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SPIEGEL Gespräch »Es wird noch viele Tote geben«

Radio-Luxemburg-Präsident Gaston Thorn über das Kommerz-Fernsehen in Deutschland und der EG *
aus DER SPIEGEL 34/1987

SPIEGEL: Monsieur Thorn, die öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten verlieren ihr Monopol; in den Ländern der Europäischen Gemeinschaft rüsten Medienkonzerne via Satellit und Kabel zum Kampf um Zuschauer und Werbeeinnahmen. Stehen uns jetzt private Fernsehunternehmen ins Haus, die amerikanischen TV-Giganten wie NBC oder CBS vergleichbar sein werden?

THORN: Zumindest was die Bedeutung des Fernsehens für Europa angeht, stimmt der Vergleich mit den USA. Wir müssen in den nächsten Jahren eine europäische Multination aufbauen - das gilt politisch ebenso wie für die Fernsehmedien.

SPIEGEL: Bisher haben Politik und Technik Ihnen außer schönen Verheißungen wenig Hilfe geboten. Durch die Pannen bei der Verkabelung in der Bundesrepublik etwa wird der Markt viel langsamer geöffnet, als Ihnen Bonns Postminister Schwarz-Schilling versprochen hatte. Und der direkt in die Haushalte abstrahlende Satellit geht frühestens gegen Jahresende in den Orbit.

THORN: Das stimmt, es ging viel langsamer. Das ist oft so im Leben, aber dann kann es auf einmal ganz schnell gehen. Wir kennen solche Verspätungen ja auch von der Ariane-Rakete, die den deutschen TV-Sat transportieren wird. Im Moment weiß man immer noch nicht genau, wann Ariane hoch geht und wie die Satelliten funktionieren.

SPIEGEL: Dem deutschen TV-Sat soll bald der französische TDF folgen, der auch in Deutschland empfangen werden kann. Hinzu kommen freie Sendefrequenzen auf vielen deutschen Fernsehtürmen, die ebenfalls direkt in die Hausantennen strahlen. Wie lange wird es denn noch dauern, bis sich das deutsche Privatfernsehen für Sie lohnt?

THORN: Wenn alle Zweifel an den vieldiskutierten freien Sendefrequenzen ausgeräumt sind und wenn es mit dem Satelliten klappt, könnte so um 1990 der »break even point« erreicht sein.

SPIEGEL: Was machen Sie denn, wenn Sie vom Satelliten aus über alle Grenzen hinweg senden, und unten geht''s mit der nationalen Parzellierung trotzdem munter weiter, weil die Zuschauer über ihren Sprach- und Kulturkreis gar nicht hinauswollen?

THORN: Das ist eine Frage, deren Antwort ich nicht kenne. Ich muß gestehen, es hat mich frappiert, von meinen englischen Kollegen bei Sky Channel und anderen Satellitenprogrammen zu hören, wie wenig Leute in anderen Ländern englische Sendungen sehen. Die Sprache ist offenbar eine hohe Barriere.

SPIEGEL: Daran könnten Ihre europäischen Medienträume scheitern.

THORN: Ich bin sicher, daß wir noch viele Überraschungen erleben werden technisch ebenso wie thematisch. Die Sender werden sich über die Ländergrenzen hinweg spezialisieren: Ein Sender konzentriert sich auf den Sport, der andere auf Nachrichten. Gerade dort, beim Spartenfernsehen, kann eine simultane Übersetzungstechnik einsetzen, die dasselbe Bildprogramm auf getrennten Tonkanälen in verschiedenen Sprachen begleitet.

SPIEGEL: Das haben wir schon jetzt bei ARD und ZDF, wo via Stereo-Ton ausländische Filme gleichzeitig in deutscher Sprache und im Originalton ausgestrahlt werden.

THORN: Das läßt sich ausbauen. Dann sieht die Medienwelt plötzlich wieder ganz anders aus: großräumig, internationaler.

SPIEGEL: Die Internationale der seichten Medien blinzelt den deutschen _(Mit Redakteuren Werner Dähnhardt und ) _(Hartmut Volz in der CLT-Zentrale in ) _(Luxemburg. )

Zuschauer schon jetzt an. Ein beliebiger Tag bei RTL plus geht laut Programmankündigung so: »Gewinn zu Beginn«, »Die verrückten Abenteuer des Robin Hood«, »Die Schamlosen«, das »RTL-Spiel« und immer so weiter. Alte Filme und Serien und alberne Spielchen. Nichts, was sich besonders abhebt oder gar kulturell erwähnenswert wäre.

