Ermittlungen gegen Billigflieger EasyJet im Visier der französischen Justiz

Ermittler der französischen Justizbehörden haben dem britischen Billigflieger EasyJet auf dem Pariser Flughafen Orly einen Überraschungsbesuch abgestattet. Ihr Verdacht: Verstoß gegen französisches Arbeitsrecht und Sozialdumping. Die Briten betonen, sich an das europäische Recht zu halten.


Paris - Die französische Justiz ermittelt gegen EasyJet wegen des Verdachts auf Verletzung des einheimischen Arbeitsrechts. Heute wurde nach Angaben aus Justizkreisen in Paris ein offizielles Ermittlungsverfahren eröffnet. Arbeitsinspektoren, Mitarbeiter von Sozialbehörden, Steuerfahnder und Polizisten hatten gestern auf dem Pariser Flughafen Orly das britische Unternehmen unangemeldet kontrolliert. Die Behörden wollen klären, ob EasyJet bei der Beschäftigung von Mitarbeitern in Paris französisches Recht umgeht. Gemäß einem französischen Dekret vom vergangenen Monat unterliegen Billigfluglinien mit Stützpunkten in Frankreich französischem Recht.

Ein EasyJet-Sprecher sagte, das Unternehmen richte sich nach dem europäischen Arbeitsrecht. Für Mitarbeiter, die von Großbritannien nach Frankreich entsandt werden, gilt britisches Recht. Werden sie jedoch in Frankreich fest angestellt, ist französisches Recht zuständig. "In diesem Fall müssen die Angestellten das Recht auf einen Betriebsrat, gewerkschaftliche Vertretung und Sozialabgaben haben", sagte der Vizestaatsanwalt von Créteil bei Paris, Bernard Thouvenot, der Zeitung "Le Parisien". Das sei bei EasyJet nicht der Fall. EasyJet hat etwa 170 Mitarbeiter in Paris-Orly.

kai/dpa/AFP



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