Ethik-Index DaimlerChrysler gehört nicht zu den Guten

Der FTSE4Good Index nimmt nur Unternehmen auf, die Menschenrechte achten und keine Waffen herstellen. DaimlerChrysler und die Dresdner Bank schafften die Aufnahme nicht.

Von Bernd Dörries


Unter keinem guten Stern: DaimlerChrysler kam wegen seiner Waffenproduktion nicht in den neuen FTSE-Index
AP

Unter keinem guten Stern: DaimlerChrysler kam wegen seiner Waffenproduktion nicht in den neuen FTSE-Index

Hamburg - Der am 31. Juli startende FTSE4Good ist ein Produkt der FTSE-Gruppe, die auch den wichtigsten Index der Londoner Börse verwaltet. Die Unternehmen der verschiedenen FTSE4Good-Indizes werden nach drei Grundkriterien bewertet: dem Streben nach umweltverträglichen Verhalten, der Förderung und Einhaltung von Menschenrechten und der Entwicklung einer positiven Beziehung zu den Anteilseignern. Die Indizes werden in vier Handelsbereichen angeboten: Großbritannien, Europa, den USA und dem Rest der Welt. Von vornherein ausgeschlossen sind Unternehmen aus drei Branchen: die Tabakindustrie, Waffenproduzenten sowie Betreiber von Kernkraftwerken.

Von 39 untersuchten großen deutschen Firmen haben sich 17 für die Aufnahme in den FTSE4Good-Europe-Index qualifiziert, darunter die Deutsche Telekom und SAP. In manchen Bereichen sind die Anforderungen an die Unternehmen aber relativ allgemein. So wurde Volkswagen aufgenommen, obwohl seine Produkte nicht gerade als umweltfreundlich gelten. Auch Lufthansa und BMW sind auf der Liste.

Viele namhafte Konzerne wurden aber abgelehnt: DaimlerChrysler darf wegen seiner Beteilung an EADS nicht in den Index, da das europäische Luftfahrtkonsortium auch Waffen herstellt. Siemens wurde wegen der Waffenproduktion und seiner Beteiligung am Bau von Kernkraftwerken ausgeschlossen. ThyssenKrupp schaffte in fast allen Kategorien ein "inakzeptabel". Die Dresdner Bank und Commerzbank erfüllten im Bereich Menschenrechte nicht die erforderlichen Kriterien. "Beide Banken sind in Ländern mit äußerst repressiven Regierungen aktiv", sagt Karen Eldridge vom britischen Ethical Investment Research Service (EIRIS), das den Index mitentwickelt hat. "Die beiden betroffenen Geldinstitute verfolgen keine Unternehmenspolitik, die sich an der Einhaltung von Menschenrechten orientiert", lautet ihr Urteil. Eine Einschätzung, die den Unternehmen weh tun soll. "Wir hoffen, dass die ausgeschlossenen Unternehmen ihre Politik ändern", sagt Eldrige. Denn das Interesse der Anleger an "ethischen Investments" sei stark gestiegen.

Besonders in Deutschland sieht man gute Marktchancen. "Fast die Hälfte aller Privatanleger will ihr Vermögen sozial verantwortlich investieren, doch der Marktanteil der entsprechend ausgerichteten Fonds liegt bei derzeit nur unter einem Prozent", sagt Daniel Winkler, FTSE-Business-Manager für Deutschland. In Großbritannien hat eine Kapitalgesellschaft bereits angekündigt auf der Basis des FTSE4Good mehrere Fonds für private und institutionelle Investoren anzubieten.



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