THORN: Zugegeben, das ist nicht die Lösung von morgen. Aber was haben wir denn im Moment? Unsere finanziellen Mittel sind begrenzt, wir haben nur beschränkt Zuschauer.

SPIEGEL: Hilft Ihnen denn bei der Programmverbreitung das Image, das Sie durch den Hörfunk von Radio Luxemburg haben?

THORN: Ich denke schon. Jeder versucht ein bißchen anders zu sein als der andere. Es ist ja kein Geheimnis, daß wir nicht gerade die ARD und das ZDF kopieren wollen.

SPIEGEL: Das kann Ihnen wirklich niemand vorwerfen.

THORN: Nein, nein - ich meine, wir könnten es gar nicht. Ich denke, daß der Zuschauer gut bedient ist bei ARD und ZDF. Die privaten Anbieter haben eine andere Aufgabe. Wir leben von der Werbung und müssen daher ein stärker unterhaltungsorientiertes Programm machen. Wir müssen also solche Zuschauerwünsche viel mehr berücksichtigen als gebührenfinanzierte Anstalten. Doch wir hoffen, daß wir unsere Zuschauerzahlen in den nächsten zwölf Monaten verdreifachen können.

SPIEGEL: Mit dem Programm?

THORN: Wenn wir erst die technischen Möglichkeiten haben, uns an Millionen und aber Millionen Zuschauer zu wenden, müssen wir auch ein qualitativ vielseitiges Programm anbieten - und das werden wir.

SPIEGEL: Es gibt in der Bundesrepublik einen weiteren Vorbehalt gegen das Privatfernsehen: das Stigma der Parteipolitik. Jeder weiß, daß die Unionsparteien die neuen Sender wollten, weil sie sich bei ARD und ZDF zu kurz gekommen wähnten. Was dürfen CDU und CSU denn von RTL plus erwarten?

THORN: Ich habe sie nicht danach gefragt, vielleicht sollten Sie das mal tun. Ich war selbst Politiker, saß aber schon im RTL-Verwaltungsrat, bevor ich in die Regierung ging. Ich könnte Ihnen viele Beispiele ausländischer Regierungen geben, die wegen irgendwelcher Sendebeiträge interveniert haben.

SPIEGEL: Wer denn?

THORN: Sage ich nicht. Aber immer wenn was schiefgeht in der Politik glaubt der Politiker - und ich habe das vielleicht auch einmal geglaubt - da müßten die Journalisten, die Medien ihre Hand im Spiel haben. Kein Politiker kann sich ja vorstellen, daß er durch eigenes Versagen den Bach runtergeht.

SPIEGEL: Aber warum überhaupt so wenig Politik im Programm, selbst in den Nachrichten; halten Sie Ihre Zuschauer für so apolitisch?

THORN: Wir als Ausländer müssen uns vor dem Vorwurf in acht nehmen wir begünstigten eine bestimmte parteipolitische Linie. Das dürften wir nicht In Frankreich steht das sogar in unserer staatlichen Konzession. Selbstverständlich aber müssen wir über alle wichtigen politischen Vorgänge umfassend und korrekt informieren.

SPIEGEL: In der Bundesrepublik haben Sie es mit vorwiegend unionsregierten Ländern zu tun, von denen Sie bei der Vergabe von Sendefrequenzen abhängig sind. In Unionskreisen aber wird die Bertelsmann-Beteiligung bei RTL plus häufig so gewertet, als entstehe da ein elektronischer »Stern« oder so etwas.

THORN: Bertelsmann ist doch ein erfolggetrimmter Weltkonzern, der viel zu gescheit ist, um im Fernsehen ein politisches Genre-Programm aufzubauen. Ich verstehe all diese Verdächtigungen nicht. Geben Sie uns ein bißchen Zeit, dann wird sich zeigen, daß Ihr Vorwurf ...

SPIEGEL: ... unser Vorwurf ist das nicht ...

THORN: ... daß der Vorwurf aus Unionskreisen unberechtigt ist.

SPIEGEL: Ihr wichtigster Partner ist die werbungtreibende Wirtschaft. Die Zuschauer haben ja weniger nach den Kommerzsendern gerufen als die Industrie. Und gerade die hält sich nun merklich zurück, weil die Reichweiten fehlen. Enttäuscht Sie das?

