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04. Dezember 2007, 15:08 Uhr

Erfolgreicher Arbeitskampf

Bahn bietet Lokführern eigenen Tarifvertrag an

Durchbruch nach wochenlangem Streit: Bahn und die Gewerkschaft der Lokführer haben sich auf die Eckpunkte eines Tarifvertrags geeinigt. Damit sind weitere Streiks vorerst ausgeschlossen.

Berlin - Gequältes Lächeln, aber zum Schluss doch noch ein Handschlag: Nach dem wochenlangen Tarifstreit haben sich Bahn-Chef Hartmut Mehdorn und der Chef der Lokführer-Gewerkschaft GDL auf die Eckpunkte eines Tarifvertrags verständigt. Man habe sich auf weitere Gespräche verständigt, teilten beide heute in Berlin mit. Die Detailverhandlungen über Arbeitszeit und Entgelt sollen bis Ende Januar ausgehandelt werden, sagte Schell und sprach von einem "soliden Fundament".

GDL-Chef Schell (links) und Bahn-Chef Mehdorn: Durchbruch nach 15 Stunden Verhandlungen
DDP

GDL-Chef Schell (links) und Bahn-Chef Mehdorn: Durchbruch nach 15 Stunden Verhandlungen

Man sei bei den Gesprächen ein gehöriges Stück weitergekommen, so Schell weiter. Die Themen Entgelt und Arbeitszeit würden jetzt bis Ende Januar "eigenständig" ausgehandelt. Die Gespräche würden schon in den nächsten zehn Tagen beginnen. So lange positiv verhandelt werde, seien keine Arbeitskämpfe zu befürchten, sagte Schell. "Solange wir verhandeln, streiken wir nicht", sagte der GDL-Chef. "Das ist die frohe Botschaft an Deutschland."

Bahn und GDL hatten rund 15 Stunden lang verhandelt. Bei den Gesprächen, die am gestern Nachmittag begonnen hatten und nach Mitternacht für rund acht Stunden unterbrochen worden waren, war der eigenständige Tarifvertrag zentraler Streitpunkt. Die Bahn habe sich auf die GDL zubewegt. "Wir sind da stehen geblieben, wo wir waren", sagte Schell vor laufenden Kameras. Bahn-Chef Mehdorn kommentierte lediglich, die Bahn sei den Lokführern bei der jetzigen Einigung weit entgegengekommen. "Die GDL kann damit leben und wir auch."

Mehdorn betonte auf Nachfrage auch, dass von Seiten der Politik kein Druck gekommen sei. "Weder auf Herrn Schell noch auf mich ist Druck ausgeübt worden", sagte er. Nach den wochenlangen Tarifstreitereien und den teils mehrtägigen Streiks der Lokführer hatte es vor allem von Seiten der Wirtschaft immer wieder die Forderung gegeben, die Politik solle in den Konflikt eingreifen.

Einzeltarifverträge unter gemeinsamen Dach

Im Kern haben sich Bahn und GDL darauf geeinigt, ein neues Tarifwerk zu schaffen, das allen Gewerkschaften die Möglichkeit gebe, sich einzubringen. Unter dem Dach eines Manteltarifes werde es spezifische Einzeltarifverträge geben, die die Eigenheiten der jeweiligen Berufsgruppen berücksichtige. Darin solle es um spezifische Lohn- und Arbeitszeitregelungen für Lokführer gehen.

Im wochenlangen Streit zwischen Bahn und Lokführern war eben jener eigenständige Tarifvertrag einer der Hauptstreitpunkte gewesen. Außerdem hatten die Lokführer Entgelterhöhungen von bis zu 31 Prozent gefordert.

Zudem vereinbarten die Tarifpartner eine Einmalzahlung für GDL-Mitglieder in Höhe von 800 Euro noch im Dezember. Damit sollen diese einen Ausgleich dafür erhalten, dass sie bislang noch nicht von den Tariferhöhungen der anderen Gewerkschaften profitiert haben.

sam/AFP/AP/dpa-AFX

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