Ersehnter Rücktritt Lydia Schrempp verlässt Daimler

Das "Hexle" hört auf: Nach langem Streit lässt Lydia Schrempp bei Daimler den Griffel fallen. Die Gemahlin des früheren Konzernchefs Jürgen Schrempp verdiente im Unternehmen geschätzte 200.000 Euro pro Jahr - und vergrätzte damit Aktionäre wie Aufsichtsräte.

Stuttgart - Lange schon versucht Daimler   sie los zu werden, jetzt verlässt Lydia Schrempp den Autokonzern tatsächlich - aus "persönlichen Gründen", wie das Unternehmen mitteilt. Ihren letzten Tag hat die Frau des früheren Daimler-Chefs Jürgen Schrempp am 31. März. "Die Daimler AG dankt Lydia Schrempp für ihren langjährigen, engagierten und professionellen Einsatz", heißt es höflich in der Erklärung. Hinter vorgehaltener Hand wird Schrempp indes schon länger das "Hexle" genannt.

Lydia Schrempp arbeitete seit 1989 im Unternehmen. Sie begann ihre Laufbahn bei der Dornier Luftfahrt GmbH. Nach Gründung der Dasa war sie von 1990 bis 1995 im Marketingbereich und im Ressort des Vorstandsvorsitzenden tätig. Ab 1995 übernahm sie die Büroleitung des Daimler-Benz-Chefs, später leitete sie das Büro des DaimlerChrysler-Chefs - dabei lernte sie auch ihren späteren Mann kennen.

Lydia Schrempps Kündigung ging ein unschöner Schlagabtausch voraus: Daimler-Kontrolleure sollen den aktuellen Chef, Dieter Zetsche, mehrfach aufgefordert haben, Schrempp möglichst schnell von der Gehaltsliste zu streichen. Aufsichtsratschef Manfred Bischoff soll ihr mehrere Angebote gemacht haben, die Arbeit niederzulegen. Unter anderem soll er ihr angeboten haben, für das Unternehmen nach Südafrika zu wechseln, was Schrempp offenbar ablehnte.

Daimler hatte Jürgen Schrempp nach dessen Ausscheiden nicht nur ein Büro und eine Sekretärin in der Münchner Niederlassung garantiert, sondern auch noch, dass seine Frau Lydia ihm als Büroleiterin dient und dafür geschätzte 200.000 Euro im Jahr erhält.

Ein Unternehmenssprecher sagte, Lydia Schrempps Stelle falle künftig weg. Die Abfindung sei zu Konditionen wie in anderen Fällen des von Zetsche eingeführten Neuen Management Modells verhandelt worden. Der neue Konzernchef hatte in Management und Verwaltung des Konzerns Tausende Stellen gestrichen, wobei die meisten Betroffenen eine vorher festgelegte Abfindung erhielten.

Nötig hätte Frau Schrempp die Abfindung ohnehin kaum. Ihr Gatte Jürgen verfügt noch über Aktienoptionen, deren Wert auf über 50 Millionen Euro geschätzt wird.

ssu/AP/dpa

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.