THORN: Nein. Wir haben einen Zehnjahresplan aufgestellt und liegen auch jetzt im Schnitt auf dieser Linie. Es kommt auf steigende Zuschauerzahlen an, dann wird die Werbung nachziehen, nicht umgekehrt.

SPIEGEL: Darf denn Ihre Reklamekundschaft Einfluß auf Ihr Programm nehmen? Mancher glaubt ja ohnehin, beim Kommerzfernsehen hänge die Information »von der Zahlungskraft derer ab, über die berichtet wird«, wie es ZDF-Intendant Dieter Stolte einmal nannte.

THORN: Die Gefahren des Sponsorentums muß jede Fernsehgesellschaft - je nachdem, wie sie ihr Programm konzipiert - mit sich selbst ausmachen. Für RTL plus kommt so was überhaupt nicht in Frage.

SPIEGEL: Wirklich nicht?

THORN: Ich kann mir nur vorstellen daß ein Interessent sagt: Herr Thorn, ich möchte Sponsor für eine größere Sendung sein, aber nicht für dieses moderne Theater, sondern lieber für eine Sportveranstaltung. Daß man das macht, kann ich mir vorstellen.

SPIEGEL: Es geht ja nicht nur um Werbung und Programme, sondern um Marktmacht in der privaten TV-Branche und viel Geld. Könnte - sagen wir: neben RTL plus - der große Gewinner in Deutschland Leo Kirch heißen? Der Münchner Filmkaufmann spielt schon jetzt eine dominierende Rolle bei Ihrem Konkurrenz-Kanal Sat 1, und über seine Beteiligung am Axel Springer Verlag wird seine Bedeutung noch zunehmen.

THORN: Herr Kirch ist zweifellos ein erfolgreicher Kaufmann, aber wie lange?

SPIEGEL: Wie lange erfolgreich meinen Sie?

THORN: Wie lange erfolgreich. Wir kämpfen alle um Erfolg. Aber ich glaube, die Entwicklung und die Strukturen werden über die Rolle von Herrn Kirch hinausgehen, auch wenn sie ihm eine wichtige Funktion lassen können.

SPIEGEL: Filmhändler Kirch, der ja auch das ZDF beliefert, hat sich im Produktionsbereich mit anderen Medienkonzernen verbunden: mit Berlusconi in Italien, Seydox in Frankreich, Maxwell in Großbritannien. Hat die Schlacht um die Vorherrschaft im europäischen Privatfernsehen begonnen?

THORN: Ja, die Schlacht beginnt, das kann man so sagen.

SPIEGEL: Und die Fronten der Medien-Barone formieren sich: der Australier Rupert Murdoch und der Franzose Robert Hersant, der Bertelsmann-Konzern und Gaston Thorn mit seinem Medienkonzern CLT und andere mehr. Welche Chancen rechnen Sie sich denn für RTL plus und für CLT aus, ganz vorn mitzumischen?

THORN: Es sind zu viele, die sich heute das große Geschäft vom Satellitenfernsehen versprechen. Denn in den 90er Jahren kommen wir in eine neue Phase wie wir sie heute etwa beim Stahl erleben. Dann werden wir feststellen, daß auf dem Markt nur für wenige Platz ist. Und dann wird es, wie ein französischer Kollege gesagt hat, noch viele Tote geben.

SPIEGEL: Werden Sie überleben?

THORN: Die Zukunft der CLT liegt darin, daß wir mit verschiedenen Partnern, in verschiedenen Sprachen und mit den verschiedenen Regierungen in Frankreich und Deutschland und anderswo zusammenarbeiten.

SPIEGEL: Wie viele bleiben übrig beim europäischen Medien-Monopoly?

THORN: Es gibt Leute, die von den magischen Drei im Wirtschaftsleben sprechen und sich davon leiten lassen: In vielen großen Märkten gebe es drei große Konkurrenten. In den USA etwa drei Automobil-Konzerne und drei Broadcasting Systems.

SPIEGEL: Aber die deutschen Unionsparteien haben doch immer die große Anbietervielfalt propagiert. Statt dessen läuft alles in Richtung einiger weniger kapitalstarker Großanbieter. Andere Programm-Macher können die Durststrecke bis zum wirtschaftlichen Erfolg gar nicht bezahlen.

THORN: Hüten Sie sich vor denen, die angeblich bereit sind, Geld zu verlieren. Wer will das schon - es sei denn, es gibt so etwas wie höhere politische Ziele. Das sind die Gefährlichen.

SPIEGEL: Und wo stecken die?

