Etikettenschwindel Millionen Käfig-Eier angeblich als "Bio" und "Freiland" verkauft

Unechtes Ökosiegel: Nach Angaben der Tierschutzorganisation Peta sind Millionen Eier als Freiland- oder Bioprodukte verkauft worden, die in Wirklichkeit konventionell hergestellt wurden. Aufsichtsbehörden und betroffene Betriebe weisen den Vorwurf zurück.


Berlin - 300.000 Eier täglich und das über Jahre: Die brandenburgische Firma Landkost-Ei Erzeugergemeinschaft habe Millionen von Eiern aus Bodenhaltung fälschlicherweise als "Bio-" und "Freiland-"Eier verkauft, teilte die Tierschutzorganisation Peta am Mittwoch in Berlin mit. Geliefert worden seien die Eier an große Supermarktketten in ganz Deutschland sowie an den Babynahrungs-Hersteller Hipp. Die Organisation stellte Strafanzeigen gegen die Lieferfirma sowie einen Zwischenhändler.

Eier mit Herkunftskennzeichnung: Ziffer 1 steht für Freilandhaltung
AP

Eier mit Herkunftskennzeichnung: Ziffer 1 steht für Freilandhaltung

"Wenn Eier aus Bodenhaltung als Freiland- und Bio-Eier verkauft werden, dann ist das Betrug", erklärte Edmund Haferbeck von Peta. Die Organisation beruft sich auf eigene Recherchen und stellte Videoaufnahmen aus zwei Betrieben der Firma Landkost ins Internet. In einem Betrieb in der Nähe von Berlin seien die Hühner "nirgendwo" in Freilaufhaltung unterbracht. Die Ausgangsklappen auf ein mögliches Freilaufgelände seien größtenteils zugewachsen. Gestresst oder apathisch wirkende Hühner stünden vielmehr dicht an dicht in der Halle.

Abnehmer der falschen Bio-Eier waren Peta zufolge Supermärkte von Rewe, Edeka, Penny und Coop in ganz Deutschland. Die falschen Freiland-Eier hätten Märkte von Edeka und Kaiser's Tengelmann in Berlin abgenommen, wobei die Produkte teilweise unter Eigenmarken angeboten worden seien. Außerdem seien gefälschte Bio-Eier an den Babynahrungs-Hersteller Hipp gegangen. Alle Bio-Eier habe der mehrfach ausgezeichnete Bio-Hof Deersheim in Sachsen-Anhalt als Zwischenhändler vertrieben. Sowohl Landkost als auch der Bio-Hof wiesen die Vorwürfe als haltlos und falsch zurück.

Rewe und Edeka erklärten, die Vorwürfe zu untersuchen. Edeka habe bereits am Dienstag "ein unabhängiges Prüfinstitut beauftragt, die Betriebe zu kontrollieren", sagte ein Sprecher in Hamburg. Gleichzeitig kündigten die zuständigen Behörden von Berlin und Sachsen-Anhalt an, diese Vorwürfe umgehend zu prüfen. Bei bisherigen Kontrollen haben die Ämter nach eigenen Angaben jedoch keine Mängel festgestellt. Das zuständige Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt des brandenburgischen Landkreises Oder-Spree bezeichnete die Vorwürfe in einer ersten Reaktion als "absoluten Quatsch".

In Deutschland können Verbraucher seit einigen Jahren Herkunft und Produktionsart der Eier auch mit Hilfe eines Aufdrucks auf den einzelnen Eiern erkennen. Dabei steht "0" für Biohaltung, "1" für Freilandhaltung, "2" für Bodenhaltung und "3" für Käfighaltung.

sam/AFP/dpa



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