder in Richtung Toulouse.

Die Fluglotsen waren schuld, dass der A380 gestern nicht pünktlich, sondern sogar vier Minuten früher als geplant auf dem Frankfurter Flughafen aufgesetzt hatte. Bei Aschaffenburg habe man die Abkürzung angeboten bekommen, berichtet Kopilot Klaus-Dietrich Flade nach der Landung. Und auch sonst sei der eineinhalbstündige Flug vom südfranzösischen Toulouse trotz des Nebels in Frankfurt perfekt gewesen. "Wir waren ja schon fast enttäuscht, dass alles so gut lief", sagt der Testpilot auf dem Vorfeld.

Zum ersten Mal landete der Airbus A380 am Samstagmorgen gegen 09.00 Uhr auf einem der Drehkreuze, für die der neue Koloss der Lüfte entwickelt wurde. Doch es handelte sich nicht etwa um eine Präsentation, wie Airbus-Chef Gustav Humbert im Terminal 2 betonte, sondern um einen Arbeitsbesuch. Deshalb konnten die 10.000 Schaulustigen den A380 nur aus der Ferne von der ehemaligen Air Base aus beobachten.

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A380 in Frankfurt: Zehntausende bestaunen den Riesenvogel

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Auf dem Programm am Terminal stand der komplette Vorfeld-Service. Dazu gehören Ver- und Entsorgung, Be- und Entladung sowie Enteisung. Fluggesellschaften verdienen mit ihren Maschinen nur dann Geld, wenn sie in der Luft sind. Deshalb wird es immer wichtiger, dass die Arbeiten zwischen Landung und erneutem Start wie am Schnürchen verlaufen.

Weil der A380 so groß wie kein anderes Passagierflugzeug ist, müssen Flughäfen auf der ganzen Welt umbauen. In Frankfurt sollen über mehrere Jahre etwa 100 Millionen Euro für den Superjumbo investiert werden, unter anderem in neue Fluggastbrücken, mit denen Hunderte Passagiere schnell aussteigen können. Am Samstag wurde zum ersten Mal überhaupt eine derartige Brücke an die Riesenmaschine angedockt.

Fraport-Projektmanager René Steinhaus berichtete, dass bereits sechs Fluggesellschaften angekündigt haben, mit dem A380 nach Frankfurt am Main zu kommen. Darunter ist die Lufthansa, die 15 der Jets bestellte und ihn 2008 in Dienst stellen will sowie die asiatische Fluggesellschaft Singapore Airlines. An sie will Airbus im kommenden Jahr die ersten beiden Maschinen ausliefern. Bis dahin müssen Testpiloten und Ingenieure von Airbus noch unzählige Tests und Messungen durchführen. Laut Humbert verlief dabei in Frankfurt alles normal. "Wir sind sehr zufrieden mit den Flugtestergebnissen und liegen gut im Zeitplan."

Bis zu 853 Passagiere passen in den Airbus, in der typischen Dreiklassen-Ausstattung sind es immerhin noch 555. In der Boeing 747 sind es etwa 400. Der Flugzeughersteller aus Seattle geht davon aus, dass in Zukunft eher Direktverbindungen zwischen kleineren Flughäfen gefragt sind und baut deshalb auf die mittelgroße 787. Airbus dagegen setzt auf Drehkreuze wie Frankfurt, die mit dem A380 verbunden werden sollen. Bislang liegen 159 Bestellungen für das 290 Millionen Dollar teure Flugzeug vor.

Bis zum Linienbetrieb stehen dem A380 noch viele Tests auf den Großflughäfen dieser Welt bevor. So wird die Maschine mit der Seriennummer 1 am 7. November eine Tour unter anderem nach Singapur, Kuala Lumpur und Sydney beginnen. Weil das Flugzeug so groß ist, helfen sich die Piloten auch mit Kameras im Leitwerk und am Bugfahrwerk, um nirgends anzuecken.

Die Größe scheint aber kein ernstes Problem zu sein. Eher im Gegenteil, wie die Airbus-Experten berichten. Gerade sie mache das Fliegen für Passagiere und Crew noch komfortabler. Auch die Bedienung des A380 sei nicht schwieriger als bei kleineren Verkehrsflugzeugen, sagt Testpilot Flade, der früher Kampfjets flog und schon als Kosmonaut im Weltall war. Der Umstieg von einem kleinen Airbus auf den A380 sei wie der von einem Smart auf einen Audi A4. "Das ist auch nicht viel anders. Sie drücken nur ein bisschen mehr drauf."

Thomas Seythal, AP

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