THORN: Ich weiß nicht. Ich fürchte nur, daß sich viele Konkurrenten jedem anbieten, um ihre Existenz finanziell zu sichern. Programm-Qualität wird auf dem privaten europäischen TV-Markt nur von einer kleinen Zahl, von drei

oder vier Riesen garantiert werden können.

SPIEGEL: Was wird eigentlich mit den riesigen Werbesummen geschehen, mit denen Ihre Branche rechnet? Jetzt sind es europaweit 9,5 Milliarden Mark, 1990 sollen es schon 14 Milliarden sein. Fließen die dann in die Programme, oder sacken die Eigentümer die Gewinne ein und sagen: Besten Dank, das war''s, was wir wollten?

THORN: Noch verlieren wir ja alle Geld, und jeder hofft, so schnell wie möglich den Break-even zu erreichen.

SPIEGEL: Aber dann?

THORN: Darüber kann ich nur spekulieren. Ich glaube, daß jeder seinen Gewinn erst einmal investieren wird - so viel wie möglich, wenn nicht gar alles, weil jeder den Kampf um die Einschaltquoten gewinnen will. Später können wir hoffentlich unseren Shareholders etwas ausbezahlen; das ist ja so üblich im Geschäftsleben.

SPIEGEL: Aus dem Jedermannsrecht der Programm-Verbreitung, das von Bonns Postminister Schwarz-Schilling immer beschworen wurde, wird also eine Alleinveranstaltung des großen Geldes.

THORN: Die Dimension des freien Himmels mit Satelliten und Sendungen aus dem All ist nun mal so groß, daß nicht jeder Handwerksbetrieb eine Chance hat, da als Betreiber einzusteigen. Deshalb liegt uns bei CLT auch daran, daß dies niemals die Gesellschaft eines einzigen Unternehmens sein kann. Wir haben bei uns als größte Teilhaber die belgische Gruppe Bruxelles-Lambert, dann die französische Havas, die Verlagsgruppe Hachette und andere.

SPIEGEL: Um es anders zu sagen: Es sind französisch-belgische Waffenkonzerne, internationale Banken und Baulöwen. Und neben dem weltgrößten Medienkonzern Bertelsmann mischt über eine Beteiligungsgesellschaft auch schon Medientycoon Rupert Murdoch mit ...

THORN: ... und dann ist da noch ein früherer, abgedankter Politiker als Präsident - in diesem Jargon könnte man weitermachen.

SPIEGEL: Die Hintergründe Ihrer aufblühenden Branche sind eben etwas verwirrend.

THORN: Nun, Bruxelles-Lambert und Havas sind kapitalkräftige Gesellschaften, aber keine Waffenhändler oder so was. Von Land zu Land versuchen wir, Teilhaber zu finden: Bertelsmann in Deutschland, demnächst in Spanien wieder ein neuer Gesellschafter.

SPIEGEL: Wieder einer aus der ersten Liga der Finanzwelt?

THORN: Das ist vielleicht großes Geld, wie Sie es nennen, denn es müssen schon kapitalkräftige Leute oder solche von beruflich erstem Rang sein. Aber das alles addiert sich - ein bißchen links, ein bißchen rechts von der Mitte - zu einer Gesellschaft, die nie einem einzigen Machthaber allein dienen kann.

SPIEGEL: Wenn Ihr Geschäft so viel Risiken birgt, wie Sie es geschildert haben, was reizt Unternehmer dann hier viel Geld zu investieren und womöglich zu verlieren?

THORN: Zwei Gründe: Wir sind ja schon im Geschäft und haben damit viel Geld verdient. Also wollen wir in den neuen Bereichen, nach der unumgänglichen Durststrecke, von unseren Erfahrungen profitieren und wieder Geld verdienen.

SPIEGEL: Das ist der gute Grund.

THORN: Zweitens ist die Kommunikation überhaupt die Industrie von morgen. Und die Unternehmen dieser Wachstumsindustrie kommen zu uns und fragen: Können Sie nicht helfen, auch in unserem Land so etwas auf die Beine zu stellen wie im Nachbarland? Das ist doch die Logik der Entwicklung, wie wir sie in der Industriegesellschaft kennen, und davon werden wir profitieren.

SPIEGEL: Und das alles gibt dann reichen Humus für das Wachsen und Gedeihen einer neuen europäischen Kultur?

