Erste Wahlergebnisse Große Mehrheit für Erweiterung des Panama-Kanals

Bei der Abstimmung über den Ausbau des Panama-Kanals zeichnet sich eine große Mehrheit für die Erweiterung einer der größten Wasserstraßen der Welt ab. Kritiker allerdings befürchten Umweltschäden und hohe Kosten.


Panama-Stadt - Eine überwältige Mehrheit habe das Projekt befürwortet, teilte die Wahlkommission in Panama unter Berufung auf vorläufige Ergebnisse mit. Zur Abstimmung waren zwei Millionen Menschen aufgerufen. Das Großprojekt der Kanalbehörde, das gigantischen Containerschiffen die Durchfahrt zwischen Pazifik und Atlantik ermöglichen soll, wird nach Angaben von Präsident Martín Torrijos 5,25 Milliarden Dollar kosten. Mit dem größeren Kanal soll Panama konkurrenzfähig bleiben, außerdem spricht die Regierung von bis zu 42.000 neuen Jobs. Umfragen vor der Wahl sahen die Ja-Sager mit bis zu 70 Prozent Zustimmung in der Mehrheit.

Torrijos sprach bei seiner Stimmabgabe von einem "großen Tag", an dem die Panamaer darüber hätten entscheiden können, "wie wir das Land für uns, unsere Kinder und Enkel gestalten wollen". Das Erweiterungsprojekt sieht vor, parallel zu den bereits existierenden zwei Fahrrinnen eine dritte zu bauen - mit neuen, größeren Schleusen. Ziel des Ausbaus ist vor allem, den Kanal für die neue Generation großer Containerschiffe befahrbar zu machen. 10.000 Container können diese transportieren - bisher sind es 4000. Zurzeit nehmen rund 14.000 Schiffe pro Jahr die Abkürzung vom Pazifik zum Atlantik - was drei bis vier Prozent des Welthandels ausmacht.

Ohne Ausbau würde der Kanal seine Kapazitätsgrenzen nach Angaben der Betreiber im Jahr 2012 erreichen. Panama müsse sich dem Wettbewerb stellen, argumentierte Torrijos, andernfalls werde der Kanal zugunsten anderer Routen an Bedeutung verlieren.

Wirtschaftlich ist der Kanal für Panama von großer Bedeutung: 80 Prozent des Bruttoinlandsprodukts hängen von ihm ab. Die Kanalbehörde gilt als Staat im Staat; sie hat fast 9000 Angestellte. Der Ausbau würde nach Angaben der Regierung direkt 7000 neue Arbeitsplätze schaffen - und indirekt bis zu 35.000 weitere. Torrijos kann auf breite Unterstützung bauen: Die Privatwirtschaft unterstützt den Ausbau genauso wie die Kirchen und sogar die Mehrheit der Oppositionsparteien.

"Das Projekt wird nur der Oligarchie nutzen"

Kritiker der Kanalerweiterung befürchten Umweltschäden und glauben nicht an die niedrigen Kosten, die die Regierung veranschlagt. Der Ausbau wird nach Angaben der Gegner des Projekts acht Milliarden US-Dollar kosten. Daher, sagen sie, solle die Regierung das Geld lieber in die Bekämpfung der Armut stecken, von der 40 Prozent der Panamaer betroffen sind.

"Das Projekt wird nur Panamas Oligarchie nutzen, die Hunderte Millionen Dollar an Schmiergeldern kassieren wird", kritisiert Miguel Bernal, Rechtsprofessor an der Universität von Panama. Außerdem beklagt er, die Gegner des Projekts hätten zu wenig Geld für die Nein-Kampagne, während die Regierung "verschwenderisch" gewesen sei.

Der Panama-Kanal wurde zwischen 1904 und 1914 von den Vereinigten Staaten gebaut und war bis 1999 in deren Besitz. Frankreich war zuvor mit einem ähnlichen Plan gescheitert. Der Kanal ist etwa 80 Kilometer lang. Schiffe müssen seit seiner Eröffnung nicht mehr das Kap Hoorn an der Südspitze Südamerikas umfahren; dies spart drei bis vier Tage Fahrtzeit.

reh/ffr/AFP



© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.