Ermittlungen gegen Vivendi Das schwere Erbe des Jean-Marie Messier

Die französische Justiz interessiert sich für das Zahlenwerk des Mischkonzerns Vivendi Universal. Die Staatsanwaltschaft in Paris leitete ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf Bilanzfälschung ein.


Jean-Marie Messier: Herr der Welt der schiefen Zahlen
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Jean-Marie Messier: Herr der Welt der schiefen Zahlen

Paris - Hintergrund ist eine Anzeige von Kleinaktionären, die den im Juli zurückgetretenen Vivendi-Chef Jean-Marie Messier ins Visier genommen haben. Die Aktie von Vivendi Universal Chart zeigen hatte unter Messier 70 Prozent ihres Werts verloren. Den Konzern, den Messier mit Milliardenaufkäufen vom Versorgungskonzern zum weltweit zweitgrößten Unternehmen der Medienbranche umkrempelte, drücken Schulden von etwa 19 Milliarden Euro.

Schon seit einigen Monaten wird in der Wirtschaftspresse immer wieder angezweifelt, dass bei Vivendi buchhalterisch alles mit rechten Dingen zugegangen ist. Klar scheint, dass der ehemalige Investmentbanker Messier, der sich gerne mit dem Kürzel "J6M" (für Moi Même, Jean Marie Messier, Maître du Monde) schmückte, aggressiv bilanzierte. So enthält Vivendis Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) beispielsweise den gesamten Gewinn von Frankreichs zweitgrößtem Mobilfunker SFR - obwohl der Mischkonzern über das Telekommunikationsunternehmen Cegetel lediglich 35 Prozent an SFR hält.

Noch keine Anklage gegen Messier

Die Justiz ermittelt derzeit noch gegen Unbekannt. Ein Untersuchungsrichter will prüfen, ob das Unternehmen falsche Bilanzen für die Geschäftsjahre 2000 und 2001 sowie falsche oder täuschende Informationen über die Aussichten für 2001 und 2002 veröffentlicht hat. Dazu könnten möglicherweise die damaligen Vorstandsmitglieder vorgeladen werden.

Vivendi Universal wollte sich am Dienstag nicht zu dem Vorgang äußern. Der neue Konzernchef Jean-Rene Fourtou hat nach seinem Amtsantritt den Kurs geändert und den Verkauf von Beteiligungen in Höhe von zwölf Milliarden Euro binnen anderthalb Jahren angekündigt. So soll etwa die Verlagssparte an den französischen Lagardère-Konzern gehen.

Während noch unklar ist, ob Messier in dem Bilanzverfahren ohne eine persönliche Anklage davonkommen wird, kann der selbst ernannte Herr der Welt in einem anderen Fall zunächst aufatmen. Eine weitere Klage gegen Messier wegen seines hohen Gehalts und seines angeblich 17,5 Millionen Dollar teuren, firmenfinanzierten New Yorker Appartements wies die Pariser Staatsanwaltschaft wegen Mangels an Beweisen ab.



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