THORN: Ach wissen Sie, solche Zeiten des Umbruchs hat es doch immer gegeben. Und periodisch hieß es immer wieder, jetzt ist es vorbei mit der Kultur. Früher war es immer eine elitäre Reaktion, inzwischen ist sie immer auch zwischen Rechten und Linken umkämpft. Natürlich wird auch die neue Medientechnik stilprägend sein, neue Formen schaffen.

SPIEGEL: Woran denken Sie da?

THORN: Da müßte ich über etwas reden, was es noch gar nicht gibt. Aber denken Sie mal, ganz einfach, an die Produktion neuer Serien. Die werden sicher ganz anders als bisher - immer kürzer, weil die Leute nicht mehr so lange zuhören wollen und sonst auf eins der anderen Programme umschalten. Außerdem müssen die Dialoge so geschrieben werden, daß sie schnell übersetzt werden können, weil das Übersetzen in die Sprachen der Gemeinschaft zum Bestandteil der Produktion wird.

SPIEGEL: Das sind ja schöne Aussichten.

THORN: Ich bin nicht der Meinung, daß Popularisierung der Kultur schadet, sie zum Verlierer macht. Ganz im Gegenteil.

SPIEGEL: Wie stehen Ihre Chancen, sich als Medienbaron gegen Konkurrenten wie Berlusconi oder Murdoch international zu behaupten?

THORN: Bitte keinen Mißbrauch von Adelstiteln in einem Großherzogtum. Also, ich fühle mich eher wieder wie als Politiker in den letzten zwanzig Jahren: als kleinster unter den großen Fischen und Haien.

SPIEGEL: Monsieur Thorn, wir danken Ihnen für dieses Gespräch. *KASTEN

Gaston Thorn *

steht seit Mai an der Spitze der Compagnie luxembourgeoise de telediffusion (CLT). Der luxemburgische Medienkonzern betreibt neben dem Privatfunk Radio Luxemburg (RTL) Fernsehsender in Luxemburg, Belgien, Frankreich und der Bundesrepublik. In Deutschland konkurriert der Kommerzsender RTL plus vor allem mit dem Verlegerfernsehen Sat 1. Thorn, 59, bis Ende 1984 vier Jahre EG-Präsident und zuvor Regierungschef in Luxemburg will seine Fernsehsender zu einem europäischen TV-Netz ausbauen.

[Grafiktext]

DIE EIGNER DER SEICHTEN WELLE Besitzverhältnisse bei RTL plus in Prozent Havas-Gruppe 30,0 Audifina 38,5 Bruxelles-Lambert // // 31,7 85,7 // // // // CLT Fratel 27,6 Compagnie luxembourgeoise 24,6 Paribas de telediffusion (Banque de Paris // // et des Pays Bas) 8,8 46,1 7,3 // // Parfinance Public 14,3 RTL Westdeutsche Allgem. Ufa/Bertelsmann 38,9 PLUS 10,0 Zeitung // // // // // // 2,0 1,0 2,0 // // Burda Frankfurter Allgem. Deutsche Bank Zeitung (verwaltet treuhänderisch) TV-GIGANTEN DER ZUKUNFT? Umsatz 1986 der größten Medienkonzerne (in Milliarden Dollar) und ihre derzeitigen Beteiligungen an europäischen privaten Fernsehgesellschaften 0,35 CLT Anteile an M6 (Frankreich) Compagnie luxembourgeoise de telediffusion und Gemeinschaftsunternehmungen (Dachgesellschaft), Luxemburg mit Bertelsmann und Murdoch 1,0 Robert Maxwell 12,5 % bei TF 1 (Frankreich), ("Mirror«-Gruppe) betreibt die britischen Kanäle Großbritannien Premiere und MTV 1,3 Robert Hersant 25 % bei »la 5« ("Socpresse") Frankreich 2,6 Rupert Murdoch betreibt den ("News Corp.") britischen Sky Channel Australien 3,5 Havas-Gruppe betreibt bei 25 % (Verlage, Werbung, Reisen) Anteilen Canal Plus, Frankreich 16 % Anteile an CLT 4,4 Bertelsmann Anteile an (Medienkonzern), RTL plus Bundesrepublik und CLT 5,0 Silvio Berlusconi betreibt drei private ("Fininvest"), italienische Fernsehstationen, Italien 25 % bei »la 5«, Frankreich 7,6 Francis Bouygues 25 % bei (Bauunternehmer, Medien) TF 1 Frankreich

[GrafiktextEnde]

Mit Redakteuren Werner Dähnhardt und Hartmut Volz in derCLT-Zentrale in Luxemburg.

Werner Dähnhardt, Hartmut Volz
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