Frühindikator für Inflation Erzeugerpreise im September erneut um 45,8 Prozent gestiegen

Die Erzeugerpreise gelten als Frühindikator für die Entwicklung der Inflation. Schon im August hatte ihr starker Anstieg die Experten überrascht. Die Septemberzahlen sind nicht besser.
Mähdrescher auf Getreidefeld: Höchster Anstieg bei Erzeugerpreisen seit 1949

Mähdrescher auf Getreidefeld: Höchster Anstieg bei Erzeugerpreisen seit 1949

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DPA

Die deutschen Hersteller haben im September ihre Preise erneut in Rekordtempo angehoben. Die Erzeugerpreise legten wegen teurer Energie wie schon im August um durchschnittlich 45,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat zu, wie das Statistische Bundesamt mitteilte . »Somit wurden im August und September 2022 die höchsten Anstiege der Erzeugerpreise gegenüber einem Vorjahresmonat seit Beginn der Erhebung im Jahr 1949 gemessen«, hieß es.

Die Produzentenpreise gelten als Vorläufer für die Entwicklung der allgemeinen Inflation. In der Statistik werden die Preise ab Fabriktor geführt – noch bevor die Produkte weiterverarbeitet werden oder in den Handel kommen. Im September lagen die Verbraucherpreise 10,0 Prozent höher als ein Jahr zuvor.

Hauptverantwortlich für die starke Teuerung auf Erzeugerebene ist Energie, die seit Beginn des russischen Einmarschs in die Ukraine am 24. Februar erheblich mehr kostet. Hier lagen die Erzeugerpreise um 132,2 Prozent höher als im September 2021. Die Industrie etwa musste mehr als dreieinhalb Mal so viel für Erdgas bezahlen wie im Vorjahresmonat. Zudem stiegen – teilweise infolge der enormen teuren Energie – auch die Preise für Vorleistungsgüter (plus 16,8 Prozent), Investitionsgüter (plus 7,8) sowie Gebrauchs- und Verbrauchsgüter (10,9 und 18,3) deutlich.

Butter 72,2 Prozent teurer

Nahrungsmittel waren fast ein Viertel teurer als im Vorjahresmonat. Besonders stark stiegen die Preise für Butter (plus 72,2 Prozent), Schweinefleisch (plus 46,3), Käse und Quark (plus 39,7) sowie Milch (plus 37,5). Kaffee war 32,0 Prozent teurer.

»Der Anstieg der Erzeugerpreise bleibt extrem«, sagte LBBW-Ökonom Jens-Oliver Niklasch. Und das, obwohl sie mit 2,3 Prozent deutlich langsamer zulegten als im August mit 7,9 Prozent. Neben Energie kosteten auch Ge- und Verbrauchsgüter deutlich mehr. »Davon wird bei den privaten Haushalten in den kommenden Monaten ein erheblicher Teil erst noch ankommen«, sagte Niklasch. »Die Inflation ist hoch im Jahre 2022, sie wird auch 2023 hoch bleiben.«

sol/Reuters
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